Marinus van der Lubbe 1909-1934

  • 1909

    13. Januar: Marinus van der Lubbe wird im holländischen Leiden als Sohn des Kurzwarenhändlers van der Lubbe und dessen Frau Petronella (geb. van Handel) geboren.
    Nachdem der Vater die Familie verlassen hat, eröffnet seine verarmte Mutter einen kleinen Kramladen. Lubbe wird zeitweise in einem Heim für verwahrloste Kinder untergebracht.

  • 1921

    Nach dem Tod seiner Mutter lebt er bei seiner verheirateten Halbschwester.

  • 1924

    Beginn einer Maurerlehre, während der er sich durch Freundschaften zu älteren Kollegen der Arbeiterbewegung nähert und die Abendschule besucht.

  • 1925

    van der Lubbe schließt sich einem kommunistischen Jugendverband an und zieht nach Leiden.
    Bei einem schweren Arbeitsunfall werden seine Augen verletzt. Er wird fünf Monate im Krankenhaus behandelt, jedoch nie vollständig geheilt. Er kann seinen Beruf nicht mehr ausüben, erhält aber nur eine geringe Invalidenrente.

  • 1926-1928

    Engere Kontakte zur Jugendbewegung, zur Kommunistischen Partei Hollands (KPH) und Gründung eines Pionierverbands.

  • 1929

    van der Lubbe schreibt Flugblätter und Streikaufrufe, organisiert Demonstrationen und tritt als Redner auf. Besonders erfolgreich ist seine Agitation bei jugendlichen Arbeitslosen. Er gerät dadurch nicht nur mit der Polizei, sondern auch mit seiner Partei in Konflikt.

  • 1931

    April: Er will in die Sowjetunion wandern, kommt aber nur bis Berlin, weil er zu wenig Geld hat. Auf der Rückreise wird er in Westfalen verhaftet und wegen Hausierens zu zehn Tagen Haft verurteilt.
    Nach seinem Austritt aus der KPH engagiert er sich im proletarischen niederländischen "Spartacus", wo er sich die Ideen des Anarchismus aneignet.
    Auch sein erneuter Versuch, in die Sowjetunion zu wandern, scheitert.

  • 1932

    Januar: Nach weiteren Auseinandersetzungen mit den Behörden und Streikagitation bricht van der Lubbe zu seiner dritten Wanderschaft auf.
    April: Nach unerlaubter Einreise nach Polen muß er zurück in die Niederlande, wo er in Abwesenheit zu drei Monaten Haft verurteilt worden war.
    Oktober: Nach Absitzen der Gefängnisstrafe reist er durch die Niederlande. Er hält auf verschiedenen politischen Versammlungen Reden und entzweit sich weiter mit der KPH.

  • 1933

    Januar: van der Lubbe erkrankt an unheilbarer Augentuberkulose.
    Mitte Februar: Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland wandert er nach Berlin, wo er für aktiven Widerstand agitiert.
    25. Februar: Er versucht drei Brandstiftungen an öffentlichen Gebäuden.
    27. Februar: Um 21.27 Uhr wird er im brennenden Reichstagsgebäude verhaftet. Er erklärt, die Brandstiftung allein unternommen zu haben, um die deutsche Arbeiterschaft zum Widerstand gegen die faschistische Machtergreifung aufzurufen.
    Hermann Göring hingegen stellt die Brandstiftung als Verschwörung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) dar und läßt noch in dieser Nacht viele politische Gegner verhaften.
    28. Februar: Adolf Hitler erreicht, daß Reichspräsident Paul von Hindenburg die sogenannte Notverordnung unterschreibt, die als Ausnahmegesetz "zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte" bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gültig bleibt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) nutzt die Brandstiftung zur Propaganda für die anstehenden Reichstagswahlen.
    9. März: Neben Lubbe werden als Mittäter der KPD-Vorsitzende Ernst Torgler, der bulgarische Kommunist Georgi M. Dimitrow (1882-1949) u.a. angeklagt.
    21. September: Beginn des Prozesses. Bei den Verhandlungen wirkt van der Lubbe völlig apathisch.
    23. Dezember: Er wird vom vierten Strafsenat des Reichsgerichts zum Tode wegen "Hochverrat in Tateinheit mit vorsätzlicher Brandstiftung" verurteilt.

  • 1934

    10. Januar: Marinus van der Lubbe wird in Leipzig hingerichtet.
    Es ist bis heute umstritten, ob er die Brandstiftung tatsächlich allein vorgenommen hat, da sich der Brand an weit voneinander liegenden Stellen ausgebreitet hat.

  • 1999

    13. Januar: Anläßlich seines 90. Geburtstags wird auf dem Leipziger Südfriedhof ein von zwei niederländischen Künstlern entworfenes Grabzeichen für van der Lubbe eingeweiht. Ein weiterer Gedenkstein ensteht im Februar in seiner Geburtsstadt Leiden. Eine dritte Tafel soll am Berliner Reichstagsgebäude angebracht werden. Die drei Steine bilden ein zusammenhängendes Denkmal.

(lh)
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