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Raum 28 - Deutsche Weltpolitik

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[Raum 28] [Schwarz-weiß-rote Flagge an afrikanischem Eingeborenenspeer] Das Mächtesystem Europas ertrug den deutschen Nationalstaat gerade so lange, wie er bereit war, sich strikte Beschränkungen aufzuerlegen. Die ausgleichende Außenpolitik Bismarcks, den Wilhelm II. 1890 entlassen hatte, war von seinen Nachfolgern jedoch nicht fortgesetzt worden. Das Reich trat ein in den Kampf der Industriestaaten um Rohstoffe und Absatzmärkte, Interessenzonen und Kolonien. Deutschland folgte auch den Vorbildern der älteren Kolonialmächte, indem es seine Macht gegenüber den aufbegehrenden Untertanen in den »Schutzgebieten« brutal durchsetzte. Dabei ging es gelegentlich bis an die Grenze des Völkermords (Herero-Aufstand 1904). Begleitet vom Jubel nationalistischer Massenverbände baute Deutschland eine Kriegsflotte, die Großbritannien als Herausforderung empfand und die auch so gedacht war.


[Ausgangsanzug eines Maschinistenmaates] [Bildteppich mit dem Portrait Wilhelms II.] Die europäischen Mächte empfanden das neue, weltpolitisch auftrumpfende Deutschland als bedrohlichen Störenfried. 1904 legten Großbritannien und Frankreich ihre kolonialen Streitigkeiten bei und schlossen ein weitgehendes Bündnis, die entente cordiale; nachdem 1905 der Versuch Wilhelms II. gescheitert war, das alte deutsch-russische Bündnis zu erneuern, folgte zwei Jahre darauf ein britisch-russischer Vertrag, mit dem die beiderseitigen Rivalitäten im Mittleren Osten beigelegt wurden. Deutschland sah sich isoliert, abgesehen von dem österreichischen Bündnispartner, der aber wegen seiner dauernden Verwicklungen auf dem Balkan eher eine Belastung darstellte.


[Postkarte: Schlachtschiff Nassau] Das Gefühl, eingekreist zu sein, löste in Deutschland eine trotzige Stimmung des »Nun erst recht« aus, eine Steigerung des neurotischen Massennationalismus, wie er in der zunehmenden Agitation des »Alldeutschen Verbands« seinen Ausdruck fand.


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