|
Einleitung
Der Fotograf Sebastiao Salgado reflektiert mit seinen Bildern von
verschiedenen Kontinenten die internationale Dimension der Wanderungsbewegungen.
Armut, Unterdrückung, Verfolgung von Minderheiten, religiöse
Konflikte oder Kriege treiben weltweit jährlich Millionen von
Menschen in Flucht, Stadt-Land-Bewegungen, Binnenwanderung oder
Auswanderung.
Migranten und Flüchtlinge
Unter dem Oberbegriff "Migranten" sind Einwanderer bzw.
Auswanderer und Flüchtlinge zusammengefasst. Der Begriff des
Flüchtlings wurde mit der Genfer Flüchtlingskonvention
1951 enger definiert: "Als Flüchtling gilt demnach nur
eine Person, die sich aus "wohlbegründeter Furcht vor
Verfolgung aus Gründen der Rasse, der Religion, der Nationalität,
der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe
oder der politischen Meinung" außerhalb des Landes ihrer
Nationalität befindet...".
Diese Definition klammert zum Beispiel die große Zahl der
Binnenflüchtlinge aus, die sich in derselben Lage befinden,
obwohl sie keine Staatsgrenzen überschritten haben. Gleiches
gilt für Wirtschaftsflüchtlinge aus Gebieten, in denen
Massenelend herrscht.
Beispiel Deutschland
An dieser Stelle soll am Beispiel der deutschen Geschichte verdeutlicht
werden, wie schnell aus einem Auswanderungs- ein Einwanderungsland
werden kann. Im 19. Jahrhundert übertraf die Auswanderung bei
weitem die Einwanderung. Rund fünf Millionen Deutsche wanderten
im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten aus. Mit dem wachsenden
Zustrom ausländischer Wanderarbeiter ins kaiserliche Deutschland
der 1890er Jahre begann die Entwicklung vom Auswanderungsland zum
Einwanderungsland.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich diese Entwicklung
verstärkt, jedoch überwogen in den beiden deutschen Staaten
unterschiedliche Entwicklungen und Erfahrungen. Das galt schon für
die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen. Im Westen
wurden sie "Heimatvertriebene", im Osten "Umsiedler"
genannt. Was im Westen jahrzehntelang von einflussreichen Vertriebenenorganisationen
öffentlich als das "Recht auf Heimat" eingefordert
wurde, blieb in der DDR als "Umsiedlerproblematik" tabuisiert.
Bis zum Bau der Mauer dominierten in der DDR Abwanderung und Ausgliederung
durch Übersiedlung oder Flucht in den Westen. Die Bundesrepublik
forcierte ihrerseits die unter staatlicher Mitwirkung in den 1950er
Jahren begonnene Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte
nach dem Ende des Zustroms aus der DDR. Auch in der DDR gab es -
in vergleichsweise kleiner Zahl - ausländische Arbeitskräfte.
Offiziell wurde die Existenz des sozialistischen Arbeitskräfteimports
verschwiegen.
Während des Vereinigungsprozesses zeigten sich in beiden deutschen
Staaten deutlich unbewältigte Probleme im Umgang mit dem Fremden.
|