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PETER GUBA

SCHUTZPOLIZIST AN DER DDR GRENZE VON 1959-1962

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“Zum Filmen bin ich durch meinen Vater gekommen, der als Hobby fotografierte. Der gab mir den AnstoĂź zur Filmerei -  er sagte: Ein Fotografierer in der Familie ist genug, kauf du dir mal eine Schmalfilmkamera. Und da bin ich bis zum Tode meines Vaters 1976 bei geblieben.”

“Die Filme sind während des Grenzdienstes in den Jahren 1959 – Anfang 1962 entstanden. Zu Zeiten der offenen Grenze wurden wir als Posten oft fotografiert, da habe ich meine Kamera einfach mit an die Grenze genommen und auch gefilmt. Hatte mir dafĂĽr extra eine Kartentasche gekauft, das sah etwas dienstlicher aus. Als dann die Mauer gebaut wurde, habe ich mich damit erst mal etwas zurĂĽckgehalten, aber später gedacht: Du hast die offene Grenze gefilmt, könntest doch als Vergleich auch den Grenzstreifen an der Mauer filmen, wo wir ehemaligen Grenzposten der offenen Grenze jetzt unseren Dienst versahen.”

“Da uns der Partei- und Sicherheitsapparat wohl nicht so recht vertraute, was die DienstdurchfĂĽhrung hinsichtlich der Personenkontrollen an den verbliebenen GrenzĂĽbergängen anbetraf, wurden die meisten Leute von uns nur an der Mauer oder dem Drahtzaun eingesetzt. Deshalb nannten wir uns untereinander despektierlich auch “Zaunkönige” oder “MauerblĂĽmchen“. Habe in der Kompanie den KompaniefĂĽhrer gefragt, der druckste erst noch rum. Als ich sagte, dass ich auch schon an den offenen Ăśbergängen gefilmt habe und nur den Unterschied zwischen vorher und jetzt zeigen will und auch noch sonst ein bischen redete, gab mir quasi die Erlaubnis zum Filmen mit einem Abwinken und den Worten: Ach nehmen sie die Kamera doch mit.”

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“Zum Waffengebrauch wurde uns gesagt, wenn Anwendung der Schusswaffe, dĂĽrfen auf keinen Fall Projektile nach Westberlin gelangen. Allerdings habe ich in dem halben Jahr , das ich nach dem Mauerbau noch diente, diese im Dienst an der Grenze nicht einzusetzen brauchen. Auch in meiner Kompanie kann ich mich nicht an einen Schusswaffengebrauch im Grenzdienst erinnern. Geschossen habe ich mit der “Krawallnikow” nur auf dem SchieĂźplatz. Zu Zeiten der offenen Grenze waren wir mit der Pistole P 08 mit 2x 8 SchuĂź Munition und einem GummiknĂĽppel bewaffnet. Auch zu dieser Zeit ist mir kein Schusswaffengebrauch in der Kompanie bekannt.””

Abb. 1: Mit voller Ausrüstung im Watteanzug in der Stresemannstr. gegenüber Köthener Str. 1961-62

Abb. 2: In der Stresemannstr. Nähe Potsdamer Platz, im Hintergrund das “Vox-Haus” 1961-62

Abb. 3: Stresemannstr. neben der GrĂĽnanlage zwischen Leipziger Platz und Stresemannstr. 1961-62. Links ist das GerĂĽst fĂĽr die Leuchtschrift von West nach Ost und wohl das Hotel Esplanade in der Bellevuestr. in Westberlin zu sehen, das jetzt in das Sony Center am Potsdamer Platz integriert ist.

Abb. 4: Die Ausrüstung der Grenzer: MP Kalaschnikow mit abklappbarer Schulterstütze und 2 Magazinen mit je 15 Schuss, links unten Tasche mit Nebelkerzen (Tränengas), unten Mitte Leuchtpistole mit Pistolentasche, darüber Schutzhelm, darunter Tasche mit Signalmunition (Leuchtpatronen) und hinter allem ein weißer Umhang als Schneehemd.

Quelle: E-Mail Interview mit Peter G. am 9.10.2009