Deutscher Kolonialismus

Die Ausstellung

Das Deutsche Reich war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine der großen europäischen Kolonialmächte. Aber erst seit einigen Jahren rückt die koloniale Vergangenheit in Deutschland zunehmend in das öffentliche Bewusstsein. Nicht zuletzt die aktuellen Debatten über die Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama zeigen die Bedeutung des Themas bis heute. Erstmals nähert sich das Deutsche Historische Museum in einer großen Ausstellung auf mehr als 1.000 m² umfassend den verschiedenen Aspekten des deutschen Kolonialismus an und greift damit eine kontrovers geführte Diskussion auf.

Die Ausstellung "Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart" präsentiert mehr als 500 Exponate u.a. aus historischen, ethnologischen und naturkundlichen Sammlungen sowie zahlreiche Gemälde, Grafiken, Alltagsgegenstände, Plakate, Dokumente und Fotografien. Sie geben Einblick in den Verlauf der deutschen Kolonialgeschichte und legen die zugrundeliegende Ideologie des Kolonialismus ebenso offen wie die deutsche Herrschaftspraxis mit der Ausübung alltäglicher Gewalt und der Niederschlagung von Aufständen bis hin zum Genozid. Der deutsche Kolonialismus war wesentlich motiviert von einem politischen Machtstreben nach Gründung des Kaiserreiches 1871 und beruhte ökonomisch auf der Hoffnung auf private wie volkswirtschaftliche Gewinne. An dem kolonialen Projekt waren auf deutscher Seite ganz unterschiedliche Akteure wie Missionare, Beamte, Militärs, Siedler oder Kaufleute beteiligt, deren Ziele und Motive in der Ausstellung beleuchtet werden. Explizit miteinbezogen sind die Perspektive der Kolonisierten sowie deren Interessen und deren Agieren. Die Handlungsspielräume der Kolonisierten reichten dabei von unterschiedlichen Formen des Widerstands bis zur Kooperation und Herrschaftsbeteiligung.

Die Ausstellung zeigt darüber hinaus, dass die Kolonien und das Deutsche Reich in einem Verhältnis wechselseitiger Beeinflussung standen. In Deutschland durchdrangen sogenannte Völkerschauen, Kolonial- und Spielwaren, Reiseberichte und koloniale Abenteuerromane den Alltag von Millionen Menschen unterschiedlichen Alters. Das dadurch ausgeprägte koloniale Bewusstsein hielt zunächst auch nach 1919 weiter an, nachdem Deutschland in Folge der Niederlage im Ersten Weltkrieg die Kolonien aberkannt worden waren. Die Ausstellung gibt dem Umgang mit der kolonialen Vergangenheit in Deutschland und in den betroffenen Ländern Raum, um das Spektrum von Erinnerungspraktiken wie strukturellen Folgen des Kolonialismus aufzuzeigen und somit einen Gegenwartsbezug zu schaffen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Essays internationaler Autorinnen und Autoren in deutscher und englischer Ausgabe. Vorträge, Lesungen und Podiumsdiskussionen mit in- und ausländischen Gästen sowie eine Filmreihe im Zeughauskino vertiefen die verschiedenen Aspekte der Kolonialgeschichte und geben weitere Impulse für eine aktuelle Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit und ihren Folgen.

Im Vorfeld zur Ausstellung fand vom 25. bis zum 27. Mai 2016 die internationale Konferenz "The Cultural Legacy of German Colonial Rule" im Deutschen Historischen Museum statt. Folgend finden Sie die Konferenzbeiträge zum Nachhören:









Geschichte: Privat

Kolonialismus im privaten Gedächtnis

In fotografischen Porträts nimmt der Künstler Philip Kojo Metz die persönlichen Beziehungen von Sammlern, Besitzern und Erben zu Relikten der deutschen Kolonialzeit in den Blick. Das Sammeln von kolonialen Gegenständen folgt ganz unterschiedlichen Motiven. Den Grundstein vieler Sammlungen legte noch eine in den Kolonien aktive Generation, nachfolgende Generationen haben Gegenstände und Erzählungen in ihre Familiengeschichten eingewoben. Sammlerinnen und Sammler erzählen hier ihre Geschichte: