Arvid Harnack 1901-1942

Jurist, Wirtschaftswissenschaftler

  • 1901
    24. Mai: Arvid Harnack wird als Sohn des Professors für Literaturgeschichte Otto Harnack in Darmstadt geboren. Er ist der Neffe des renommierten Theologen und Kirchenhistorikers Adolf von Harnack.  
  • 1917/18
    Bedingt durch den Ersten Weltkrieg absolviert Harnack das sogenannte Notabitur.  
  • 1919
    Er wird Mitglied eines Freikorps.  
  • 1923
    Nach einem Jurastudium in Jena, Graz und Hamburg legt Harnack das Erste Staatsexamen ab.  
  • 1924
    Promotion in Jura.  
  • 1926-1928
    Als Rockefeller-Stipendiat studiert er Nationalökonomie in Madison (Wisconsin/USA).  
  • 1926
    Heirat mit der Dozentin für Literatur Mildred Fish.  
  • 1929
    Harnack setzt seine volkswirtschaftlichen Studien in Gießen fort.
    Seine Frau begleitet ihn nach Deutschland.  
  • 1930
    Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation "Die vormarxistische Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten".  
  • 1931
    Gemeinsam mit Friedrich Lenz (1885-1968), dem Begründer der Gießner Schule der Nationalökonomie, gründet Harnack die "Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft" (Arplan). Er erhofft sich für Deutschland eine Rolle als geistige und wirtschaftliche Brücke zwischen Ost und West.  
    Mildred Harnack ist kurzzeitig als Lehrbeauftragte an der Berliner Universität tätig, anschließend arbeitet sie an einem Abendgymnasium.
  • 1932
    Harnack organisiert und leitet als Erster Sekretär der "Arplan" eine Studienreise in die Sowjetunion, an der zahlreiche führende Wissenschaftler teilnehmen.  
  • 1933
    Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler muss "Arplan" aufgelöst werden.
    Harnack erhält eine Anstellung als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Reichswirtschaftsministerium in Berlin, nachdem er seine juristische Ausbildung mit dem Assessorexamen in Jena abgeschlossen hat.
    Harnack, seine Frau und Adam Kuckhoff (1887-1943) sammeln eine Gruppe von Oppositionellen um sich, in der mögliche politische und ökonomische Entwicklungen nach dem Sturz des NS-Regimes diskutiert werden.  
  • 1935
    Harnack ist im Reichswirtschaftsministerium fest angestellt. An der Berliner Universität ist er als Dozent für Außenpolitik tätig.  
  • 1936
    Er nimmt vertrauliche Kontakte mit der sowjetischen und der amerikanischen Botschaft auf, um die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands darzustellen.  
  • 1937
    Um als regimetreuer Mitarbeiter zu erscheinen, wird er Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).  
  • ab 1939
    Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitet die Gruppe um Harnack eng mit dem Kreis um Harro Schulze-Boysen zusammen. Sie verhelfen einigen vom NS-Regime Verfolgten zur Flucht, verteilen illegale Flugschriften und halten Funkkontakt mit der Sowjetunion. Diese Gruppe wird später von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) als "Rote Kapelle" bezeichnet und vor allem als eine Spionageorganisation im Dienste der Sowjetunion beurteilt.  
  • 1940
    Ein Mitarbeiter des sowjetischen Nachrichtendiensts tritt mit Harnack in Verbindung.
    Harnack nimmt Kontakt mit der kommunistischen Berliner Widerstandsgruppe um Walter Husemann (1909-1943) auf. Weitere Verbindungen bestehen zu dem Ehepaar Hans Coppi und Hilde Coppi.  
  • 1941
    Harnack beteiligt sich an der illegalen Zeitschrift "Die innere Front. Kampfblatt für ein neues freies Deutschland".
    Kurz vor Beginn des Unternehmens "Barbarossa" liefern Harnack und Schulze-Boysen wichtige Informationen über die geplante Offensive an die Sowjetunion.  
  • 1941/42
    Über eine Mitarbeiterin im Auswärtigen Amt erhält Harnack von Rudolf von Scheliha Informationen über die "Endlösung der Judenfrage".  
  • 1942
    Harnack wird zum Oberregierungsrat befördert.
    Seine Studie "Das nationalsozialistische Stadium des Monopolkapitals" wird im Untergrund verbreitet.
    14. Juli: Harnack und Schulze-Boysen werden von der Abwehr enttarnt und seitdem überwacht.
    7. September: Das Ehepaar Harnack wird verhaftet.
    19. Dezember: Das Reichskriegsgericht verurteilt Harnack nach einem viertägigen Prozess zum Tode.
    22. Dezember: Harnack wird nach Folterungen durch die Gestapo in Berlin-Plötzensee durch den Strang hingerichtet.
    Seine Frau wird zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Hitler hebt das Urteil wenig später auf. Eine weitere Gerichtsverhandlung endet mit der Verkündung der Todesstrafe.  
  • 1943
    16. Februar: Harnacks Frau Mildred wird ebenfalls in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Susanne Eckelmann
14. September 2014

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