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Raum 24 - Das Bismarckreich

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[Raum 24] [Die Fahne des Deutschen Reiches] Das Deutsche Reich, 1871 auf den Schlachtfeldern Frankreichs gegründet, war ein Bündnis der deutschen Fürsten, gestützt auf die preußischen Waffen, getragen vom Jubel des national gesinnten Bürgertums. Diese drei Säulen des Reiches spiegelten sich in der Reichsverfassung wider. Das Reich war ein Bundesstaat. Die verbündeten deutschen Länder waren in der Ersten Kammer vertreten, dem Bundesrat. Ihm stand als Zweite Kammer der Reichstag gegenüber, aufgrund des fortschrittlichsten Wahlrechts in Europa aus freien, gleichen und geheimen Wahlen aller deutschen Männer ab 25 Jahre hervorgegangen. Das dritte Element, die Armee, war allerdings vom Parlament ebenso unabhängig wie die Reichsregierung, als deren einziger Minister der Reichskanzler amtierte, bis 1890 Fürst Bismarck. Das Reichsheer, in der Hauptsache die preußische Armee, sowie die Reichsregierung und -verwaltung waren dem preußischen König zugeordnet, der das Bundespräsidium innehatte und in dieser Rolle den Namen »Deutscher Kaiser« führte.

[Der Kongreß zu Berlin] [Der Unzufriedene] Das neue Deutsche Reich bildete eine geballte Macht in der Mitte Europas und wurde deshalb von den älteren europäischen Mächten mit Argwohn beobachtet. Bismarck suchte diesen Argwohn zu beschwichtigen, indem er mit Hilfe eines komplizierten Bündnissystems eine Politik des europäischen Ausgleichs betrieb und »ehrlicher Makler« zwischen den Mächten sein wollte. Den Höhepunkt dieser Politik stellte 1878 der Berliner Kongreß dar, der die Gefahr eines europäischen Krieges vorerst bannte.

Nach innen mußte die nationale Einheit Deutschlands noch hergestellt werden. Im Kulturkampf suchte die Reichsregierung den deutschen Katholizismus mit seinen transnationalen Aspekten national zu mediatisieren. Das Sozialistengesetz von 1878 war die staatliche Antwort auf die Kampfansage der »Umsturzpartei«, wie Bismarck die erstarkende Sozialdemokratie nannte. Nationale Minderheiten – Franzosen, Dänen, Polen – widersetzten sich der Germanisierung, und welche Rolle die deutschen Juden zu spielen hätten, war heiß umstritten. So besaß das Bismarckreich ein Doppelgesicht: friedlich nach außen, repressiv gegen Minderheiten nach innen.


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