Billy Wilder 1906-2002

Regisseur, Drehbuchautor

  • 1906

    22. Juni: Samuel Wilder wird als Sohn des jüdischen Gastronoms Max Wilder und dessen Frau Eugenia (geb. Baldinger) in Sucha bei Krakau (heute: Krakow/Polen) geboren.
    Aufgrund der Begeisterung seiner Mutter für Amerika wird er Billy gerufen.

  • 1914

    Juli: Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs verlassen die Wilders das aufgrund seiner Grenzlage gefährdete österreichische Galizien und übersiedeln nach Wien.

  • ab 1918

    Wilder beginnt, Interesse für amerikanische Autos, Sport, Jazzmusik und vor allem das Kino zu entwickeln.

  • 1924

    Abitur am Wiener Realgymnasium. Aufnahme eines Jurastudiums ebenfalls in Wien, welches er noch im selben Jahr abbricht, um als Reporter bei dem Boulevardblatt "Die Stunde" zu beginnen.

  • 1926

    Wilder geht in das während der Weimarer Republik kulturell blühende Berlin.
    Bekanntschaft u.a. mit Egon Erwin Kisch, Erich Maria Remarque und Klabund.

  • 1929

    Wilder findet eine erste Beschäftigung als Drehbuchautor und etabliert sich mit dem Film "Menschen am Sonntag". Daraufhin wird er bei der Universum-Film AG (UFA) angestellt und entwickelt sich zu einem ihrer wichtigsten Autoren.

  • 1933

    28. Februar: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verläßt Wilder, alarmiert durch den Reichstagsbrand vom Vortag, Deutschland und emigriert nach Paris.

  • 1934

    Auf Einladung des Produzenten Joe May (1880-1954), für den er auch sein erstes US-Drehbuch schreibt, übersiedelt Wilder in die USA und wird bei der Columbia angestellt.

  • 1934-1936

    Wilder ist an mehreren Film-Flops beteiligt und wechselt häufig den Arbeitgeber.

  • 1936

    Er wird von den Paramount Studios angestellt und avanciert binnen weniger Jahre zu einem der gefragtesten und bestbezahltesten Drehbuchautoren in Hollywood.

  • ab 1937

    Wilder bildet mit Charles Brackett (1892-1969) ein erfolgreiches Autorengespann und entwickelt das Interesse, auch selbst Regie zu führen.

  • 1942

    Für den Film "The Major and the Minor" führt er das erste Mal Regie und kann sich aufgrund des unerwarteten Erfolgs als Regisseur etablieren.

  • 1943

    Er dreht die im Zweiten Weltkrieg während des Afrikafeldzugs spielende Spionagegeschichte "Five Graves to Cairo". Dieser Film ist die einzige Beteiligung Wilders an antinationalsozialistischer Propaganda. Ansonsten bleibt er zu den Vorgängen in Deutschland stumm, obwohl während des NS-Regimes ein großer Teil seiner Familie verfolgt und schließlich in Auschwitz umgebracht wird.

  • 1945

    Wilder erhält für "Das verlorene Wochenende", in dem die Geschichte eines alkoholsüchtigen Dichters erzählt wird, die Oscars für die beste Regie und den besten Co.-Autor.
    Enttäuscht von den ersten, vor der Oscarverleihung erzielten Einspielergebnissen und Kritiken des Films, sucht Wilder Ablenkung und besucht als beauftragter der US-Streitkräfte für psychologische Kriegsführung das besiegte Deutschland.

  • 1950

    Für das Drehbuch zu "Sunset Boulevard", seiner Hommage an das Hollywood der Stummfilmzeit, erhält er erneut einen Oscar.

  • 1954

    Wilder dreht sein erstes großes Komödienwerk "Das verflixte siebte Jahr".

  • ab 1954

    In seiner erfolgreichsten Phase als Filmemacher produziert er zahlreiche Publikumsschlager und Klassiker der Filmgeschichte. Seine Werke zeichnen sich aus durch Originalität, temporeichen Humor, süffisante Dialoge und pikante Konstellationen.

  • 1957

    Mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle dreht er den Krimi "Zeugin der Anklage", einen Genre-Klassiker.

  • 1960

    Wilder erhält drei Oscars für den Film "Das Appartment". Er erzählt die Geschichte des kleinen ausgenutzten Angestellten Baxter, der die Fahrstuhlführerin Fran liebt, sie vor dem Selbstmord rettet und so ihre Liebe gewinnt.

  • 1961

    Wilder dreht die Komödie "One, Two, Three" mit Liselotte Pulver (geb. 1929) und Horst Buchholz, der einen überzeugten Ostberliner Kommunisten spielt, welcher die Tochter eines Westberliner Coca-Cola Vertreters liebt und gegen alle Widerstände mit ihr glücklich wird. Noch vor Veröffentlichung des Films ordnet Walter Ulbricht jedoch den Bau der Berliner Mauer an. Der Film, der sich komödiantisch mit den Zuständen im geteilten Berlin auseinandersetzt, vermag nun kaum mehr ein großes Publikum in die Kinos zu ziehen.

  • 1962/63

    Er dreht den Film "Das Mädchen Irma La Douce" mit Shirley MacLaine (geb. 1934) in einer Hauptrolle.

  • ab 1963

    Seine Filme haben nur noch wenig kommerziellen Erfolg und werden von der Kritik überwiegend negativ besprochen. Der typische Wilder-Stil ist im Kino der 60er und 70er Jahre nicht mehr gefragt.

  • 1981

    Sein letzter Film "Buddy, Buddy", wieder mit Lemmon und Matthau in den Hauptrollen, kommt in die Kinos. Mit ihm kann Wilder noch einmal an alte Erfolge anknüpfen.

  • ab 1981

    Er arbeitet nur noch als Berater in Hollywood, eigene Filmprojekte kommen über das Planungsstadium nicht hinaus.

  • 2002

    27. April: Billy Wilder stirbt an den Folgen einer Lungenentzündung in Beverly Hills.

(cpr)
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