Adolf Hitler ist die zentrale Gestalt der NS-Diktatur von 1933
bis 1945. Die Entfesselung von Gewalt und Verbrechen durch den
deutschen »Führer« ist in der Geschichte ohne Beispiel.
Ins Reichskanzleramt brachte ihn am 30. Januar 1933 eine Gruppe
deutsch-nationaler Republikgegner um den Reichspräsidenten,
die eine konservativ-autoritäre Wende erreichen wollten.
Worin Hitler von seinen Steigbügelhaltern völlig falsch
eingeschätzt wurde, das war, daß er kein Politiker,
sondern Ideologe und Revolutionär war. Die herkömmlichen
Kategorien der europäischen Politik waren ihm fremd und gleichgültig.
Letztenendes besaß er nur ein Ziel: den Krieg zur Errichtung
der Weltherrschaft einer überlegenen, arisch-deutschen Rasse
auf den Knochen der Unterlegenen. Einmal an der Macht, stellte
Hitler seine Helfer kalt und verwirklichte offen oder heimlich,
immer jedoch konsequent seine Ziele: die Zerstörung der Demokratie
und der Menschenrechte, Aufrüstung und Revanchekrieg im Westen,
Eroberungs- und Vernichtungskrieg im Osten. Hitlers Rassenwahn,
vor 1933 schon laut verkündet, wurde in der systematischen
Verfolgung und Ermordung von Kranken und Behinderten, von Homosexuellen,
von Sinti und Roma und von Angehörigen des Judentums schreckliche
Wirklichkeit. Der Juden-Pogrom am 9. November 1938 machte den
Vernichtungswillen des Nationalsozialismus weltweit sichtbar.
Die Errichtung der Diktatur, als »nationale Revolution«
propagandistisch verfälscht, geschah in schnellen Etappen
in den Jahren 1933 und 1934: zuerst Verbot aller Parteien und
Gewerkschaften außer der NSDAP und ihrer Gliederungen, »Gleichschaltung«
der Länder, Etablierung von Terror-Organisationen wie Gestapo,
SS und SA als scheinlegale Staatsinstrumente. Eingeschüchtert
oder freiwillig wurden auch Justiz, Armee und Teile der Kirchen
zu Stützen des Regimes. Gegner wurden in Konzentrationslagern
gequält und ermordet. Tausende von Deutschen gingen in die
Emigration, um Ehre oder Leben zu retten. Wer blieb, wurde im
»Führerstaat« einer totalen Kontrolle unterworfen.
Stärkste Stütze Hitlers wurde sein scheinbar unaufhaltsamer
Erfolg: Staatsaufträge, Aufrüstung und Konjunkturaufschwung
beendeten die Arbeitslosigkeit. Kampflos gewährten die Sieger
von 1918 eine Revision des Versailler Vertrags: die »Heimkehr«
der Saar (1935), den »Anschluß« Österreichs
und der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei (1938).
Millionen von Deutschen verehrten Hitler mit religiöser Inbrunst
als Vollender der deutschen Geschichte. Mit virtuoser Propaganda
stellte sich die Diktatur als moderne, sozial gerechte, sport-
und technikbegeisterte Gemeinschaft dar und täuschte damit
auch einen Großteil der internationalen Öffentlichkeit.
Zugleich irritierte sie freilich durch Antisemitismus und fanatischen
Kampf gegen die moderne Kunst.