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Raum 27 - Die wilhelminische Gesellschaft

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[Raum 27] [Lampion mit Bildnis Kaiser Wilhems II.] Wilhelm II. (1859-1941), Deutscher Kaiser seit 1888, verkörperte den Geist seiner Epoche in vieler Hinsicht. Ganz anders als sein Großvater Wilhelm I. war er ein Mann der öffentlichen Pose, blendend und beeindruckend. Seine Neigung zu klirrendem Auftreten und taktlosen Reden machten ihn liberalen Beobachtern im In- und Ausland schnell suspekt. In seiner Regierungszeit blieb die preußische Dreiheit von Kaiserhof, Kasernenhof und Gutshof tonangebend. Der Potsdamer Gardeleutnant wurde zunehmend zum gesellschaftlichen Leitbild. Pomphaftes Auftreten verdeckte den Mangel an gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten und Üblichkeiten, wie sie die politische Kultur von Deutschlands westlichen Nachbarn regulierten.


[Der 70. Geburtstag des Kommerzienrates Valentin Mannheimer] Zugleich bildete sich eine neue großbürgerliche Oberschicht aus Industrie, Finanz und Wissenschaft heraus, die an Selbstdarstellung mit der Aristokratie wetteiferte. Ihr Selbstbewußtsein ließ es zu, daß auch jüdische Bürger in ihr aufsteigen konnten, wie der AEG-Direktor Walther Rathenau oder Albert Ballin, Direktor der HAPAG-Reederei. Zwar war die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in der Reichsverfassung verankert. Der latente Antisemitismus der wilhelminischen Gesellschaft brach jedoch gelegentlich auf, in vorübergehenden Wahlerfolgen der Deutsch-Sozialen Partei des Hofpredigers Adolf Stoecker oder im Berliner Antisemitismus-Streit von 1879.


[Kinderuniform] [Plakat: Eröffnung der Secessionsbühne] Tradition und Moderne prallten aufeinander. Der Kontrast zwischen der akademischen Malerei des Genauigkeitsfetischisten Anton von Werner und den Formexperimenten des Impressionismus und des Jugendstils wiederholte sich auf allen Gebieten der Kunst und griff auch auf die Gesellschaft über. Experimente gegenbürgerlicher Kultur florierten, alternative Kolonien und Kommunen entstanden, in denen anarchistische, lebensreformerische und anthroposophische Neigungen einander die Waage hielten. Die zivilisatorische Übersättigung der Epoche sollte es der bürgerlichen Jugend leicht machen, im August 1914 mit Begeisterung in den Krieg zu ziehen.

Blick in den Ausstellungsraum


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