»Heimatfront der Frauen«

Die Fotografien von Liselotte Purper spiegeln einen großen Teil der offiziell erwünschten Aktivitäten von Frauen im »Dritten Reich« wider. Im Kontext der nationalsozialistischen Propaganda erzählen sie von dem Versuch, auch Frauen umfassend in eine »Volksgemeinschaft« einzugliedern, die von Anfang an auf Krieg ausgerichtet war. Die Kriegsvorbereitungen der Nationalsozialisten beschränkten sich nicht auf die militärische Aufrüstung, sondern sollten die gesamte Bevölkerung mobilisieren. Das Durchhaltevermögen der »Heimatfront der Frauen« wurde als ebenso kriegsentscheidend betrachtet wie der militärische Einsatz.

Liselotte Purpers Auftraggeber waren häufig Frauen: die Reichsfrauenführung und der Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend. Die im publizistischen Bereich tätigen »Volksgenossinnen« verbreiteten das Bild einer selbständigen, tatkräftigen deutschen Frau. Der NS-Staat tolerierte und förderte dieses Frauenbild, solange es unter der Prämisse der »Opferbereitschaft« für die »Volksgemeinschaft« stand. Trotz aller Ideologie war es in der Praxis nicht erwünscht, daß sich Frauen ausschließlich ihrer Mutterrolle widmeten. Schon die Erfassung von Frauen in Organisationen wie dem Reichsarbeitsdienst oder der NS-Frauenschaft - ihre Integration im Staatskörper - widersprach den traditionellen Vorstellungen vom Platz der Frau in einer häuslich-privaten Sphäre.

Kriegsvorbereitung und Kriegsführung forderten den Einsatz von Frauen auf ganz unterschiedlichen Gebieten: Sie sollten dem Vaterland nicht nur Kinder gebären und ihren Haushalt zur Keimzelle der »wehrhaften« Volkswirtschaft machen, sondern auch am Arbeitsplatz »ihren Mann stehen«.

Die Bilder von Liselotte Purper unterstützen auf den ersten Blick den Mythos einer intakten »Volksgemeinschaft«. Details wie ein antisemitisches Pamphlet im Hintergrund oder Bilder vom »rassekundlichen« Unterricht verweisen jedoch darauf, wie die nationalsozialistische Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik auch in unpolitisch erscheinenden Lebensbereichen ständig präsent war.