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Während des deutschen Angriffs auf
Polen im September 1939 entwickelte sich an der Westfront
ein »Sitzkrieg«. Es kam zu kleineren Vorstößen der
Franzosen ins Vorfeld des Westwalls und zu
Artilleriebeschuß von evakuierten Ortschaften, mit dem
beide Seiten ihre Präsenz demonstrieren wollten. Im Mai
1940 begann der Frankreichfeldzug. Bis zum
Waffenstillstandsabkommen im Juni galt der Westen als
Frontgebiet. Trotzdem setzte der Reichsarbeitsdienst
auch hier seine »Arbeitsmaiden« ein. Sie halfen bei der
Evakuierung von Dorfbewohnern, bei der Ernte in den
gefährdeten und zeitweise geräumten
Gebieten,schließlich auch bei den Vorbereitungen für
die Rückkehr der Evakuierten und beim Wiederaufbau.
Dieser Einsatz von Mädchen in Frontnähe diente
propagandistisch dazu, den Anschein von Sicherheit und
Normalität zu wahren. Es sollte der Eindruck entstehen,
als ob Kriegsschäden problemlos und effizient behoben
werden könnten. Aus weiblicher Sicht kam noch ein
anderer Aspekt dazu: »das gewaltige innere Erlebnis
eines Kriegsjahres unmittelbar hinter der Front«.
Diese Formulierung aus der »NS-Frauenwarte« rückt
weibliches Erleben in die Nähe der Kriegserlebnisse von
»Frontkämpfern«. Die Grenzen zwischen
männlich-militärischer »Front« und »Heimatfront der
Frauen« begannen schon zu verschwimmen, bevor
Kriegsschauplatz und »Heimat« ein und dasselbe wurden.
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