Photographien von Bettina Rheims und Serge Bramly

 

 

 

Während Bettina Rheims (geb. 1952) und Serge Bramly (geb. 1949) mit ihrer Inszenierung der Heilsgeschichte in Frankreich schon im letzten Jahr Kontroversen entfachten, und gar der Blasphemie bezichtigt wurden, erhielten sie in Deutschland fast hymnische Kritiken. Sie hätten mit ”I.N.R.I.” die ”passende Bibel zur Jahrtausendwende” geschaffen, hieß es ausgerechnet in den ”Evangelischen Kommentaren”.

In den 85 großformatigen Photos wird Jesus von verschiedenen Darstellern verkörpert,  und die Heilsgeschichte spielt sowohl am Mittelmeer wie in verlassenen Garagen, Fabriken und Krankenhäusern bei Paris.

Die Lebensgeschichte der Person, die für einen großen Teil der Menschheit ”die Wichtigste” ist, in die Bildsprache des 21. Jahrhunderts zu übersetzen, ist das Anliegen der beiden Künstler. Bettina Rheims hatte bereits seit Anfang der 90er Jahre mit anderen spektakulären Photoprojekten in Frankreich für Furore gesorgt. Ungeachtet der Tatsache, dass ihre kunstvoll arrangierten Aktphotos die Öffentlichkeit provozierten, berief sie der Elysee-Palast 1995, um das offizielle Präsidentenphoto Jacques Chiracs aufzunehmen.

Das Deutsche Historische Museum nimmt den Millenniumswechsel zum Anlass, mit diesen ungewöhnlichen, wie große Tafelmalereien wirkenden Photos (1x1 m, 1x1,60 m), an das entscheidende Ereignis der abendländischen Geschichte zu erinnern. Denn mit der Geburt Christi beginnt unsere Zeitrechnung.

Die radikale Bildsprache von Bettina Rheims und Serge Bramly wird niemanden kalt lassen. Die Photographen folgen dem Beispiel von Künstlerinnen und Künstlern der Vergangenheit, ”die nicht davor zurückschreckten, Episoden der Heiligen Schrift in ihr Jahrhundert zu transponieren und ihnen als Hintergrund einen Vorort von Florenz zu geben.” (Bettina Rheims und Serge Bramly im Vorwort zu ihrem Photoband I.N.R.I., 1998). Im Falle von Bettina Rheims und Serge Bramly ist es die bunte, schrille Welt der Video-Clips, in denen sich Kunstgeschichtszitate mit Bruchstücken der Film- und Werbeästhetik verbinden.

Zwei begleitende Informations-Räume stellen die Bilder in ihren historischen Kontext. Informationen zur historischen Person Jesu erinnern an die jüdischen Wurzeln des Christentums, dessen Wirkungsgeschichte anhand verschiedener Bibeln aus den letzten Jahrhunderten angedeutet wird. Ein Führungsangebot ergänzt das Ausstellungsprojekt.

Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 28. November 1999, dem 1. Advent, in Anwesenheit der Künstler eröffnet.

28. November bis
29. Februar 2000
Kronprinzenpalais 
Unter den Linden 3
10117 Berlin-Mitte
Täglich außer mittwochs 
10.00 - 18.00 Uhr




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