Walter Ulbricht 1893-1973

Politiker

  • 1893

    30. Juni: Walter Ulbricht wird als Sohn eines Schneiders in Leipzig geboren. Beide Elternteile sind sozialdemokratisch engagiert.

  • 1899-1911

    Besuch der Volksschule und Tischlerlehre. Von den Eltern beeinflußt, beginnt er schon als Jugendlicher mit dem Studium sozialistischer Literatur.

  • 1908

    Ulbricht wird Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und arbeitet aktiv im Arbeiterjugend-Bildungsverein Alt-Leipzig.

  • 1910

    Eintritt in den Holzarbeiterverband.

  • 1911/12

    Die Wanderschaft als Tischlergeselle führt Ulbricht u.a. nach Dresden, Nürnberg, Venedig, Amsterdam und Brüssel.

  • 1912

    Ulbricht wird Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

  • 1913/14

    Besuch der Parteischule in Leipzig.

  • 1915-1918

    Während des Ersten Weltkriegs wird er in Polen, Serbien und an der Westfront eingesetzt.

  • 1918

    Ulbricht wird nach Beginn der Revolution Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats des XIX. Armeekorps. Nach seiner Rückkehr nach Leipzig schließt er sich der Ortsgruppe des Spartakusbundes an.

  • 1919

    Teilnahme an der Gründungsversammlung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) für den Bezirk Mitteldeutschland in Leipzig. Ulbricht wird in die Leitung gewählt.

  • 1919-1923

    Hauptamtliche Parteiarbeit in den Bezirksleitungen Mitteldeutschland, Westsachsen und Großthüringen, schließlich Wahl in die Zentrale der KPD.

  • 1924/25

    Teilnahme an einem Lehrgang an der Lenin-Schule der Kommunistischen Internationale (KI, Komintern) in Moskau, anschließend Tätigkeit als Parteiinstrukteur in Wien und Prag. Mitarbeit im Exekutivkomitee der Komintern (EKKI).

  • 1926

    Wahl in den Sächsischen Landtag.

  • 1928-1933

    Reichstagsabgeordneter.

  • 1929

    Ulbricht wird Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees (ZK) der KPD und Politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark.

  • 1932

    Nach parteiinternen Auseinandersetzungen übernimmt Ulbricht im ZK den Sekretariatsbereich von Hermann Remmele (1880-1939) und damit praktisch die organisatorische Leitung des Gesamtapparats der Partei.

  • 1933

    1. März: Ulbricht wird von den Nationalsozialisten steckbrieflich zur Fahndung ausgeschrieben. Er lebt noch sechs Monate im Untergrund in Deutschland und geht im Oktober auf Beschluß der Parteiführung in die Emigration nach Paris.

  • 1935-1938

    Leitende Tätigkeit in den Exilorganisationen der KPD in Paris und Prag.

  • 1938

    Ulbricht verlegt sein Exil nach Moskau und wird Vertreter des ZK der KPD beim EKKI.

  • 1941

    Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion arbeitet Ulbricht beim deutschsprachigen Programm von Radio Moskau und verfaßt zahlreiche Flugblätter und Aufrufe an die Soldaten der Wehrmacht. Ab 1943 ist er zumeist im Fronteinsatz als Rundfunkpropagandist tätig.

  • 1943

    Mitbegründer des Nationalkomitees "Freies Deutschland" (NKFD).

  • 1945

    April: Rückkehr nach Deutschland. Die "Gruppe Ulbricht" organisiert den Wiederaufbau der KPD im Raum Berlin.

  • 1946

    Januar: Nach den Wahlniederlagen der Kommunisten in Ungarn und Österreich betreibt Ulbricht auf Weisung von Josef W. Stalin die schnellstmögliche Vereinigung von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone.
    21. April: Vereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). An die Spitze der SED treten Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl. Ulbricht wird gemeinsam mit Max Fechner (1892-1973) stellvertretender Vorsitzender.

  • 1948

    Ulbricht leitet die Kampagne zur Säuberung der SED von "Titoisten" und Anhängern des "Sozialdemokratismus".

  • 1949

    7. Oktober: Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Ulbricht wird einer von drei stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrats.

  • 1950

    Juli: Auf dem III. Parteitag der SED übernimmt Ulbricht den neugeschaffenen Posten des Generalsekretärs des ZK und damit de facto die Führung der Partei.

  • 1953

    Nach der Volkserhebung vom 17. Juni gelingt es Ulbricht, seine Stellung in der Partei durch die Ausschaltung von Widersachern aus Führungspositionen zu festigen. Er wird Erster Sekretär des Zentralkomitees.

  • 1955

    Mit der Einführung der Funktion des Ersten Stellvertreters des Vorsitzenden des Ministerrats festigt Ulbricht seine Position im Staatsapparat.

  • 1957/58

    Bei einer erneuten Säuberungsaktion innerhalb der Parteiführung schaltet Ulbricht weitere Kontrahenten im Kampf um die Macht in Staat und Partei aus.

  • 1960

    Februar: Ulbricht wird Vorsitzender des neu geschaffenen Nationalen Verteidigungsrats und übernimmt damit die oberste Befehlsgewalt über die Nationale Volksarmee (NVA) im Falle einer Krisensituation.
    September: Nach dem Tod von Pieck wird das Amt des Präsidenten der DDR abgeschafft. Ulbricht wird als Vorsitzender des Staatsrats neues Staatsoberhaupt der Republik. Damit sind erstmals alle entscheidenden Machtpositionen in den Händen einer Person vereinigt.

  • 1961

    13. August: In Absprache mit den Staaten des Warschauer Vertrags errichtet die DDR unter der Führung von Ulbricht eine Mauer um Berlin (West).

  • 1965

    Mit seinem Staatsbesuch in der Vereinigten Arabischen Republik (VAR) leitet Ulbricht die Durchbrechung der diplomatischen Blockade der DDR ein.

  • 1968

    August: Ulbricht gehört zu den entschiedenen Befürwortern einer militärischen Intervention der Staaten des Warschauer Vertrags zur Niederschlagung des "Prager Frühlings".

  • 1970

    In der Frage der Gestaltung der Beziehungen der DDR zur Bundesrepublik und in der Wirtschaftspolitik gerät Ulbricht in Widerspruch zu einem Teil der Parteiführung und verliert die uneingeschränkte Unterstützung Moskaus. Erste Anzeichen seiner Entmachtung werden sichtbar.

  • 1971

    3. Mai: Ulbricht wird veranlaßt, aus "gesundheitlichen Gründen" von der Funktion des Ersten Sekretärs des ZK der SED zurückzutreten. Er bleibt aber Vorsitzender des Staatsrats und wird zum Ehrenvorsitzenden der SED ernannt.

  • 1973

    1. August: Walter Ulbricht stirbt am Döllnsee bei Berlin.

Mirjam Husemann
17. September 2014
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