WAGNER-KINO
Der Einfluss Richard Wagners auf das Kino und die Reflexion des Kinos ĂŒber Richard Wagner gehen ĂŒber das bloĂe musikalische Zitat weit hinaus. Wagners Ă€sthetische Ideen, seine Vorstellung eines alle Sinne ansprechenden Gesamtkunstwerks, seine Besessenheit von mythologischen Themen, seine Musik und insbesondere der von ihm geschaffene suggestive Orchesterklang haben im Kino schon frĂŒh einen starken Nachhall gefunden. Die filmischen Bezugnahmen reichen von seriösen Bearbeitungen seiner Werke ĂŒber experimentelle Weiterentwicklungen bis hin zu Ironisierungen und Einordnungen in einen popkulturellen Kontext. Wagners Spuren finden sich sowohl im Stummfilm als auch in Hollywood-Melodramen der 1940er und 1950er Jahre und nicht zuletzt im Bereich des Fantasy- und Science-Fiction-Films. Regisseure wie Werner Herzog, Hans JĂŒrgen Syberberg, Christoph Schlingensief oder Lars von Trier haben sich intensiv mit dem Mythos Wagner und mit Bayreuth auseinandergesetzt. Wagners Lebensgeschichte ist mehrfach in Filmen thematisiert worden, und in Filmen ĂŒber das Leben Ludwigs II. taucht er als Nebenfigur auf.
Der 200. Geburtstag von Richard Wagner im Mai 2013 bietet Anlass, den Spuren und Wirkungen Wagners in der Filmkunst genauer nachzugehen. Ein im April erscheinendes Begleitbuch und ein Symposion, das am 27. April unter dem Titel Richard Wagner und das Kino der Dekadenz im Zeughauskino stattfinden wird, bieten die Möglichkeit zur weiteren Vertiefung. Der Auftakt zur Veranstaltungsreihe WAGNER-KINO findet in Kooperation mit dem Zentrum fĂŒr Literatur- und Kulturforschung Berlin und der Deutschen Oper Berlin am 2. April um 18.30 Uhr statt. Im Foyer der Deutschen Oper Berlin wird der Film Parsifal von Hans JĂŒrgen Syberberg (F/D 1982, mit Armin Jordan, Aage Haugland, Edith Clever, 260') prĂ€sentiert. Zur EinfĂŒhrung um 17.45 Uhr spricht Thomas Macho mit dem Regisseur Hans JĂŒrgen Syberberg.
AusfĂŒhrliche Informationen zu der von Jan Drehmel, Kristina Jaspers und Steffen Vogt kuratierten Retrospektive WAGNER-KINO finden Sie auf der Website www.wagner-kino.de. WAGNER-KINO wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert. Kooperationspartner sind die Deutsche Kinemathek â Museum fĂŒr Film und Fernsehen und die Akademie der KĂŒnste. Medienpartner ist das kulturradio des rbb
WAGNER-KINO
Richard Wagner
D 1913, R: William Wauer, Carl Froelich, B: William Wauer, K: Carl Froelich, D: Giuseppe Becce, Olga Engl, Manny Ziener, Miriam Horwitz, Ernst Reicher, ca. 110' 35Â mm, nl. ZT + dt. UT
um 100. Geburtstag des âgroĂen Meistersâ wagte sich der Berliner Filmpionier Oskar Messter an die Produktion eines biografischen Wagner-Films, der sowohl aufgrund seines seriösen Bildungsanspruchs als auch mit seiner LĂ€nge von fast zwei Stunden in seiner Zeit ein auĂergewöhnliches Projekt darstellte. Der Film reiht anekdotisch zugespitzte Episoden aus Wagners Leben aneinander, von der Kindheit bis zur Schlussapotheose, dem geisterhaften Reigen bekannter Opernfiguren an seinem Grab. Dass dies auch heute noch mit einigem SpaĂ zu verfolgen ist, liegt zum einen am Augenzwinkern, mit dem Drehbuchautor William Wauer manch menschliche SchwĂ€che des Meisters kommentiert. Vor allem aber an der Besetzung der Hauptrolle mit dem damals unbekannten, aus Italien stammenden Komponisten Giuseppe Becce, der dank erstaunlicher physiognomischer Ăhnlichkeit und drahtiger SpringfedervitalitĂ€t ein lebendiges Bild des Meisters gestaltet. Dabei gilt es zu bedenken, dass Cosima Wagner zu dieser Zeit ja noch im Haus Wahnfried residierte. Wenn man gegen Ende des Films Becce also in Wagner-Maske etwas beschleunigt durch den Garten der Villa flanieren sieht, mag dies auch auf den Umstand zurĂŒckzufĂŒhren sein, dass man keine Drehgenehmigung besaĂ. (pj)
Musikalische Begleitung: Michael Halfmann
Eröffnung der Filmreihe
am 25.4.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
Sichtbare KlĂ€nge â Werner Herzog trifft auf den ânicht ganz absoluten Filmâ
Zwei Farben
D 1933, R: Wolfgang Kaskeline, 3' 35Â mm
Alle Kreise erfasst Tolirag
D 1934, R: Oskar Fischinger, 2â 35Â mm
Synchromy No. 2
USA 1935, R: Mary Ellen Bute, Ted Nemeth, 6' DVD, OF
The Prelude and Liebestod from âTristan and Isoldeâ by Richard Wagner
USA 1977, R: Ron Hays, 22â DVD
Lektionen in Finsternis
D/F/GB 1992, R: Werner Herzog, B: Werner Herzog, K: Paul Beriff, Simon Werry, Rainer Klausmann, Sprecher: Werner Herzog, 52' 35Â mm, DF
Die Musik Richard Wagners, die zwischen pointierten Motiven und flieĂenden Melodien changiert, scheint fĂŒr abstrakte Visualisierungen besonders geeignet zu sein. Zwei aufregende Farb-Klang-Experimente der 1930er Jahre wurden als Werbefilme realisiert: Wolfgang Kaskelines Zwei Farben wirbt fĂŒr Muratti Zigaretten, Oskar Fischingers Kreise entstand fĂŒr die Werbefirma Tolirag. Geometrische Formen und leuchtende Farben geben Melodie, Rhythmus und Instrumentierung unmittelbar Ausdruck. Mary Ellen Bute und Ted Nemeth ĂŒbertrugen Wagners Lied an den Abendstern aus TannhĂ€user in ihrer Synchromy No. 2 mithilfe beleuchteter Glaskörper in Bilder voller Feierlichkeit und Tiefe. Ăber 40 Jahre spĂ€ter setzte der Multimedia-KĂŒnstler und Special Effect Artist Ron Hays Computertechnik ein, um Wagners Musik in bewegte Bilder zu ĂŒbertragen. Hays, der wiederholt mit Leonard Bernstein zusammen gearbeitet hat und an der Science Fiction Serie Loganâs Run beteiligt war, visualisiert den Liebestod als eine Art kosmischen Flug durch Raum und Zeit. Auch Werner Herzog erweckt mit seinem Film Lektionen in Finsternis zuweilen den Eindruck eines Science Fiction Films. Er zeigt apokalyptische Bilder aus Kuwait nach dem ersten Golfkrieg. KameraflĂŒge ĂŒber brennende Ălfelder unterlegt er mit dem Rheingold-Vorspiel, Siegfried's Trauermarsch oder Mahlers Urlicht und erzeugt so eine pathetisch aufgeladene AtmosphĂ€re. (kj)
Wir danken dem Video-Forum des Neuen Berliner Kunstverseins (n.b.k.) fĂŒr die freundliche Genehmigung zur VorfĂŒhrung des Films The Prelude and Liebestod from âTristan and Isoldeâ by Richard Wagner und dem von Anthology Film Archives und dem Deutschen Filmmuseum unterstĂŒtzten Projekt Unseen Cinema: Early American Avant-Garde Film 1894-1941 fĂŒr die Genehmigung, Synchromy No. 2 vorfĂŒhren zu dĂŒrfen.
EinfĂŒhrung: Daniel Kothenschulte
am 26.4.2013 um 18.30 Uhr
WAGNER-KINO
Pandora and the Flying Dutchman
Pandora und der fliegende HollÀnder
GB 1951, R/B: Albert Lewin, K: Jack Cardiff, D: Ava Gardner, James Mason, Nigel Patrick, Harold Warrender, 123â 35Â mm, OF mit span. UT
1930. Am Strand eines spanischen Fischerdorfes mit dem vielsagenden Namen Esperanza werden zwei Leichen geborgen. Ein am Ort ansĂ€ssiger Altertumsforscher kommt herbei und wĂ€hrend er die einander umschlungen haltenden HĂ€nde der Toten betrachtet, murmelt er: âThe measure of love is what one is willing to give up for it.â Albert Lewins stark vom Surrealismus beeinflusster Film ist eine Meditation ĂŒber die Frage der ewigen Liebe, die sich nur im Tod realisieren kann. Im Mittelpunkt steht die Gestalt der ehemaligen NachtclubsĂ€ngerin Pandora Reynolds, einer femme fatale , die die MĂ€nner reihenweise ins UnglĂŒck stĂŒrzt. Die Frage, was sie selbst zu opfern bereit wĂ€re fĂŒr die bedingungslose Liebe, stellt sich ihr in dem Moment, als eine Yacht in der Bucht von Esperanza auftaucht, mit einem elegant gekleideten, aber dĂŒster blickenden Mann an Bord, der in Pandora jene Frau erkennt, die ihn von seinem Fluch erlösen könnte. Optisch von den Bildwelten DalĂs und de Chiricos beeinflusst, folgt Lewins ErzĂ€hlung einer Traumlogik, in der sich Elemente einander völlig fern stehender kultureller Traditionen zu einem irritierenden Amalgam verbinden: griechischer Mythos und romantische Sagenwelt, arabischer Mystizismus und mediterrane SensualitĂ€t. Obwohl Lewin an keiner Stelle explizit Bezug auf Wagner nimmt, stellt sein Film dennoch eine höchst unterhaltsame Variation der HollĂ€nderthematik dar. (stv)
Der Film ist Teil des Symposiums Richard Wagner und das Kino der Dekadenz.
EinfĂŒhrung am 26.4.: Elisabeth Bronfen
EinfĂŒhrung am 1.5.: Steffen Vogt
am 26.4.2013 um 21.00 Uhr
am 1.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
La caduta degli dei
Die Verdammten
I/BRD 1969, R: Luchino Visconti, B: Nicola Badalucco, Enrico Medioli, Luchino Visconti, K: Armando Nannuzzi, Pasquale De Santis, D: Dirk Bogade, Ingrid Thulin, Helmut Griem, Helmut Berger, 154' 35Â mm, engl. OF
Viscontis La caduta degli dei erzĂ€hlt in opulenten, bisweilen opernhaften Bildern vom Niedergang einer Industriellenfamilie zu Beginn des âDritten Reichesâ. Reichstagsbrand und Röhm-Putsch bilden die historische Klammer, in der die VerfĂŒhrungskraft des Nazismus, die kapitalistische Machtgier und der moralische Niedergang einer Familiendynastie entfaltet werden. In dem Geschlecht derer von Essenbeck sind unschwer Anspielungen auf die Industriellenfamilie Alfried Krupp auszumachen. Mit seiner âdeutschen Trilogieâ â bestehend aus La caduta degli dei(1969), Morte a Venezia (1971) und Ludwig II. (1973) â reagierte Visconti auch auf Wagners Tetralogie. Mit ihr erforschte er SchlĂŒsselszenen der deutschen Geschichte, in die er Schritt um Schritt tiefer eindrang. Der italienische Titel La caduta degli dei spielt auf die Bezeichnung des letzten Teils von Richard Wagners Ring an â âGötterdĂ€mmerungâ, denn, so Visconti: âAuch in unserer Zeit handeln die Götter und mischen sich unter die Menschen, nicht anders als die heidnischen Gottheiten oder die Helden Wagners. Das Instrument ihrer Macht ist das Geld; der Tempel ihres Kultes ist die mit Schornsteinen gespickte Fabrikâ (Ich, Luchino Visconti).(kj)
Der Film ist Teil des Symposiums Richard Wagner und das Kino der Dekadenz.
EinfĂŒhrung: Bernd Kiefer
am 27.4.2013 um 19.30 Uhr
WAGNER-KINO
Stukas
D 1941, R: Karl Ritter, B: Karl Ritter, Felix LĂŒtzkendorf, K: Walter Meyer, Walter Rosskopf, Hugo von Kaweczynski, Heinz Ritter D: Carl Raddatz, O.E. Hasse, Hannes Stelzer, Georg Thomalla, 91' 35Â mm
Ein Fliegerkommandant und ein Stabsarzt intonieren in den Pausen zwischen zwei Luftangriffen vierhĂ€ndig Siegfrieds Rheinfahrt auf einem Feldklavier. Ein Oberstleutnant, von Kriegserlebnissen traumatisiert, wird ins Bayreuther Festspielhaus geschickt, um seinen Kampfgeist wieder zu beleben, â denn, so die Krankenschwester, âer muss ein neues groĂes Erlebnis haben. Es gibt keinen Menschen, der von dort ohne Ergriffenheit weggehen kann.â Anders als man erwarten könnte, finden sich solche direkten Wagner-Zitate nur selten in den Filmproduktionen der NS-Zeit. Stukas erzĂ€hlt vom Alltag einer Fliegerstaffel und dem âBlitzkriegâ in Frankreich. WĂ€hrend das Zusammenleben der Soldaten beinahe idyllisch geschildert wird, werden die Opfer der Flugangriffe ignoriert. Karl Ritter verantwortete als Regisseur eine Reihe offen nationalsozialistischer Produktionen, die sich an ein vorwiegend mĂ€nnliches Publikum richteten. Die Filmmusik komponierte Herbert Windt, der bereits Leni Riefenstahls Untitled Folder, ihre Olympia-Filme sowie Propagandastoffe wie Feldzug in Polen (1940) oder Sieg im Westen 1941) musikalisch untermalt hatte. Bereits 1932 meinte die Gauzeitung der Berliner NSDAP in Windts Kompositionen einen âneuen Stil des Heroischenâ zu erkennen (Der Angriff,18.3.1932). (kj)
EinfĂŒhrung: Jörg Becker
am 28.4.2013 um 19.00 Uhr
WAGNER-KINO
Humoresque
Humoreske
USA 1946, R: Jean Negulesco, B: Clifford Odets, Zachary Gold, K: Ernest Haller, D: Joan Crawford, John Garfield, Oscar Levant, Joan Chandler, Paul Cavanagh, 125â 16Â mm, OF
âMr. Boray is going to play for us his own transcription of the âLove Musicâ from Richard Wagnerâs opera Tristan and Isolde.â Als im Radio ein Konzert ihres Geliebten, des Geigers Paul Boray, angekĂŒndigt wird, steht Helen Wright allein im Salon ihrer luxuriösen Strandvilla auf Long Island. Sie schenkt sich einen Drink ein. âHereâs to loveâ flĂŒstert sie, und die TrĂ€nen rinnen ihr ĂŒber die Wangen. Die Musik beginnt, und Helen tritt ans Fenster. Dann geht sie zum Strand hinunter. Es ist dunkel. Nur ein Mann mit einem Hund ist dort unterwegs. Man sieht die Wellen ans Ufer schlagen... Die dramatische Inszenierung von Helens âLiebestodâ bildet den Höhepunkt dieses KĂŒnstlermelodrams aus dem Jahr 1946. Der mit Ausnahme der hochdramatischen Schlussszene eher konventionell erzĂ€hlte Film schildert die Lebensgeschichte eines aus einfachen VerhĂ€ltnissen zum gefeierten Virtuosen aufsteigenden Musikers. Als sich die Ehefrau seines MĂ€zens in ihn verliebt, findet er sich in einen LoyalitĂ€tskonflikt gestellt, der in GrundzĂŒgen an die Situation Tristans erinnert. Joan Crawford erscheint in der Rolle der Helen als alkoholsĂŒchtige Nachtgestalt, schwankend zwischen Traum und Tod â und darin ansatzweise wagnerschen Frauenfiguren vergleichbar, deren Selbstopfer die Erlösung des Geliebten ermöglicht. Die Arrangements klassischer MusikstĂŒcke, die in diesem Film zu hören sind, steuerte der Komponist Franz Waxman bei, der mit Scores zu Filmen wie Rebecca (USA 1940) und Sunset Boulevard (USA 1950) dazu beigetragen hat, den spĂ€tromantischen Orchesterklang als gĂ€ngige musikalische Norm im Hollywoodkino der 1930er und 1940er Jahre zu etablieren. GroĂen Realismus erreicht der Film dadurch, dass fĂŒr die Einstellungen, die Boray beim Geigenspiel zeigen, Nahaufnahmen der HĂ€nde Isaac Sterns benutzt wurden. (stv)
EinfĂŒhrung: Frank Strobel
am 2.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
Lisztomania
GB 1975, R/B: Ken Russell, K: Peter Suschitzky, D: Roger Daltrey, Sara Kestelman, Paul Nicholas, Ringo Starr, Veronica Quilligan, 103â 35Â mm, OF
Bei wenigen Regisseuren spielt die Verbindung von Film und Musik eine so groĂe Rolle wie in den Filmen des britischen Regisseurs Ken Russell. Es ist daher nur folgerichtig, dass Wagner seine Spuren in Russells Werk hinterlassen hat, wenn auch unter dem DeckmĂ€ntelchen einer schrillen Filmbiographie ĂŒber Wagners Freund und Schwiegervater Franz Liszt. Russell analysiert in Lisztomania die zeitgenössischen PhĂ€nomene des Pop-Business, indem er sie ins 19. Jahrhundert zurĂŒckspiegelt. Er lĂ€sst Wagner in verschiedenen Verkleidungen auftreten: als kleinen Jungen im Matrosenanzug, als mit Patronengurten umhĂ€ngten Guerillero im Stile Che Guevaras, als Vampir, der dem befreundeten Liszt das Blut aussaugt und schlieĂlich als geckenhaften Dandy im LeopardenfellkostĂŒm, der in einem Spukschloss haust und faschistische Kinderarmeen heranzĂŒchtet. Auf die Frage, wie viel Wagner in Hitler steckt â und wie viel Hitler in Wagner â, hat Russell eine eindeutige Antwort parat. Am Ende hilft nur noch der Einsatz eines himmlischen Raumschiffs, um Wagner-Hitler mit Hilfe regenbogenfarbener Laserstrahlen zu vernichten: âPeace at lastâ. (stv)
am 3.5.2013 um 21.00 Uhr
am 10.5.2013 um 21.00 Uhr
WAGNER-KINO
Der fliegende HollÀnder
DDR 1964, R: Joachim Herz, B: Joachim Herz, Harald Horn, K: Erich Gusko, D: Anna Prucnal, Gerd Ehlers, Fred DĂŒren, 101â 35Â mm, Magnetton
Diese DEFA-Produktion aus dem Jahr 1964 stellt den solitĂ€ren Versuch dar, eine Wagneroper nicht einfach abzufilmen, sondern sie mit filmischen Mitteln zu erzĂ€hlen. Joachim Herz entwickelt die Handlung konsequent aus der Perspektive Sentas, die er als einen gegen die Enge ihres gesellschaftlichen Milieus aufbegehrenden Teenager darstellt. Der HollĂ€nder erscheint als Produkt von Sentas Fantasie, als sublime Manifestation ihrer mĂ€dchenhaften Sehnsucht nach Emanzipation und Freiheit. Den Unterschied zwischen der realen Welt und Sentas Fantasiewelt markiert Herz, indem er unterschiedliche Bildkaschierungen einsetzt. Auch andere RegieeinfĂ€lle, etwa das gelegentliche Auseinanderlaufen von Ton- und Bildebene, wirken ĂŒberraschend experimentell. Visuell orientiert sich der in SchwarzweiĂ gedrehte Film an der Tradition des expressionistischen deutschen Stummfilms der 1920er Jahre. Deutlich spĂŒrbar ist der Einfluss von F. W. Murnaus Filmklassiker Nosferatu in einzelnen Szenen und Einstellungen, die auf dem Schiff des HollĂ€nders spielen â was durchaus Sinn macht: Ebenso wie Wagners âbleicher Seemannâ kann auch der Vampir als Verkörperung des romantischen âWeltschmerzheldenâ (Hans Mayer) gedeutet werden. (stv)
EinfĂŒhrung am 4.5.: Kristel Pappel
EinfĂŒhrung am 8.5.: Steffen Vogt
am 4.5.2013 um 18.30 Uhr
am 8.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
Excalibur
USA/GB 1981, R: John Boorman, B: Rospo Pallenberg, John Boorman, K: Alex Thomsen, D: Nigel Terry, Nicholas Clay, Helen Mirren, Cherie Lunghi, Nicol Williamson, Paul Geoffrey, 140â 35 mm, OF
In zwei Opern, in Lohengrin und im Parsifal, hat Wagners BeschĂ€ftigung mit dem Gralsmythos ihren Niederschlag gefunden. Die ungebrochene PopularitĂ€t des Gralsmythos hat sich im Kino fortgesetzt, wo sich so illustre Gestalten wie Indiana Jones oder die Mitglieder der englischen Komikertruppe Monty Python in die Liste der Gralssucher eingereiht haben. Auch in John Boormans Version der Artussage aus dem Jahr 1981 spielt der Gral eine wichtige Rolle. Die extrem stilisierten Bilder von Boormans Film entwickeln mit ihrer grellen Licht- und Farbdramaturgie ein opernhaftes Pathos, das die Vorbildschaft Wagners nicht verleugnet. Folgerichtig greift auch der von Trevor Jones betreute Soundtrack zu groĂen Teilen auf Wagners Musik zurĂŒck: auf die dĂŒster-martialischen KlĂ€nge des Trauermarschs als Hintergrund kriegerischen Gemetzels, auf das Vorspiel aus Tristan und Isolde im Kontext der Lancelot-Episode und auf das weihevolle Pathos der Parsifal-OuvertĂŒre, wenn von der Gralssuche erzĂ€hlt wird. Die ĂŒberraschende BrutalitĂ€t, ja: BlutrĂŒnstigkeit von Boormans Film, die zum damaligen Zeitpunkt im westlichen Unterhaltungskino eher ungewöhnlich war, deutet allerdings eher auf japanische Vorbilder hin. Wenn am Ende des Films das Schwert Excalibur in den Wassern jenes Sees versenkt wird, aus denen es der Zauberer Merlin ursprĂŒnglich entgegengenommen hatte, so ist die Parallele zum Finale von Wagners GötterdĂ€mmerung unĂŒbersehbar. Hier wie dort kehrt das Symbol der Macht in das Urelement allen Werdens zurĂŒck â und diese RĂŒckkehr markiert zugleich den Untergang der alten Ordnung. (stv)
Musikalische EinfĂŒhrung: Kevin McCutcheon, Korrepetitor und Dirigent an der Deutschen Oper Berlin
am 4.5.2013 um 21.00 Uhr
am 11.5.2013 um 18.00 Uhr
WAGNER-KINO
Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried von 1914-1975
BRD 1975, R/B: Hans JĂŒrgen Syberberg K: Dietrich Lohmann, 300â 16Â mm
Es beginnt mit Bildern des zerstörten Hauses Wahnfried und einem einleitenden Text des Regisseurs. Dann erhĂ€lt Winifred Wagner das Wort. Es folgen fĂŒnf Stunden, in denen Winifred ihre Lebensgeschichte erzĂ€hlt und ihre persönliche Sichtweise auf die Geschichte Bayreuths im Nationalsozialismus darlegt. Durch Vermittlung von Wagners Urenkel Gottfried erhielt Hans JĂŒrgen Syberberg im Jahr 1975 die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Interview mit Winifred Wagner, der Witwe von Wagners Sohn Siegfried und Leiterin der Bayreuther Festspiele von 1930 bis 1949. FĂŒnf Tage lang zeichnete Syberberg Winifreds Monologe mit Kamera und Tonband auf. Nach Durchsicht des Materials entschied er sich, das Interview so zu prĂ€sentieren, wie es gefilmt wurde, in streng chronologischer Reihenfolge. Was auf den ersten Blick wie ein sprödes Experiment anmutet, gewinnt mit zunehmender Dauer eine eigentĂŒmliche Dynamik und Spannung. Die uneingeschrĂ€nkte Bewunderung, mit der Winifred von Adolf Hitler spricht, den sie liebevoll âWolfâ nennt, wirkt hochgradig irritierend, vermittelt aber zugleich eine Ahnung von der Faszination, die Hitler bei seinen Zeitgenossen hervorrufen konnte. Von der zeitgenössischen Kritik wurde Syberberg die scheinbar distanzlose Haltung seines Films vorgeworfen, der zu einer âMystifizierung der Zeitzeuginâ (Gottfried Wagner) und zur Verfestigung ihres Mythos beigetragen habe. Aus heutiger Sicht ist aber gerade dies der interessanteste Aspekt des Films: In der Art, wie sich Winifred vor der Kamera inszeniert, vermittelt sie einen tiefen Einblick in die Mechanismen, die den Mythos Bayreuth konstituieren. (stv)
am 5.5.2013 um 18.00 Uhr
am 26.5.2013 um 16.00 Uhr
WAGNER-KINO
Melancholia
DK/S/F/D 2011, R/B: Lars von Trier, K: Manuel Alberto Claro, D: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland, Alexander SkarsgĂ„rd, Charlotte Rampling, Udo Kier, 135â 35 mm, OmU
Schon zu Beginn seiner Karriere experimentierte Lars von Trier mit der Musik Wagners. WĂ€hrend der Dreharbeiten zum Film The Element of Crime (DK 1984) lieĂ er am Set Wagnermusik erklingen, um sein Team in eine besondere Stimmung zu versetzen. 2006 scheiterte er mit dem Versuch einer Ring-Inszenierung in Bayreuth. Melancholia bezeichnet er als Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit den eigenen Depressionen, insofern ist der Film auch als Kommentar zum Misslingen des Bayreuth-Projekts zu verstehen. ErzĂ€hlt wird vom Untergang der Welt und von der Reaktion einer kleinen Gruppe von Menschen auf die bevorstehende Katastrophe. Im Mittelpunkt steht die depressive Justine, die ihre Hochzeit scheitern lĂ€sst, weil sie nicht in der Lage ist, sich in die Muster der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung zu fĂŒgen. Die Lebenswelt ihrer spröden Schwester Claire wird hingegen von bĂŒrgerlicher Ordnungsvorstellung dominiert. Im Angesicht der Katastrophe drehen sich die Vorzeichen ihrer beider Existenz allmĂ€hlich um. Den in dunklen GrĂŒn- und Blautönen gehaltenen Bildern des Films korrespondieren musikalisch die dĂŒster-schwermĂŒtigen KlĂ€nge des Vorspiels aus Tristan und Isolde. Wagners Musik reprĂ€sentiert fĂŒr von Trier die Idee absoluter Schönheit. Bei der Premiere von Melancholia im Rahmen der 64. Filmfestspiele von Cannes kam es zu einem Skandal, ausgelöst durch vermeintlich profaschistische Stellungnahmen des Regisseurs. Lars von Trier wurde daraufhin vom Festival ausgeschlossen. (stv)
EinfĂŒhrung: Verena Lueken
am 11.5.2013 um 20.30 Uhr
WAGNER-KINO
Ludwig â Requiem fĂŒr einen jungfrĂ€ulichen König
BRD 1972, R/B: Hans JĂŒrgen Syberberg, K: Dietrich Lohmann, D: Harry Baer, Ingrid Caven, Anette Tirier, Peter Kern, 140â 35Â mm
Susan Sontag sagte ĂŒber ihn, er sei âein groĂer Wagnerianer, der gröĂte seit Thomas Mannâ (Susan Sontag: Syberbergs Hitler). TatsĂ€chlich hat sich Hans JĂŒrgen Syberberg so eingehend und vielfĂ€ltig mit Richard Wagner auseinander gesetzt wie kaum ein anderer Filmemacher. In demselben Jahr, in dem Visconti Ludwig dreht, entsteht auch Syberbergs biografische AnnĂ€herung an den Bayernkönig. Sein Ludwig wird selbst zur Gestalt einer Wagner-Oper, eine unschuldige, reine Figur, vergleichbar etwa mit Lohengrin oder Parsifal. Wagner hingegen wird zweifach verkörpert, als hĂ€sslicher Zwerg â ein Salto schlagender PossenreiĂer â, und als androgyne Frau â reflektierend, weissagend wie eine Norne. Der Film arbeitet mit zahlreichen Stilisierungen, Wagners BĂŒhnenbilder werden als Kulissen genutzt, die Kamera bleibt oft statisch. Die deutsche Geschichte wirft ihre Schatten voraus, wenn Hitler am Ende als Alptraum Ludwigs erscheint und eine Rumba tanzt. Die Person Wagners wird damit bereits abgelöst und ĂŒbermalt. (kj)
Zu Gast: Hans JĂŒrgen Syberberg
am 12.5.2013 um 18.00 Uhr
WAGNER-KINO
Pan'ya shƫgeki
Attack on a Bakery
J 1982, R: Naoto Yamakawa, 16â 16Â mm
The Saddest Music in the World
CDN 2003, R: Guy Maddin, B: Guy Maddin, George Toles, K: Luc Montpellier, D: Isabella Rossellini, Mark McKinney, Maria de Medeiros, 100â 35Â mm, OmU
Der kanadische Avantgarde-Filmemacher Guy Maddin greift in seinem Spielfilm The Saddest Music in the World das Thema des musikalischen Wettstreits auf, das Wagner in seinen Opern TannhĂ€user und Die Meistersinger verarbeitet hat. Eine kanadische Bierbrauerei veranstaltet zur Zeit der groĂen Depression einen Musikwettbewerb, bei dem Vertreter verschiedener NationalitĂ€ten gegeneinander antreten. Vor dem Hintergrund der publicity-trĂ€chtigen Suche nach der traurigsten Musik der Welt entfaltet sich die melodramatische Geschichte einer körperlichen und emotionalen VerkrĂŒppelung. FĂŒr das Drehbuch nutzte Maddin eine Vorlage des Japaners Kazuo Ishiguro (Was vom Tage ĂŒbrig blieb, Alles was wir geben mussten). Der metaphorischen Bedeutung des groĂen Durstes in The Saddest Music in the World korrespondiert der groĂe Hunger in Naoto Yamakawas Kurzfilm Attack on a Bakery, der wiederum auf einer Kurzgeschichte des japanischen Kultautors Haruki Murakami basiert. Zwei junge MĂ€nner scheitern mit ihrem Plan, eine BĂ€ckerei auszurauben. Der kommunistische BĂ€ckereibesitzer bietet ihnen einen perfiden Deal an: Sie dĂŒrfen so viel Brot essen, wie sie wollen, sofern sie bereit sind, dabei Wagnermusik zu hören. (stv)
am 12.5.2013 um 21.00 Uhr
am 17.5.2013 um 18.00 Uhr
WAGNER-KINO
Black Moon
F/BRD 1975, R: Louis Malle, B: Louis Malle, Ghislain Uhry, Joyce Buñuel (Dialoge), K: Sven Nykvist, D: Therese Giehse, Cathryn Harrison, Joe Dallesandro, Alexandra Steward, 100' 35 mm, OF
Therese Giehse liegt im Bett und brabbelt in einer Phantasiesprache vor sich hin, wĂ€hrend im Garten auf einer Leiter Joe Dallesandro steht und das Preislied aus den Meistersingern schmettert. Somnambul bewegt sich das MĂ€dchen Lily (Cathryn Harrison) durch eine Welt voller Einhörner, sprechender Ratten und tanzenden Göttern. âIch wollte mit TrĂ€umen und freien Assoziationen arbeiten. Dann dachte ich, vielleicht ist das die Gelegenheit, etwas zu machen, was mir schon lange vorschwebte â etwas was filmisch dem automatischen Schreiben des Surrealismus entsprechen wĂŒrde.â (Louis Malle ĂŒber Louis Malle). Malles Drehbuch lag bei Drehbeginn nur in Teilen vor. Er improvisierte am Set, verschmolz Elemente aus Alice im Wunderland mit Bildern aus der indischen Mythologie und fĂŒhrt final in ein von Kindern gesungenes, sich endlos steigerndes Tristan-Duett. Es ging Malle um die Darstellung der âEmotionen und Ăngste der PubertĂ€tâ (ebd.). Lily gleitet durch ein fremdes Wunderland, in dem offensichtlich eine Art BĂŒrgerkrieg herrscht, und es bleibt offen, ob es sich um die unverstĂ€ndliche Welt der Erwachsenen oder um Projektionen ihres Unbewussten handelt. Der Film entstand auf Malles eigenem Anwesen, Sven Nykvist tauchte die Winterlandschaft und Interieurs in ein verzaubertes, melancholisches Licht. (kj)
EinfĂŒhrung: Kristina Jaspers
am 15.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
âLeg ÂŽne Platte auf: schön laut!â â Richard Wagner im Experimentalfilm
Un chien andalou
Ein andalusischer Hund
F 1929, R: Luis Buñuel, B: Luis Buñuel, Salvador DalĂ, 16â 35 mm
Yƫkoku
Patriotism
J 1966, R/B: Yukio Mishima, K: Watanabe Kimo, D: Yukio Mishima, Yoshiko Tsuruoka, 30â DVD
Jan-ken-pon-sensĆ
Der Jan-Ken-Pon-Krieg
J 1971, R/B: ShĆ«ji Terayama, 12â 16 mm, OF
Koniec
The End
PL 2009, R: Agnieszka Pokrywka, 9â DVD, engl. ZT
Sorrows
USA 1969, R: Gregory J. Markopoulos, 6â 16Â mm, OF
Das kleine Chaos
BRD 1966, R/B: Rainer Werner Fassbinder, D: Rainer Werner Fassbinder, Marite Greiselis, Christoph Rose, Lilo Pempelt, Irm Hermann, 9â 35Â mm
Die UrauffĂŒhrung des surrealistischen Kurzfilms Un chien andalou, die am 6. Juni 1929 stattfand, kann als Pioniertat der DJ-Kunst bezeichnet werden. Parallel zur Projektion ihres Films legten Luis Buñuel und Salvador DalĂ in einer Art Happening Schallplatten auf, wobei sie abwechselnd eine Aufnahme des Liebestods aus Tristan und Isolde und eine Platte mit argentinischen Tangos verwendeten. Auch in dem Kurzfilm YĆ«koku des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der den rituellen Selbstmord durch Bauchaufschlitzen in Szene setzt, erklingt als Hintergrundmusik eine Schallplattenaufnahme des Liebestods. WĂ€hrend Mishima die pathetische QualitĂ€t von Wagners Musik zur Ăberhöhung des âehrenvollenâ Soldatentods nutzt, dient in ShĆ«ji Terayamas Kurzfilm Jan-ken-pon-sensĆ die Verwendung von Ausschnitten aus der OuvertĂŒre zum Fliegenden HollĂ€nder dem Zweck, beim Publikum die Assoziation des deutschen Faschismus hervorzurufen. In ihrem Found-Footage Film Aria verwenden Angela Ricci Lucchi und Yervant Gianikian Ausschnitte aus Lohengrin sowie das Waldweben aus Siegfried, weil die Musik fĂŒr sie âden Strudel fallender BlĂ€tter in einem Windhauchâ verkörpert. Man kann Wagners Musik auch rĂŒckwĂ€rts laufen lassen. Dieses Experiment unternimmt die polnische Regisseurin Agnieszka Pokrywka in ihrem Kurzfilm Koniec, in dem sie mit montierten Dokumentarbildern die Geschichte des Zweiten Weltkriegs von ihrem Ende her erzĂ€hlt. Gregory Markopoulos schuf 1969 ein lyrisches PortrĂ€t von Wagners Villa in Triebschen, unterlegte den Film allerdings mit Beethovenmusik (Sorrows). Die Erfahrung, dass Beethoven erklingt, wo man Wagner erwartet, macht auch Rainer Werner Fassbinder in dem Gangsterfilm Das kleine Chaos aus dem Jahr 1967. (stv, kj)
Musikalische Begleitung: Phonoklanggalerie
am 16.5.2013 um 20.00 Uhr
am 18.5.2013 um 18.30 Uhr
WAGNER-KINO
Frauen um Richard Wagner
Magic Fire
USA 1955, R: William Dieterle, B: Bertita Harding, E. A. Dupont, David T. Chantler, K: Ernest Haller, D: Alan Badel, Yvonne de Carlo, Rita Gam, Valentina Cortese, Carlos Thompson, 120' DigiBeta, DF
Nicht nur wer Wagners Ring des Nibelungen in nur vier Minuten erleben möchte, wird hingerissen sein von den genialen Kompilationen von Originalmusik, mit denen Erich Wolfgang Korngold diesen enthusiastischen Wagner-Film von William Dieterle musikalisch gestaltet. Korngold, als avantgardistischer Opernkomponist vor den Nazis in die amerikanische Filmindustrie emigriert, und Dieterle, bereits ab 1930 dort mit Filmen ĂŒber Louis Pasteur oder Florence Nightingale als Meister des Biopic erfolgreich, riskieren in den 1950er Jahren, in Deutschland einen Hollywood-Film ĂŒber den âdeutschestenâ aller KĂŒnstler zu drehen â was in der zeitgenössischen Kritik auch mit Ressentiments aufgenommen wurde. Dieterles Filmbiografie stellt sich dabei recht naiv auf die Seite des Genies (Alan Badel), das auch menschliche Skrupel im Dienste des Werks zurĂŒckzustellen hat, wobei Wagners Beziehungen zu Frauen mit zeitbedingten moralischen Retuschen erzĂ€hlt werden. FĂŒr den Hollywood-Look sorgt Kameramann Ernest Haller (Vom Winde verweht). Bestaunen lassen sich zudem Opernszenen, inszeniert nach alter VĂ€ter Sitte mit Fell und FlĂŒgelhelmen vom MĂŒnchner Intendanten Rudolf Hartmann. (pj)
EinfĂŒhrung am 17.5.: Peter Jammerthal
Musikalische EinfĂŒhrung am 19.5.: Kevin McCutcheon, Korrepetitor und Dirigent an der Deutschen Oper Berlin
am 17.5.2013 um 20.30 Uhr
am 19.5.2013 um 18.00 Uhr
WAGNER-KINO
Die Verwandlung der Welt in Musik: Bayreuth vor der Premiere
D 1994, R/B: Werner Herzog, K: Jörg Schmidt-Reitwein, mit: Wolfgang Wagner, Daniel Barenboim, Placido Domingo, Heiner MĂŒller u.a., 90' DigiBeta
Der GrĂŒne HĂŒgel in Bayreuth ist ein mythisch aufgeladener Ort. Als Werner Herzog 1987 dort den Lohengrin inszenierte, wollte er einen Steinkreis aus riesigen Findlingen um das Festspielhaus errichten, um eine Art germanischer âKultstĂ€tteâ (Herzog) kenntlich zu machen. Wolfgang Wagner stellte sich gegen dieses Vorhaben. Herzogs Inszenierung war jedoch ausgesprochen erfolgreich, und so wurde er einige Jahre spĂ€ter eingeladen, einen Dokumentarfilm ĂŒber die Bayreuther Festspiele zu drehen. Herzog interessiert sich weniger fĂŒr die Person Richard Wagners, als vielmehr fĂŒr den Ort, der WeihestĂ€tte und Werkstatt zugleich ist. Neben GesprĂ€chen mit Regisseuren wie Heiner MĂŒller, Dirigenten wie Daniel Barenboim oder SĂ€ngern wie Placido Domingo sind es daher insbesondere Herzogs Blicke hinter die Kulissen, die den Film auszeichnen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet erforscht der Regisseur das Archiv der Originalpartituren oder lĂ€sst den wachhabenden Feuerwehrmeister denLohengrin mitsingen. (kj)
EinfĂŒhrung: Kristina Jaspers
am 18.5.2013 um 20.30 Uhr
WAGNER-KINO
Ludwig II.
BRD 1955, R: Helmut KĂ€utner, B: Georg Hurdalek, K: Douglas Slocombe, D: O.W. Fischer, Ruth Leuwerik, Marianne Koch, Paul Bildt, Klaus Kinski, 114â 35Â mm
Die schwĂ€rmerische Zuneigung, die Ludwig II. Richard Wagner entgegenbrachte, hat dem Bayreuther Meister auch im Kino zum Vorteil gereicht, denn im Rahmen der biografischen Filme ĂŒber den bayerischen König konnte sich auch Wagner als Filmfigur etablieren. Die Rollen sind dabei klar verteilt: EnttĂ€uscht vom Zynismus der Tagespolitik flĂŒchtet sich Ludwig in die narkotische Traumwelt von Wagners Opern, bis er erkennen muss, dass auch dieser vermeintliche Freund ihn verrĂ€t. Als Gegenpart Ludwigs wird Richard Wagner dabei, je nach Geschmack des Regisseurs, wahlweise als zynischer, selbstverliebter, geldgieriger, herrschsĂŒchtiger, dandyhafter, gockelnder, gelegentlich auch vĂ€terlicher NutznieĂer von Ludwigs KunstschwĂ€rmerei dargestellt, immer aber als ein opportunistischer Gauner, der ausschlieĂlich die eigenen Interessen im Sinn hat. Die Darstellung Wagners durch den Schauspieler Paul Bildt in KĂ€utners Film ist ein gutes Beispiel fĂŒr dieses Muster, wobei Bildt die Rolle absichtsvoll bis an die Grenze zur karikaturhaften Ăberzeichnung ausreizt. Aus dem Reigen der Ludwig-Filme sticht KĂ€utners Film insofern hervor, als fĂŒr den Soundtrack fast ausschlieĂlich Wagner-Musik eingesetzt wurde. Die Einspielungen besorgte Herbert von Karajan mit den Wiener Philharmonikern. Das Pathos von Wagners Musik trĂ€gt seinen Teil dazu bei, dass KĂ€utners biographischer Bilderbogen stellenweise wie eine Heiligengeschichte anmutet. (stv)
Musikalische EinfĂŒhrung: Kevin McCutcheon, Korrepetitor und Dirigent an der Deutschen Oper Berlin
am 19.5.2013 um 20.30 Uhr
WAGNER-KINO
âIn Sachen Wagner bin ich ein Suchenderâ. Verwandlungsszenen mit Christoph Schlingensief
Odin â Fischfilm
D 2005, 9â
Animatograph
D 2004-2007, 7â
Odins Parsipark, Vortrag Neuhardenberg
D 2005, 21â
Ragnarök, Doku Neuhardenberg Animatograph
D 2005, 6â
Verwandlungsfilm Bayreuth, sw
D 2004, 12â
Hasenverwesungsfilm, Kirche der Angst â Version
D 2004-2008, 6â
Bambitempel
D 2004, 5â
Telefonzelle (ATT 1/12)
D 2005, 1â
La morte dâIsotta
BRD 1968, R/K: Werner Schroeter, D: Werner Schroeter, Daniel Schmid, 38â DigiBeta
Christoph Schlingensiefs VerhĂ€ltnis zu Richard Wagner war hochkomplex und ambivalent. âHinter seinem Verehren und Verachten, Glauben und Zweifeln, Erlösen und Leiden an Wagner, dem wohl deutschesten aller Genies, vermutete er Seelenverwandtschaft. Beide waren Metaphysiker im eigenen Kosmosâ (Jörg van der Horst). Mit seinen Animatographen-Installationen erweiterte Schlingensief den Begriff des Gesamtkunstwerks um ein interaktives Moment. Seine umstrittene Parsifal-Inszenierung in Bayreuth blieb lange im GedĂ€chtnis, ebenso seine groĂe Performance âKirche der Angstâ, in der er ein weiteres Mal Wagner-Motive seinem Werk einverleibte und neu interpretierte.
n einem frĂŒhen, noch auf Super8 gedrehten Film kombinierte Werner Schroeter Bilder, die um das Thema des Verlassenwerdens kreisen, mit Textfragmenten aus LautrĂ©amants dĂŒsteren Chants de Maldoror.Schroeters Hang zur opernhaften Stilisierung, die schon hier deutlich sichtbar wird, entsprang der Ăberzeugung, dass der Gesang eine Ă€uĂerste Steigerung der AusdrucksintensitĂ€t ermöglicht, wie sie mit Worten nicht erreicht werden kann. Folgerichtig findet Schroeter âden Ausdruck kompromissloser Liebe (...) in Wagners Tristan und Isolde, jener Oper der bĂŒrgerlichen Selbstreferenz auf Rausch, VerzĂŒckung und Weltflucht.â (Karsten Witte, Schriften zum Kino). Sein Film endet mit einer italienischen Version des Liebestods, gesungen von der von ihm vergötterten Maria Callas. (kj, stv)
In Zusammenarbeit mit dem BĂŒro Schlingensief und der Filmgalerie 451
EinfĂŒhrung Christoph Schlingensief: Jörg van der Horst und Aino Laberenz
EinfĂŒhrung Werner Schroeter: Frieder Schlaich
am 21.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
âBleibst du mir stumm?â â Richard Wagners 200. Geburtstag
Lohengrin â Wenn ich im Kampf fĂŒr Dich siege
D 1908, R: Franz Porten, ca. 3' 35Â mm
Tristano e Isotta
I 1911, R: Ugo Falena, ca. 26' 35Â mm, dt. ZT
Der Meister von NĂŒrnberg
D 1927, R: Ludwig Berger, B: Robert Liebmann, Ludwig Berger, Rudolf Rittner, K: Karl Puth, Axel GraatkjĂŠr, D: Rudolf Rittner, Max GĂŒlstorff, Maria Matray, Gustav Fröhlich, ca. 82' 35 mm, dt. ZT
AnlĂ€sslich des 200. Geburtstags von Richard Wagner prĂ€sentiert das Zeughauskino ein Geburtstagsprogramm der besonderen Art: Drei Stummfilme, die an Wagner-Stoffe angelehnt sich, vermitteln einen Eindruck davon, welche Faszination Richard Wagners Werk bereits auf das frĂŒhe Kino ausĂŒbte. Zum musikalischen Repertoire eines Kinopianisten gehörten selbstverstĂ€ndlich Wagner-StĂŒcke, doch auch die Regisseure griffen auf Wagners Stoffe und Motive zurĂŒck. Franz Porten prĂ€sentierte als einer der Ersten so genannte âTonbilderâ, bei denen annĂ€hernd lippensynchron Grammophonplatten zu Bewegtbildern abgespielt wurden. Der Auszug aus Lohengrin von 1908 vermittelt auch einen Eindruck von der damaligen Opernausstattung. Die Filmpioniere erlaubten sich manche Freiheiten bei der Stoffgestaltung, so ĂŒberrascht Tristano e Isotta durch eine Neuinterpretation des Liebestods. Auch Ludwig Berger, ein Meister der leichten musikalischen Inszenierung, wie beispielsweise in der Operetten-Verfilmung Ein Walzertraum 1925), wandte sich Wagner zu. Sein in den Babelsberger Filmstudios realisierter Meister von NĂŒrnberg geriet zur unterhaltsamen Liebeskomödie. Die zeitgenössische Kritik sah darin teilweise eine Verunglimpfung Wagners, obgleich dessen Meistersinger neben dem Liebesverbot,, als seine einzige komische Oper gilt. (kj)
Musikalische Begleitung: GĂŒnter A. Buchwald
EinfĂŒhrung: Dirk Förstner
am 22.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
Breaking the Waves
DK/S/F/NL/N/IS/E 1996, R/B: Lars von Trier, K: Robby MĂŒller, D: Emily Watson, Stellan SkarsgĂ„rd, Katrin Cartlidge, Udo Kier, 152' 35 mm, OmU
Eine kleine Gemeinde an der schottischen KĂŒste in den 1970er Jahren: Die tiefglĂ€ubige Bess (Emily Watson) heiratet Jan (Stellan SkarsgĂ„rd), der auf einer Bohrinsel arbeitet. Als Jan schwer verunglĂŒckt, meint Bess dafĂŒr die Schuld zu tragen, da sie sich seine Heimkehr gewĂŒnscht hatte. Diese Schuld versucht sie durch eine aufopfernde Liebe, die selbstzerstörerische ZĂŒge annimmt, abzutragen. In Lars von Triers Werk finden sich zahlreiche Referenzen auf Richard Wagner. Bereits in Epidemic (1987) verweist er sowohl musikalisch als auch in der Gestaltung der ErzĂ€hlung mehrfach auf Wagners TannhĂ€user. Zu Breaking the Waves habe ihn unter anderem der Stoff vom Fliegenden HollĂ€nder inspiriert, gab er an. TatsĂ€chlich erscheinen Bessâ Projektionen auf Jan, der aus einem fremden Dorf stammt und den sonst niemand kennt, wie die MĂ€dchentrĂ€ume von Elsa in Lohengrin oder von Senta im Fliegenden HollĂ€nder. Anstelle eines Segelschiffs oder eines Schwans nutzt Jan allerdings einen Hubschrauber, der ihn â fĂŒr Bess unertrĂ€glich â, genauso schnell wieder zur Bohrinsel fort trĂ€gt wie er kam. Der Glaube an die erlösende Liebe einer Frau wird hier bis zur Pervertierung auf die Spitze getrieben. (kj)
EinfĂŒhrungen: Stefanie Krust
am 25.5.2013 um 18.00 Uhr
am 30.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
Ming Green
USA 1966, R: Gregory J. Markopoulos, 7â 16Â mm
Duett för kannibaler
Duett fĂŒr Kannibalen
S 1969, R/B: Susan Sontag, K: Lars Swanberg, D: Adriana Asti, Gösta Ekman, Lars Ekborg, Agneta Ekmanner, 105' 35 mm, OmeU
Als die amerikanische Autorin Susan Sontag 1969 ihren ersten Spielfilm auf dem Filmfestival von Cannes prĂ€sentierte, war die Neugier groĂ. WĂŒrde sie, Ă€hnlich wie die ehemaligen Redakteure der Cahiers du CinĂ©ma François Truffaut und Jean-Luc Godard, dauerhaft von der Kritikerseite zu den Filmschaffenden wechseln? In dem in Schweden realisierten Film geben ein deutscher Linksintellektueller und seine italienische Frau die âKannibalenâ, die ein junges Paar in einen Strudel emotionaler Verwicklungen stĂŒrzen. Partner werden getauscht, PerĂŒcken ausprobiert, BĂ€rte angeklebt und Gesichter mit Mullbinden verpackt. Alles scheint nur ein Spiel zu sein, und doch geht es um existenzielle Fragen, um Liebe und Tod. Susan Sontag verwendet in ihrem Film mehrfach als musikalisches Motiv den Tristanakkord aus Tristan und Isolde. In einer Analyse dieses Musikdramas schreibt sie: âLeidenschaft bedeutet eine gesteigerte PassivitĂ€t. Das eigentliche Thema ist die Kapitulation des Bewusstseins selbst.â Die Liebenden verschmelzen bei Wagner nicht einfach miteinander: âDer unausweichliche nĂ€chste Schritt ist die Vernichtung des Selbst, des Geschlechts, der IndividualitĂ€t.â (Sontag, Wagners FlĂŒssigkeiten). In Duett för kannibaler wird diese Möglichkeit erfahrbar. (kj)
EinfĂŒhrungen: Kristina Jaspers
am 25.5.2013 um 21.00 Uhr
am 28.5.2013 um 20.00 Uhr
WAGNER-KINO
A Dangerous Method
Eine dunkle Begierde
GB/D/CDN/CH 2011, R: David Cronenberg, B: Christopher Hampton, John Kerr, K: Peter Suschitzky, D: Keira Knightley, Viggo Mortensen, Michael Fassbender, Vincent Cassel, 100' 35Â mm, OF
Cronenbergs Spielfilm erzĂ€hlt eine komplexe Dreiecksgeschichte zwischen dem jungen Arzt C.G. Jung und seiner Patientin Sabina Spielrein einerseits und dem BegrĂŒnder der Psychoanalyse Sigmund Freud andererseits. Wie Leitmotive durchziehen die Themen Inzest und Vatermord den Film. Der Stoff basiert auf Tatsachen, ausfĂŒhrlich wird aus dem Briefwechsel und den TagebĂŒchern der Protagonisten zitiert. Das TheaterstĂŒck The Talking Cure von Christopher Hampton bildet die Vorlage, und tatsĂ€chlich werden wie in einem verdichteten Kammerspiel die widersprĂŒchlichen persönlichen und beruflichen Interessen in ihrer KomplexitĂ€t spannungsreich offengelegt. Es ist âeine Geschichte von Gewalt, von Dominanz, von Qual und Selbstqual, ersehnter ZĂŒchtigungâ (Fritz Göttler, SĂŒddeutsche Zeitung, 10.11.2011). Ausgelebte und verdrĂ€ngte Obsessionen werden nicht allein abstrakt interpretiert sondern auch durchlitten. Jung muss sich von Freud, Spielrein sich von Jung emanzipieren. VielfĂ€ltige Wagner-BezĂŒge spielen hinein: Spielrein und Jung spiegeln sich im Inzestpaar Siegmund und Sieglinde, wĂ€hrend Jung sich zugleich mit Siegfried identifiziert, und den Patienten der psychiatrischen Klinik wird die WalkĂŒre als Therapie verordnet. Dies alles hat der mehrfache Oscar-PreistrĂ€ger Howard Shore zu einem hochkomplexen Score verwoben, in dem er unter anderem aus Wagners Siegfried zitiert und fĂŒr Lang Lang das Siegfried-Idyll neu arrangiert hat. (kj)
EinfĂŒhrungen: Marcus Stiglegger
am 31.5.2013 um 19.00 Uhr
WAGNER-KINO
Iron Sky
FIN/D/AUS 2012, R: Timo Vuorensola, B: Michael Kalesniko, Timo Vuorensola, K: Mika Orasmaa, D: Julia Dietze, Christopher Kirby, Götz Otto, Udo Kier, 93â 35 mm, OmU
Neben Fantasy ist Science Fiction dasjenige Film-Genre, das am tiefsten in Wagners OpernĂ€sthetik verwurzelt ist. Das berĂŒhmte Zitat âIch bin dein Vater!â aus dem Star Wars Film The Empire Strikes Back (USA 1980) kann im KollektivgedĂ€chtnis der Popkultur eine vergleichbare Wertigkeit beanspruchen wie Wotans âZieh hin! Ich kann dich nicht halten!â (Siegfried, 3. Aufzug) fĂŒr das Opernpublikum. Timo Vuorensolas mit Mitteln des Crowdfunding finanzierte Science-Fiction-Parodie Iron Sky ist gleichermaĂen Introspektion und Exploitation des popkulturellen Mythenkanons. ErzĂ€hlt wird die Geschichte einer auf der dunklen Seite des Mondes verborgenen Nazi-Kolonie, deren AnfĂŒhrer sich rĂŒsten, die Erde zu erobern. Lustvoll bedient sich Vuorensola aus dem Arsenal filmischer Nazi-Klischees. Da dĂŒrfen Wagner-Anspielungen natĂŒrlich nicht fehlen. So sind die Kampfraumschiffe der âMondnazisâ allesamt nach Wagneropern benannt. Der Tanz mit der Weltkugel aus Chaplins Der groĂe Diktator (zur Musik des Lohengrin-Vorspiels) wird im Schulunterricht der Nazis gezeigt, als Ausdruck der Hoffnung, Hitler möge die ganze Welt âin seinen starken HĂ€nden tragenâ. Die PR-Agentin der US-PrĂ€sidentin entpuppt sich als veritable WalkĂŒre namens Vivian Wagner. Ein besonderer Coup ist Vuorensola mit dem Soundtrack zu Iron Sky gelungen. Die Musik basiert fast ausschlieĂlich auf Wagnermotiven, variiert und neu arrangiert durch das slowenische Industrial-Artrock-Kollektiv Laibach. WĂ€hrend der Film insgesamt einen eher ânerdigenâ Brachial-Humor pflegt, entfalten die musikalischen Anspielungen eine teilweise Ă€uĂerst subtile Komik. Bei seiner Premiere im Rahmen der 62. Berlinale war der Film ein Publikumsrenner. (stv)
Musikalische EinfĂŒhrung: Kevin McCutcheon, Korrepetitor und Dirigent an der Deutschen Oper Berlin
Zu Gast: Timo Vuorensola
am 31.5.2013 um 21.00 Uhr
|