Film

Peppermint Frieden

BRD 1983, R/B: Marianne Rosenbaum, 110'

Donnerstag, 01. März 2018, 20.00 Uhr

Zeughauskino

Peppermint Frieden

BRD 1983, R/B: Marianne Rosenbaum, K: Alfred Tichawsky, D: Peter Fonda, Hans-Peter Korff, Gesine Strempel, Saskia Tyroller, Elisabeth Neumann-Viertel, 110’ · 35mm

DO 01.03. um 20 Uhr · Eröffnung der Retrospektive

Mr. Peppermint Frieden – so nennen die Kinder den US-amerikanischen Soldaten, der in ihrem bayerischen Dorf mit seinem Amischlitten vorfährt, Kaugummis verteilt und sich zum Stelldichein mit der Nachbarin trifft. Er verkörpert für sie in der Nachkriegszeit Frieden und Freiheit. Nachts aber träumt Maria davon, dass er wie ein Hase gejagt wird – wie der geliebte jüdische Dr. Klug, der im Krieg verschwand und über den die Erwachsenen nicht mehr sprechen. Und auch der Russe Ivan macht ihr Sorgen – wird er sich mit Mr. Peppermint versöhnen? Maria versucht, sich einen Reim auf die schrecklichen Geheimnisse zu machen, von denen die Erwachsenen schweigen, und ihre Angst vor einem neuen Krieg zu besiegen.

Peppermint Frieden ist wohl der radikalste Versuch im deutschen Kino, die Geschichte aus der Perspektive eines Kindes zu erzählen: NS-Zeit, Bombenkrieg, Besatzung und Kalter Krieg erscheinen im Zerrspiegel kindlicher Erinnerungen, Spiele und Träume. Schwarzweiße Szenen wechseln mit knallbunten Pop-Traumsequenzen, reale Ereignisse überlagern sich mit Motiven aus Märchen, Religion und Romantik. Peppermint Frieden erzählt von den Auswirkungen der Vergangenheit auf die Psyche des Kindes und wirft einen unverblümten Blick auf die Gegenwart, in der die katholische Kirchen lieber die ‚Fleischeslust’ verteufelt als den Holocaust und in der sich mit der Atombombe bereits neue Katastrophen ankündigen.

Die glänzende Besetzung spiegelt die politische Stimmung der Zeit: der amerikanische Star Peter Fonda beteiligte sich als Statement gegen die atomare Aufrüstung, Konstantin Wecker, der die Filmmusik machte, tritt in einer Nebenrolle als kommunistischer Schreiner auf und die in der Frauenbewegung aktive Journalistin Gesine Strempel spielte die Mutter. Ausgezeichnet mit dem Max-Ophüls–Preis, gehört Peppermint Frieden zu den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Filmen weiblicher Regisseurinnen des Neuen Deutschen Films. (bh)

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