23.-28.3.1942
Am Morgen kam eine SS-Formation, um uns mit LKW abzutransportieren.
Sie fuhr uns bis Weschki. Von da mußten wir zu Fuß
nach unserem Waldlager, ich meine den gestern angewiesenen Platz.
In Weschki lagen in einem Schuppen die Leichen von gefallenen
deutschen Soldaten aufgestapelt, weil man sie in der gefrorenen
Erde nicht bestatten konnte. Einer der Sanitäter wollte nun
renomieren und zeigte meinen Leuten den Haufen kalt und steif
gefrorener Leichen. Das war allerdings kein Anblick für Anfänger.
Ich fand das unglaublich und habe es leider zu spät erfahren,
sonst hätte ich den Sanitäter schwer angeschissen. Die
Leute, die z.T. noch nie vorm Feind waren und denen alle Eindrücke
neu und fremd waren, mußten ganz allmählich in das
Milieu eingeführt werden. Bei diesem Anblick wurde ihr seelisches
Gleichgewicht schwer erschüttert.
Gleich hinter Weschki begrüßte uns der Russe mit Artillerie-Feuer.
Aber das Feuer lag zu kurz. Es war das 1. Feuer, das wir in Rußland
erhielten. Wir marschierten nun an den Platz, räumten den
Schnee weg und bauten die Zelte auf. Ich selbst konnte in einer
niedrigen Bretterbude unterkommen. Mittags wurden wir schon zur
Arbeit angesetzt auf den vereisten Wegen. Der Pionier Schaberg
wurde gleich verwundet durch Flak-Splitter an Kopf und Knie.
Es ist hier genau wie im Caures-Wald 1916 vor Verdun. Überall
liegen die Leichen im Schnee: Deutsche und Russen. Wie hier die
Lage ist, erfährt man nicht. Vorne irgendwo ist die Linie.
Es soll hier ein großer Kessel sein, in dem
die Russen sitzen. Aber wir konnten den Kessel noch nicht eindrücken.
Es ist furchtbar kalt. Alle Tage passiert etwas anderes. Die 4.
Kompanie ist viel weiter vorne eingesetzt, auch in Zelten. Die
Infanterie-Geschosse von vorne kommen bei Ihnen dauernd angezwittschert.
An einem Tage mußten wir eine Schneise anlegen, in dem tief
verschneiten Wald. Das war eine Quälerei mit dem Kompass.
Von den Pionieren wurden uns Minensucher zugeteilt. Aber das war
ja lächerlich. Mit spitzen Eisenstäben tasteten sie
den Boden ab durch den Schnee. Aber was konnte da schon viel herauskommen!
Wir mußten voran machen und konnten auf das Stochern nicht
warten., bei dem doch kaum etwas herauskam.
Der Minensucher-Uffz. ging mit mir hinauf. Er zeigte mir die vielen
russischen Minen, die neben uns am Wege lagen, durch weißen
Anstrich getarnt. Man führte diesen Weg also neben dieser
Minen-Bahn her. Er nahm eine Mine auf und nahm sie im Handumdrehen
auseinander. Es war eine kleine Kastenmine. Mir war es ungemütlich
und unheimlich zu Mute, wie dieser Unteroffizier so schnell und
unvorsichtig hantierte. Mittags schoß ich mir mit der Leuchtpistole
dieses Unteroffiziers beinahe in die Hand, da er mir nicht sagte
sie sei geladen und da ich den Verschluß nicht kannte. Das
Geschoß flog in den Schnee. Abends wollte der Unteroffizier
wieder anderen Soldaten eine Mine vorführen, wieder in dem
Bestreben, diesen Neulingen zu imponieren. Sie detonierte ihm
in der Hand. Hand und Augenlicht verloren!
30.5.1942
Wenig Schlaf gehabt. 3.30 Uhr wecken. Marsch nach der Stellung.
Wieder stürzte der Goldfisch und ich flog über
seinen Kopf, ohne mich indessen zu verletzen, was mir natürlich
gerade heute sehr peinlich gewesen wäre. Wir maschierten
nach Verladestelle-Nord (ostwärts Semtitzy) an
der Strecke nach Krutik, die gerade schweren Beschuß erhalten
hatte, nahmen die Minen auf und brachten sie nach dem Muni-Lager
Semtitzy-Nord. Zurück i. d. Wald u. m. d. Bau
einer Schneise begonnen. Um 11.20 Uhr fing der Angriff an: Stuka-Bomber,
Ari, alles spielte auf. Wir hatten Ruhe, d. h. zuerst. Mittags
warf der Russe schwere Brocken in den Wald. Eine Granate krepierte
neben der Kompanie. Da alles nach dem Essen in der Pause auf der
Erde lag ging der Splitter-Segen über die Köpfe hinweg.
Nur die Uniform-Stücke und Gasmasken, die an den Bäumen
hingen, bekamen Splitter. Wir mußten abends noch einen Zug
abstellen, wieder zum Transport von Minen. Auf dem Rückweg
kam der Zug in Infanterie-Feuer. Peter Cremer, der zuerst mein
Krad gesteuert hatte, erhielt einen Bauchschuß und war sofort
tot.Köster erhielt Bein- und Handschuß. Das I.G. [Infanteriegeschoß]
war durch sein Seitengewehr geflogen! Brinkmann erhielt Granat-Splitter
an die Brust. Wir glaubten beide I.G. waren mit Sprengstoff gefüllt.
Solche teuflischen Geschosse hatten die Russen.
2.6.1942
Mit dem Krad nach oben. Zu Fuß an die Baustelle vorne. Ich
ging mal weiter nach vorne, etwa an die Stelle, wo wir gestern
im Dreck lagen. Die eigenen Panzer waren weg. Ich war seitlich
im Wald wo 2 russische Hütten aus Tannenreisern dicht unter
die hohen Fichten gebaut waren. Sie waren so gemütlich und
unendlich romantisch und die Morgensonne schien so schön
durch die grünen Fichtenäste - es war wie ein Bild aus
einer romantischen Indianer-Geschichte. Aber die Russen lagen
erschossen daneben. Mir taten die Kerls leid, die neben ihrem
schönen Heim tot auf dem Gesicht lagen. Ihre Verpflegung
lag auf der Erde und die Ameisen fielen über den Zucker her.
Als ich zur Kompanie zurückkam hörte ich, daß
Uffz. Schröder verwundet sei: I.G.-Schuß von oben,
also von irgend einem Flieger in die Wade: Steckschuß. Mittags
saßen Startz, Wilk, Dr. Frey und ich vor unserem Gefechtsstand,
einer Hütte aus Zweigen, als neben uns eine furchtbare Detonation
erdröhnte. Eine Flammen-Wolke stand in der Luft, riesig,
darüber stand noch eine und sank dann langsam in sich zusammen.
Dazu eine riesige schwarze Qualm-Wolke. Wir hatten einen furchtbaren
Schrecken. Ich dachte, der Feind hätte ein infernalisches
Brand-Geschoß herübergeworfen und es kämen gleich
noch mehr Flammenwerfer, dachte ich. Irgend eine furchtbare
Überraschung. Da sahen wir ein schweres motorisiertes Fahrzeug,
das lichterloh brannte. Es war eine Zug-Maschine der Panzer-Truppe.
Sie lag auf der Seite. Da ich noch weitere Explosionen für
wahrscheinlich hielt, ließ ich niemanden an den brennenden
Wagen. Aber als ich hörte, daß dort Menschen wären,
lief ich sofort hin.
Da lag brennend ein Mann, der sich nicht mehr bewegte und mir
noch langsam und bedächtig mit dem Kopf nickte - schauderhaft!
Weiter weg lag ein zweiter, genauso. Ich warf die brennenden Körper
mit Erde zu, um die Flammen zu ersticken und rief meine Männer
herbei. Der Wagen selbst knisterte in den Flammen. Die Munition
krepierte dauernd dadrin. Eine Riesen-Qualm-Wolke stieg weithin
sichtbar in den Himmel. Ich ließ den Wagen mit Erde bewerfen.
Wir erstickten das Feuer, aber es dauerte lange. Feindliches Feuer,
wie ich befürchtet hatte, erhielten wir nicht. Wir sammelten
die Privat-Sachen der Leute, z.T. waren sie verbrannt.
Wie war das passiert? Zweifellos durch Unachtsamkeit der beiden
Leute, die nun tödlich verunglückt waren. An einem offenen
Benzinbehälter neben dem Wagen lagen lose Cigaretten. Ich
nehme an, daß einer rauchte und die Benzin-Dämpfe,
die an den heißen Tagen besonders stark waren, entzündete.
Die Maschine wurde dadurch umgekippt und alles mit dem brennenden
Benzin übergossen, Ein Mann, der oben auf der Maschine saß,
flog im Bogen heraus. Sein abgerissener Fuß steckte noch
im Wagen am Bremsenhebel. Da kann man sich die Wucht denken, mit
der der Körper weggeschleudert wurde! Es war tragisch. Einer
der Männer hatte noch einen russischen Raketen-Fallschirm,
der an einem Baum hing, abgemacht, um ihn seinem Jungen zu schicken.
Abends erst, es war 23.45 Uhr, kam ein Oberleutnant der Panzerwaffe,
dem ich alles übergab. Er erklärte, der Wagen sei auf
eine Mine gelaufen, das war vielleicht die beste Erklärung
für den Papierkrieg und für die Hinterbliebenen. Mich
ging es nichts an, wie ein stillstehender Wagen auf eine Mine
laufen kann.
27.6.1942
Die Nacht war ruhig. Ich schlief in einem Bunker, d.h. Blockhaus,
mit einer Zeltbahn zugedeckt. Morgens Befehl erhalten, den Zug
Erfkamp rechts von Oberleutnant Schneider wegzuholen und bei Seufert
einzusetzen. Wir sind nun 1. u. 2. Zug in der H.K.L. [Hauptkampflinie],
3. Zug in Reserve. Nachmittags die H.K.L. abgegangen. Meine Pioniere
stehen zum Teil mit den Reitern der Schwadron Seufert zusammen
auf Posten. Weiter rechts von uns, wo den Russen der Durchbruch
gelungen war, besuchte ich heute die H.K.L. und einen vor die
H.K.L. vorgeschobenen MG-Stand. Es war eine Hütte aus Kiefernzweigen.
5 tote Russen lagen bis ganz dicht an dem MG-Stand.
Dabei war ein junger Russe, ein schmaler Jüngling, bleich
mit halboffenen gebrochenen Augen, die im Todeskampf verdreht
waren. Er hatte die Hände über dem Leib gefaltet, der
arme, arme Kerl. Welche Todesangst muß der Junge ausgestanden
haben! Aber das Entsetzlichste war, daß dieser arme junge
Mensch meinem Erich so ähnlich war, wenn er einen Anfall
hat. Ich war bei diesem Anblick so erschüttert, daß
ich den ganzen Tag und später, wenn ich in die Nähe
kam, von Todesvorstellung meines Erich nicht mehr loskam.
Es waren überhaupt fürchtbare Bilder, die man da sah.
Die Leichen in allen möglichen Lagen und Stellungen des Todeskampfes
und furchtbare Verwundungen und Verstümmelungen - Zahlreiche
Verwundete liegen noch in den Sumpfwäldern. Man hört
dauernd ihre Schreie, aber keiner bemüht sich um sie und
es ist auch so: wenn man von der Westschneise, da liegen wir vor,
in die von Bombentrichtern und Granateinschlägen zerrissenen
Geländestreifen rechts und links schaut, sieht man oft Minenladungen
an den Bäumen, so in Kniehöhe angebracht. Man sieht
sie, denn sie sind ohne Tarnung. Zwischen den Stämmen sind
Drähte gespannt, die beim Berühren die Zünder freigeben
und die Mine zur Detonation bringen. Die Sprengladungen sind mit
kurzen Eisenstücken zusammengeschnürt, so recht, um
einen in den Bauch zu fliegen. Die Minen ließen wir ja noch
gelten, aber die Eisenstücke empfanden wir als eine Gehässigkeit.
Ich gab jedenfalls keinem Mann den Auftrag, in dem Wald nach Verwundeten
zu suchen.
Dauernd kommen verwundete und unverwundete Russen herüber.
Die Verwundeten kriechen auf allen Vieren. Kein Russe bekümmert
sich um seinen verwundeten Kameraden! Wir waren darüber empört.
Aber man scheint das in Rußland gar nicht zu kennen. Die
Unverwundeten waren ganz erstaunt, daß wir verlangten, sie
sollten die anderen mitnehmen. Von selbst taten sie es nie. Jeder
muß dort mit sich selbst fertig werden und wer verreckt
wird nackend ausgezogen und seine Sachen werden verteilt.
Auch die eigenen hinteren Dienststellen sahen ungern, wenn Verwundete
kamen. Ich erhielt telefonisch die Anweisung Wir wollen
keine Verwundeten und können keine gebrauchen! Das
war mir natürlich schnuppe. Aus dem telefonischen (nicht
schriftlichen!) Befehl sollte also gefolgert werden, daß
wir die Verwundeten erschießen sollten. So anständig
war man noch, das nicht von uns befehlsmäßig zu verlangen.
Ich dachte nicht daran, diesen Etappen-Säuen zu Liebe einen
Verwundeten zu erschießen. Da zeigte sich das Eindringen
der NSDAP-Moral oder SS-Moral in die Wehrmacht.
Im kaiserlichen Deutschland wäre so etwas nie vorgekommen.
Diese Verbrecher-Gesinnung drang leider oft durch in die Wehrmacht
- und heute frißt es das deutsche Volk aus.
28.6.1942
In der Nacht Flieger-Besuch durch die Russen. Man sah die Flugzeuge
sehr gut. Alles knallte mit der Knarre. Ich war kaum wieder im
Blockhaus, als ein Russe brennend abstürzte. Morgens kam
der Befehl, wonach die Schwadron Seufert abrücken mußte.
Wir waren also nun allein, d.h. ohne die gut und modern ausgerüstete,
aktive Truppe.
Ich war nachmittags in der West-Schneise (also bisher Russen-Kessel).
Hauptmann Startz und Oberleutnant Wilk kamen nach. Wir gingen
gemeinsam bis weit über die Erika-Schneise bis zum jenseitigen
Waldrand, ohne eigne Leute zu sehen!! Viele tote Russen lagen
da mit unzähligen blauen Fliegen bedeckt. Ein übler
Leichengestank erfüllte die Luft. Verwundete Russen lagen
in den Bunkern. Sie benutzten die verreckten Pferde als Nahrung.
Ein Bild des Elends! Wer gibt sich mit den Verwundeten ab? Sie
haben kein Essen und kein Wasser. Sie verkriechen sich wie die
Tiere vor Angst und Not.
Ich sah heute also zum 1. Mal die berüchtigte Erika-Schneise.
Nach dem Abendessen die H.K.L. erneut abgegangen. Später
kam Hauptmann Startz und brachte die Nachricht von der Sonder-Meldung:Kesselschlacht
am Wolchow beendigt! Wir sind nun Alleinherrscher in den
Bunkern. Davor liegen die übergelaufenen und -gekrochenen,
verwundeten Russen. Ich ließ durch gesunde Russen die verwundeten
Russen wegtragen. Den verwundeten unglücklichen Russen gaben
wir Brot. Nachts Flieger-Betrieb. Ich blieb aber auf dem Lager
liegen.
29.6.1942
Vormittags mit Ionberg in der Erika-Schneise. Hier war ein Bild
wie im 1. Weltkrieg im Westen bei Cerny 1914. Der Knüppeldamm
ist besät mit Leichen, deren schwarze Köpfe von Maden
wimmeln. Ich sah Köpfe von Leichen, die eine von weißen
Maden kribbelnde über und über bedeckte Kugel darstellen.
Dazwischen Waffen, Kanonen, Panzer, verreckte Gäule, LKW
und Trichter neben Trichter. Die Bäume zu kahlen Stämmen
und Stümpfen zerfleddert. Es war ein furchtbares Bild. Der
Gestank dieser schwarzen Leichen war entsetzlich. Die Wolken von
blauen Fliegen, die man aufscheuchte, erfüllten die Luft
mit Rauschen.
Ich ging die Erika-Schneise weit hinauf, aber nicht bis an die
H.K.L. Es war doch nur stets dasselbe Bild des Unglücks.
Kein lebender Mensch war in dieser Stätte des Todes zu sehen.
Aber es muß doch noch in den Wäldern rechts und links
noch von versteckten und verkrochenen Russen wimmeln. Unsre Ari
und Stuka haben hier bös gehaust.
Abends: Draußen ist Mondschein. Ein Lautsprecher ertönte
die ganze Nacht: er bringt russische Musik und als Einlage
in russischer Sprache die Aufforderung an die in den Wäldern
hinter Weschki liegenden, versprengten Russen sie sollten herüberkommen
und sich ergeben. Drüben am Wolchow kreist wieder stumm und
unermüdlich der Russen-Scheinwerfer am nächtlichen Himmel.
Ein seltsamer Krieg hier: hart und unerbittlich.
2.7.1942
In der Reiterklause gepennt. Die Nacht war ruhig. Vormittags herumgesessen
und DAZ [Deutsche Allgemeine Zeitung] gelesen, Briefe geschrieben:
Ruhetag. Mittags kamen 3 Offz. eines anderen Bau-Batl., die sich
auch einquartieren sollten. Für diese hatte ich einen Spähtrupp
an die Erika-Schneise gestellt seit gestern bis jetzt. Dort herrscht
ein Jammer und Elend! Uffz. Bonkhofer sagte mir, daß er
dort ein Kind gefunden habe, 5-6 Jahre alt, schwer verwundet,
noch lebend. Er habe es erst gemerkt, daß es lebe, weil
es seine Augen bewegte. Die Maden wären schon in den Wunden
am Bein. Ein anderes kleines Kind in der Nähe sei schon tot.
Ich sagte zu Bonkhofer, wir müßten das Kind holen,
aber er meinte, es sei doch nicht mehr zu retten. Da sagte ich
ihm, er solle es durch einen Schuß von seinen Qualen erlösen.
Bonkhofer ging anderen Tags wieder hin, aber da war das Kind inzwischen
tot.
8.8.1942
Um 18 Uhr kam Hauptmann Hasselkus. Die Kompanie trat in offenem
Karrè an. Der Kommandeur hielt eine Ansprache und übergab
mir die Päckchen mit den Bändern der Ost-Medaille. Mir
selbst heftete er das Band an die Brust.
Mittags an der Baustelle begegnete mir ein russischer Civilist,
den ich anhielt und nach seinen Papieren fragte. Er hatte einen
Ausweis. Er war ein Kapitän z. See d. russischen Flotte namens
X, der im Dienst der deutschen Wehrmacht stand. Er durfte sogar
Pistole tragen! Was es hier alles gibt!
6.2.1943
In Richtung Kretschno eingesetzt. Ein langer Weg. Viel Arbeit.
Wir mußten dort Schnee schaufeln, um den Weg frei zu halten.
Die Erhaltung der Zugangswege für die Versorgung der vorne
liegenden Truppe war ungeheuer wichtig, In Rußland war nur
dies ständig unsere Arbeit. Einen anderen Einsatz hatten
wir nicht. Der jetzige Einsatz war wegen der Kälte und des
langen Hin- und Rückmarsches besonders anstrengend. Ich machte
alles mit wie Kompanie selbst, wie stets bei der Wehrmacht. An
der Baustelle blieb ich all die Stunden bei den Leuten im Freien.
Nie ging ich 1 Minute in ein Haus, um mich aufzuwärmen. Wenn
ich das getan hätte, dann hätten es die Feldwebel und
Unteroffiziere auch getan und ich hätte nur noch herumlaufen
können, um mein Aufsichtspersonal wieder herauszujagen auf
die Straße, wo der Kumpel dauernd am Arbeiten war. Nein,
das war bei der 3. Kompanie nicht üblich. So habe ich stets
gehandelt. Immer war ich bei meinen Leuten und das wußte
man beim Batl. Und schätzte es. Wenn ich so oft schreibe:
den ganzen Tag auf der Baustelle dann zeigt das meine
Auffassung über Führertum. Das andere war bequemer.
Ich habe auch nie einen Angriff befohlen, ohne nicht selbst an
der Spitze meiner Männer dabei zu sein.