August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798-1874

Dichter und Sprachforscher

  • 1798

    2. April: August Heinrich Hoffmann (seit der Studienzeit mit dem Namenszusatz "von Fallersleben") wird als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns und Gastwirts Heinrich Wilhelm Hoffmann und dessen Frau Dorothea Eleonore Marie (geb. Balthasar) in Fallersleben geboren.

  • 1812

    Nach Abschluss der Volksschule in Fallersleben besucht Hoffmann das Pädagogium in Helmstedt.

  • 1814

    Wechsel zum Katharineum in Braunschweig, wo er die Reifeprüfung ablegt.

  • 1816

    Hoffmann beginnt zunächst in Göttingen mit dem Studium der Theologie und wechselt im Folgejahr zur Klassischen Philologie und Archäologie.

  • 1818

    Begegnung mit dem Sprachwissenschaftler Jacob Grimm in Kassel, der ihn zum Studium der deutschen Sprache und Literatur anregt.

  • 1819-1821

    Hoffmann folgt seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker (1784-1868) nach Bonn. Dort schließt er sich der burschenschaftlichen Bewegung an, was seine politischen Anschauungen nachhaltig prägt.
    Auf Vorschlag Welckers erhält er eine Anstellung als Bibliotheksassistent und widmet sich mehr und mehr dem Selbststudium.

  • 1821

    In der Bonner Universitätsbibliothek entdeckt er Bruchstücke von Otfried von Weißenburgs (um 790-875) Evangelienbuch. Im selben Jahr veröffentlicht er einen Aufsatz zu seinem Fund. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen folgen, darunter "Wilirams Übersetzung und Auslegung des Hoheliedes" (1827), "Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit" (1832) und "Deutsche Philologie im Grundriß" (1836).
    April-Oktober: Eine Reise nach Holland und Belgien lenkt sein Interesse auf die altniederländische und altflämische Dichtung, mit der er sich Zeit seines Lebens beschäftigt, unter anderem in der von 1830 bis 1862 fortgesetzten Quellenpublikation der "Horae Beligicae".

  • 1821-1823

    Er lebt bei seinem Bruder in Berlin.

  • 1823

    Die Universität Leiden verleiht ihm die Ehrendoktorwürde.

  • 1823-1838

    Bibliothekar an der Universität in Breslau.

  • 1830

    Berufung zum außerordentlichen und ab 1835 zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Breslau.

  • 1840

    Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe veröffentlicht Hoffmanns "Unpolitische Lieder". Diese kritischen Gedichte zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland haben solchen Erfolg, dass schon 1841 eine Neuauflage und ein zweiter Band in Vorbereitung sind.

  • 1841

    Am 26. August 1841 dichtet er auf der damals britischen Insel Helgoland das "Lied der Deutschen" als Ausdruck der Sehnsucht nach nationaler Einheit. Das mit der Melodie der Kaiserhymne Joseph Haydns (1732-1809) unterlegte Deutschlandlied wird bereits am 1. September 1841 bei Hoffmann und Campe in Hamburg als Einzeldruck veröffentlicht.
    1922 erklärt Reichspräsident Friedrich Ebert das Lied zur deutschen Nationalhymne. Seit 1952 wird nur noch die dritte Strophe als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland gesungen.

  • 1842

    Auf Betreiben des preußischen Kultusministeriums wird Hoffmann von Fallersleben als "staatsgefährdend" aus dem Lehramt in Breslau entlassen. Ursache sind "politisch anstößige Grundsätze und Tendenzen", die er in den "Unpolitischen Liedern" ausgesprochen haben soll sowie sein Eintreten für ein einheitliches Vaterland Deutschland. Nach seiner pensionslosen Entlassung verbringt Hoffmann von Fallersleben sechs ruhelose Jahre an ständig wechselnden Orten, da er sowohl in Preußen als auch im Königreich Hannover polizeilich ausgewiesen wird.

  • 1848

    An der Märzrevolution nimmt er nicht aktiv teil. Die Wahl in die Frankfurter Nationalversammlung lehnt er ebenso ab wie das Angebot, Mitarbeiter der neu gegründeten "Nationalzeitung" zu werden.
    Nach wiederholten Eingaben beim preußischen Ministerium wird er nach dem Amnestiegesetz vom 20. März 1848 rehabilitiert und erhält ein Wartegeld von 375 Talern als Pension zugesprochen.

  • 1849

    Heirat mit seiner 18jährigen Nichte Ida vom Berge. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor, von denen nur eines das erste Lebensjahr erreicht.

  • 1853

    Umzug nach Weimar, wo sich die Schriftstellerin Bettina von Arnim (1785-1859) vergeblich für ihn um die Vermittlung der Stelle eines Oberbibliothekars beim Groherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach bemüht.
    Ab 1854 gibt er gemeinsam mit dem Sprach- und Literaturwissenschaftler Oskar Schade (1826-1906) das "Weimarische Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur und Kunst" heraus, von dem bis 1857 sechs Bände erscheinen.
    In Weimar schließt er Freundschaft mit dem Komponisten und Pianisten Franz Liszt (1811-1886), der ihn Zeit seines Lebens unterstützt und ihm die spätere Anstellung in Corvey vermittelt.

  • 1860

    Herzog Viktor von Ratibor (1818-1893) überträgt Hoffmann von Fallersleben die Verwaltung seiner Schlossbibliothek in Corvey, die dieser bis zu seinem Tod ausübt.
    Seine Frau stirbt im Alter von 29 Jahren nach einer Totgeburt.
    In seinen letzten Lebensjahren ist er vornehmlich mit der Ausarbeitung seiner umfangreichen Autobiographie beschäftigt, die er unter dem Titel "Mein Leben" von 1868 bis 1870 in sechs Bänden publiziert.

  • 1874

    19. Januar: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben stirbt in Corvey.

Dorlis Blume
9. Dezember 2014
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