Hans Hellmut Kirst 1914-1989

Schriftsteller

  • 1914

    5. Dezember: Hans Hellmut Kirst wird im ostpreußischen Osterode (heute: Ostróda/Polen) als Sohn eines Polizeibeamten geboren.

  • 1914-1932

    Wegen häufig wechselnder Dienststandorte seines Vaters verbringt er seine Jugend- und Schulzeit in verschiedenen Orten Ostpreußens. Kirst besucht mehrere Volksschulen im Landkreis Osterode sowie das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in seinem Geburtsort.

  • 1931/32

    Besuch der Handels- und Höheren Handelsschule in Osterode.

  • 1932/33

    Kirst arbeitet im Rechnungsbüro des Ritterguts Mühlen.

  • 1933

    1. April: Auf Rat seines sehr national eingestellten Vaters tritt er als Berufssoldat in die Reichswehr bei einem Artillerie-Regiment in Königsberg (heute: Kaliningrad/Rußland) ein.

  • 1935

    Kirst wird Unteroffizier.

  • 1937

    Beförderung zum Wachtmeister.

  • 1938

    Beförderung zum Hauptwachtmeister.

  • 1939

    September: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nimmt Kirst am Überfall auf Polen teil.

  • 1940

    Teilnahme am Frankreichfeldzug.

  • 1941

    Kirst nimmt am Überfall auf die Sowjetunion teil.

  • 1943

    Beförderung zum Leutnant.

  • 1943-1945

    Er ist Aufsichtsoffizier und Lehrer für Kriegsgeschichte an der Luftkriegsschule in Schongau (Bayern). Als Ordonnanzoffizier ist Kirst einige Wochen lang nebenamtlicher NS-Führungsoffizier.

  • 1944

    Beförderung zum Oberleutnant.

  • 1945

    Kurz vor Kriegsende bekleidet Kirst an der Kriegsschule das Amt des Chefs der Stabsbatterie.
    An der Kriegsschule befindet sich auch der spätere bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß. Nach der deutschen Kapitulation denunziert er Kirst bei den Amerikanern ungerechtfertigterweise als Nationalsozialisten.
    Beginn einer jahrelangen persönlichen und politischen Auseinandersetzung zwischen Kirst und Strauß.

  • 1945/46

    Neunmonatige Haft in einem amerikanischen Internierungslager in Garmisch aufgrund der Denunziation.
    Erste literarische Notizen entstehen. Zu seinen Vorbildern gehört Erich Maria Remarque.

  • 1946

    Er wird aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft als "unbelastet" entlassen und muß sich dieses durch eine deutsche Entnazifizierungs-Spruchkammer bestätigen lassen. Strauß verhängt als Vorsitzender der Kammer ein zweijähriges Schreibverbot gegen den sich als "Schriftsteller" bezeichnenden Kirst.

  • 1947

    Er übersiedelt nach München.

  • 1947-1972

    Filmkritiker beim "Münchner Mittag" (heute: Münchner Merkur).

  • 1950

    Veröffentlichung seines ersten Romans "Wir nannten ihn Galgenstrick".

  • 1954

    Welterfolg mit dem Roman "08/15", dem ersten Band einer Trilogie. Mit ungeschminkten Kasernen- und Kriegserlebnissen von Wehrmachtssoldaten trifft das Buch die reale Erfahrungswelt hunderttausender Kriegsheimkehrer.

  • ab 1954

    Kirst avanciert zu einem der erfolgreichsten und meistgelesenen deutschen Nachkriegsautoren. In nahezu sämtlichen seiner 60 Romane thematisiert er den Krieg und setzt sich intensiv mit der Bewältigung des Nationalsozialismus auseinander.
    Aufgrund seiner Kriegserfahrungen lehnt Kirst jede Form des Militarismus und damit die deutsche Wiederbewaffnung rigoros ab. Er kritisiert scharf den Aufbau der Bundeswehr, was zu heftigen politischen Angriffen - u.a. von Verteidigungsminister Strauß - gegen ihn führt.
    Von Kritikern werden seine Bücher stets als Populärliteratur mit einem nur durchschnittlichen sprachlichen Können eingestuft.

  • 1955

    Mit "08/15 in der Heimat" wird auch der letzte Teil der Trilogie verfilmt. Die Hauptrolle in allen drei Filmen spielt Joachim Fuchsberger (geb. 1927).

  • 1960

    Sein zweiter großer internationaler Erfolg "Fabrik der Offiziere" erscheint, der noch im selben Jahr verfilmt wird.

  • ab 1960

    Finanziell unabhängig, beginnt Kirst, Menschen in Not zu helfen. In Israel überläßt er seine Tantiemen sozialen Organisationen, in Polen werden davon Kriegswaisen und in Norwegen Studenten unterstützt.

  • 1961

    14. Dezember: Kirst heiratet die Schauspielerin Ruth Müller. Mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter Beatrice lebt er anschließend zurückgezogen in Feldafing am Starnberger See.

  • 1962

    "Die Nacht der Generale" begründet neben der "Fabrik der Offiziere" seine Popularität in den USA.

  • 1964

    Kirst wird die "Goldene Palme von Bordighera", eine der höchsten italienischen Literaturauszeichnungen, verliehen.

  • 1965

    Er erhält den Edgar-Allan-Poe-Preis.

  • 1966

    Kirst wird als erster Deutscher Mitglied der renommierten amerikanischen Schriftstellervereinigung "The Authors Guild".
    Aufnahme in den PEN-Club.
    2. März: Uraufführung von "Aufstand der Offiziere" unter der Regie von Erwin Piscator in Berlin. Das Theaterstück behandelt das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler.

  • 1967

    Aus Anlaß des 100. Geburtstags des Schriftstellers Ludwig Thoma (1867-1921) stiftet Kirst eine gleichnamige Medaille für besondere gesellschaftliche Verdienste.

  • 1968

    Die Mark-Twain-Gesellschaft erklärt ihn zum "Knight of Mark Twain".

  • 1969

    Kirst veröffentlicht eine Biographie über Heinz Rühmann.

  • ab 1969

    Mitarbeit beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) als Filmkritiker.

  • ab 1971

    Kirst verfaßt zahlreiche gesellschaftskritische Romane mit kriminalistischem Hintergrund.

  • 1972-1975

    Kolumnist der Münchner "Abendzeitung".

  • 1987

    Kirst übersiedelt mit seiner Familie nach Werdum (Ostfriesland). Gesundheitlich schwer angeschlagen, zieht er sich zunehmend zurück.

  • 1989

    23. Februar: Hans Hellmut Kirst stirbt in Werdum.

Arnulf Scriba
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