Neben der Binnenwanderung wurde die Auswanderung ein wichtiger
Teil der Bevölkerungsbewegung in Deutschland und Europa.
Zwischen 1830 und 1913 verließen mehr als 6 Millionen Menschen
Deutschland, davon mehr als die Hälfte zwischen 1861 und
1913.
Mit der Aufhebung von Erbuntertänigkeit und Schollenbindung (Bindung an Grund und Boden) für die Bauern in der Bauernbefreiung, verstärkt durch das sprunghafte Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert, durch die fortschreitende Industrialisierung und Erwerbsschwierigkeiten im ländlichen Bereich, setzte in den 1820er Jahren eine große Landflucht ein. Die Binnenwanderung in Deutschland fand vom Osten nach Westen, vom Land in die Stadt, von der nächsten Stadt in die industriellen Ballungszentren statt.
Gleichzeitig mit der Verstädterung Deutschlands verschärften
sich die sozialen Probleme, die es bereits vor der Industrialisierung
gegeben hatte. Davon war insbesondere auch das Gewerbe betroffen,
wo viele Handwerker am Rande des Existenzminimums lebten. Zudem
verfügten die rasant anwachsenden Städte weder über
ausreichende sanitäre Einrichtungen noch über Wasserversorgung
oder Wohnungen. Große Bevölkerungsteile lebten in Armut,
in Mietskasernen unwürdig eingepfercht und ohne Aussicht
auf Besserung ihrer persönlichen Situation.
Wirtschaftliche Not war wohl die wichtigste, aber nicht die einzige Ursache der Auswanderung nach Übersee, vornehmlich in das »gelobte Land« Amerika. Die sprunghaft wachsenden Zahlen der Auswanderer in die USA nach den fehlgeschlagenen Revolutionen zeigen auch die Hoffnung auf ein freieres, demokratisches Leben jenseits des Ozeans.