Franz Mehring 1846-1919

Journalist

  • 1846

    27. Februar: Franz Mehring wird in Schlawe/Pommern (heute: Polen) als Sohn des ehemaligen preußischen Offiziers und Juristen Carl Wilhelm Mehring und dessen Frau Henriette (geb. Schulze) geboren. Er wächst in einem streng protestantischen Elternhaus auf.

  • 1866

    Nach dem Abitur am Gymnasium in Greiffenberg/Pommern (heute: Polen) beginnt Mehring ein Studium der klassischen Philologie und Geschichte in Leipzig.

  • 1867

    Er trifft in Berlin auf August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Anhänger der "Sächsischen Volkspartei". Diese Begegnungen prägen ihn.

  • 1868

    Mehring wechselt zum weiteren Studium nach Berlin und arbeitet in der Redaktion der Berliner Tageszeitung "Die Zukunft", eines bürgerlich-demokratischen Blatts.

  • 1870/71

    Während des Deutsch-Französischen Kriegs entfernt er sich kurzzeitig von den politischen Ansichten der Demokraten und sympathisiert mit den Nationalliberalen, die den Krieg begrüßen.

  • 1874/75

    Er arbeitet für die "Frankfurter Zeitung" und "Die Waage", eine Zeitung des Demokraten Leopold Sonnemann (1831-1909), der für einen Ausgleich zwischen Bürgertum und Arbeiterbewegung eintritt.
    Mehring tritt in seiner Tätigkeit als Journalist für die Ziele der Arbeiterbewegung ein.

  • 1878

    Er fühlt sich in politischen Auseinandersetzungen schnell persönlich angegriffen. Aus diesem Grund verläßt er nach einem heftigen Streit mit Sonnemann "Die Waage". Mehring distanziert sich von der Sozialdemokratie.

  • 1880

    Er liest die Schriften von Karl Marx.

  • 1880-1884

    Die Aneignung marxistischer Gedanken und sozialrevolutionärer Ideen, Empörung über die rigorose Handhabung des Sozialistengesetzes durch die preußische Polizei und die Überzeugung, daß die von Otto von Bismarck angestrebte Sozialreform "von oben" keine entscheidende Verbesserung der sozialen Situation bringen kann, nähern ihn wieder der Position der Sozialdemokraten an.

  • 1884

    Mehring wird Chefredakteur der liberalen Berliner "Volks-Zeitung". Damit ist er ein Sprachrohr der entschiedenen Gegner der Sozialistengesetze im bürgerlichen Lager.

  • 1884-1887

    Er entwickelt ein freundschaftliches Verhältnis zu Bebel und Liebknecht.

  • 1890

    Aufgrund verschiedener persönlicher Auseinandersetzungen überwirft sich Mehring endgültig mit der bürgerlichen Presse.

  • 1891
  • 1891-1912

    Als Chefredakteur der Wochenzeitung "Neue Zeit" und der "Leipziger Volkszeitung" sowie als Verfasser von Beiträgen im " Vorwärts" und im "Wahren Jacob" wird er einer der bekanntesten sozialdemokratischen Journalisten seiner Zeit.

  • 1892-1895

    Mehring ist Vorsitzender der "Freien Volksbühne" Berlin.

  • 1893-1918

    Neben seiner journalistischen Karriere publiziert er als Historiker. Zu seinen Werken gehören die vom Standpunkt des historischen Materialismus geprägte "Lessing-Legende", eine kritische Zergliederung bürgerlicher Geschichtsschreibung über die Rolle der Hohenzollern, und die "Geschichte der deutschen Sozialdemokratie".
    Als einer der ersten Historiker schreibt Mehring eine wissenschaftliche Betrachtung der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

  • 1906-1910

    Mehring wird Lehrer an der Parteischule der SPD.

  • ab 1912

    In der SPD kommt es zu Grundsatzdiskussionen zwischen Vertretern einer traditionellen Vorstellung vom Klassenkampf, unter ihnen Mehring und Karl Liebknecht, und Vertretern eines revisionistischen Ansatzes um Eduard Bernstein und Friedrich Ebert. Die Revisionisten wollen sich des parlamentarischen Systems bedienen, um politische Ziele durchzusetzen.
    Mehring entfernt sich daraufhin von den politischen Leitlinien des Parteivorstands. Er befürwortet außerparlamentarische Aktionen, Sozialreformen und die direkte Beteiligung von Arbeitern an der Ausarbeitung des Parteiprogramms.

  • 1914-1918

    Während des Ersten Weltkriegs distanziert sich Mehring zunehmend von der SPD.
    Er gehört zur innerparteilichen Opposition und lehnt die Kriegskredite ab.

  • 1916

    Mehring beteiligt sich an der Gründung der Spartakusgruppe. Daraufhin wird er verhaftet und vier Monate inhaftiert.

  • 1917

    Bei der Ersatzwahl für den verhafteten Liebknecht kandidiert er erfolgreich für den preußischen Landtag. Liebknechts Reichstagsmandat kann er nicht erringen.

  • 1918

    Am Ende des Jahres ist Mehring an den Vorbereitungen zur Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beteiligt.

  • 1919

    28. Januar: Erkrankt und schwer betroffen von der Ermordung Liebknechts und Rosa Luxemburgs, stirbt Franz Mehring in Berlin.

mü/Arnulf Scriba
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