»Die Schule der Nation«

Der um 1931/32, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, geschaffene Arbeitsdienst wurde im »Dritten Reich« systematisch ausgebaut. Als »Schule der Nation« sollte der Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend (RADwJ) dazu beitragen, junge Frauen aller Schichten in die nationalsozialistische »Volksgemeinschaft« einzugliedern. Ein halbes Jahr lang lebten die »Arbeitsmaiden« zusammen mit Gleichaltrigen in stadtfernen Lagern, abgeschnitten von ihren bisherigen Bindungen. Solche Bedingungen erinnern nicht zufällig an den männlichen Wehrdienst. Der Tagesablauf war streng reglementiert: Frühsport, Fahnenappell, Arbeit, Unterricht, organisierte Freizeitaktivitäten.

Obwohl die Erziehung durch Arbeit im ländlichen Bereich, wie sie der RAD propagierte, im Nationalsozialismus einen hohen ideologischen Stellenwert hatte, gab es auch Gegner. Seit ungefähr 1936/37, in Zeiten wachsenden Arbeitskräftemangels, brauchte man dringend junge Frauen in der Industrie. Zudem wollten viele Eltern ihre Töchter nicht für ein halbes Jahr in die Fremde schicken und versuchten mit Erfolg, sie von der Arbeitsdienstpflicht befreien zu lassen. Die Bilder fröhlicher, gesunder Arbeitsmaiden in ländlich-schöner Umgebung dienten nicht zuletzt dazu, die Position des RADwJ im Machtgefüge des NS-Staates zu stärken und skeptische Eltern zu überzeugen. 1940 fand auf dem Berliner Reichssportfeld eine große Ausstellung statt, die für den RADwJ warb. Liselotte Purper hat diese nicht nur dokumentiert, sondern auch Aufnahmen für die dort gezeigten Fotomontagen angefertigt.