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Raum 23 - Nationalbewegung und Reichsgründung

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[Raum 23] [Schautuch mit "Germania auf der Wacht am Rhein"] Die deutsche Nationalbewegung war eine heterogene Mischung von bürgerlichem Vereinswesen, liberaler Publizistik, wirtschaftlicher Initiative und parlamentarischer Opposition und deswegen schwer für eine klare Lösung der deutschen Frage zu mobilisieren. Nach ihrer Niederlage in der Revolution von 1848/49 trat sie einstweilen in den Hintergrund, um im Zusammenhang mit dem österreichisch-französischen Krieg in Norditalien 1859 wieder zu erstarken. Der »Deutsche Nationalverein« wurde jetzt gegründet, der in Preußen die Vormacht einer künftigen deutschen Einheit sah. Das lief auf die kleindeutsche Lösung hinaus, ein Deutschland ohne Österreich.


[Das Aufhissen der deutschen Fahne auf dem Fort Vanves] Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck verfolgte ein ähnliches Ziel, allerdings ohne Unterstützung der liberalen Nationalbewegung, der er die politische Handlungsfähigkeit absprach: Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werde die deutsche Einheit geschaffen, sondern durch Blut und Eisen. In den drei »Einigungskriegen« – 1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich, 1870/71 gegen Frankreich – erwies sich der Erfolg der Bismarckschen Realpolitik. Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles der preußische König Wilhelm I. von den deutschen Fürsten zum Deutschen Kaiser ausgerufen.

[Schautuch mit "Germania auf der Wacht am Rhein"] [Gloria Victis] Daß damit kein Großpreußen, sondern ein Deutsches Reich entstanden war, war allerdings das Verdienst der deutschen Nationalbewegung, die generationenlang diesen Traum propagiert und ihn den Regierenden aufgezwungen hatte. Insofern war die Reichseinigung zugleich eine »Revolution von unten« wie eine »von oben«.


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