Logo und Schriftzug des Deutschen Historischen Museums und eine Ansicht der neuen Ausstellungshalle von I.M.Pei neben dem Zeughaus
German Historical Museum
 
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  WIEDERENTDECKT

 

WIEDERENTDECKT

 

Wiederentdeckt – so heißt unsere filmhistorische Reihe, kuratiert von CineGraph Babelsberg e.V., die einmal im Monat vergessene SchĂ€tze der deutschen Filmgeschichte vorstellt. Zu sehen sind Werke, die oftmals im Schatten jener Filme stehen, die den deutschen Filmruhm begrĂŒndet haben. Sie sind Zeugnisse einer wirtschaftlich leistungsfĂ€higen und handwerklich ambitionierten Filmindustrie. Erstaunlich viele dieser Filme „aus der zweiten Reihe“ sind erhalten. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv und der Deutschen Kinemathek – Museum fĂŒr Film und Fernsehen recherchieren die Mitarbeiter von CineGraph Babelsberg e.V. diese Filme und analysieren sie im historischen Kontext. Sie erstellen BegleitblĂ€tter fĂŒr das Publikum, fĂŒhren in die Filme ein und dokumentieren ihre Forschungsergebnisse im Filmblatt, der Zeitschrift von CineGraph Babelsberg e.V.
Eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit CineGraph Babelsberg e.V., dem Bundesarchiv-Filmarchiv und der Deutschen Kinemathek – Museum fĂŒr Film und Fernsehen

 

WIEDERENTDECKT

Was wÀre, wenn
?
DDR 1960, R: Gerhard Klingenberg, B: Hedda Zinner, Gerhard Klingenberg, nach dem gleichnamigen BĂŒhnenstĂŒck von Hedda Zinner, K: Erich Gusko, D: Willi Narloch, Gerd Ehlers, Heinz Frölich, 90‘ 35 mm

Ein uraltes Motiv in der Kunst stellt sich vor, durch einen Zauber ließen sich alle Lebens- und DaseinsverhĂ€ltnisse umkehren. Auch die Filmproduktionsfirma der DDR, die DEFA, nahm diese spielerische Utopie als Vorlage fĂŒr einen Spielfilm: was wĂ€re, wenn sich alltĂ€gliche Lebensbedingungen in einem mitteldeutschen Dorf Ende der 1950er Jahre in ihr Gegenteil verkehren wĂŒrden? Nach einem seinerzeit in der DDR vielgespielten TheaterstĂŒck von Hedda Zinner (1905-1994) gestalteten die Autorin und der Regisseur Gerhard Klingenberg den Film Was wĂ€re, wenn
?, der von einem Dorf erzĂ€hlt, in dem Großbauern im Clinch liegen mit KrĂ€ften, die die Kollektivierung der Landwirtschaft vorantreiben wollen. Die heftigen Debatten gehen hin und her. Plötzlich erscheinen skurrile Leute im Ort, suchen und messen ĂŒberall herum, und es entsteht das GerĂŒcht, das Dorf werde gegen ein Gebiet „aus dem Westen“ ausgetauscht. Diese Aussicht verunsichert, erfreut, mobilisiert die Leute, und keiner aus dem Dorf kann sich vor einer Stellungnahme drĂŒcken. Mutmaßungen, EifersĂŒchteleien, GerĂŒchte schießen ins Kraut, zumal auch der Graf zurĂŒckkommen soll... Im Abstand der Jahre wirkt Klingenbergs Komödie – bei aller zeitbedingten NaivitĂ€t – wie ein groteskes Abziehbild, das – ein Jahr vor dem Mauerbau – an aller RealitĂ€t vorbeigeht und doch viel von einem weit verbreiteten Wunschdenken verrĂ€t. (ga)
EinfĂŒhrung: GĂŒnter Agde

am 5.4.2013 um 19.00 Uhr

WIEDERENTDECKT


Alles fĂŒr Geld
D 1923, R: Reinhold SchĂŒnzel, P: Emil Jannings-Film, B: Hans KrĂ€ly, Rudolf Stratz, D: Emil Jannings, Dagny Servaes, Ulrich Bettac, Walter Rilla, ca. 98‘ 35 mm, span. + dt. ZT

„Geht hin und schauet: dies ist der Film unserer Zeit“, schreibt der Film-Kurier nach der Premiere von Alles fĂŒr Geld am 6. November 1923. Die Hyperinflation in Deutschland hat in diesen Tagen ihren Höhepunkt erreicht: Die Preise fĂŒr Lebensmittel steigen ins Unermessliche, selbst Kinokarten kosten Milliarden Mark, und die Spareinlagen der bĂŒrgerlichen Mittelschicht schmelzen dahin. Die Inflation bedeutet Armut und totale Unsicherheit, den Verlust jedes Vertrauens in FinanzmĂ€rkte und politische Schutzmechanismen. Seither fĂŒrchten die Deutschen kaum etwas so sehr wie die Inflation: Ein Trauma, das bis heute fortwirkt, dessen Echo im Kino jedoch kaum mehr hörbar ist.
Alles fĂŒr Geld erweist sich hier mit seiner bizarren Mischung aus Groteske und Tragödie zugleich als Produkt und Spiegel der Inflationszeit. Emil Jannings spielt die Figur des Raffke, des milliardenschweren Kriegsgewinnlers und Spekulanten, der ĂŒber Leichen geht, kalt, berechnend und brutal ist, aber auch verliebt und unbeholfen. FĂŒr BĂ©la BalĂĄzs besteht die große Kunst von Jannings (der den Film auch produzierte) darin, dass er die plumpe Einteilung in gute und schlechte, ernste und unernste Charaktere ĂŒberwindet. Hingerissen schreibt er: „Dieser mit dem derbsten Naturalismus dargestellte Haifisch wird nicht erst sympathisch, als wir zuletzt sehen, wie er leidet und bereut, sondern wir fĂŒhlen diese menschlichen Möglichkeiten in ihm von vornherein auch in den Szenen, wo er seinen Opfern den Hals abschneidet. Bei Jannings ist es das ewig Kindliche, was sich unsere Sympathie ĂŒber alle Scheußlichkeiten hinweg sichert.“ (Der Tag, 14.11.1923). (ps)
Am FlĂŒgel: Eunice Martins
EinfĂŒhrung: Philipp Stiasny und Sarah Kordecki

am 3.5.2013 um 18.30 Uhr

 

 
 
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