Erinnerungen von Johann Kluck (* 1915)
aus Aachen

(DHM-Bestand)
   Widerstand gegen den Nationalsozialismus


Widerstand 1933/34


Sozialistischen Aktion Ich kannte einen SPD Mann aus unserer Stadt, welcher illegale Zeitungen vertrieb, die seiner Partei nahestanden. Er war von der Sache seiner Partei überzeugt und führte den illegalen Kampf auf eigene Faust. Die Zeitungen, welche er vertrieb, waren in Westentaschenformat und wenn man sie zusammenfaltete, konnte man sie in einem gewöhnlichen Portemonnaie unterbringen. Auch von ihm erhielt ich die Zeitungen periodisch, denn ich wußte genau, wann und wo ich ihn zu treffen hatte. [...]

Ihre "Sozialistische Aktion", wie die Zeitung sich nannte, war gut geschrieben. In der politischen Auseinandersetzung trat ein neuer Faktor hinzu, und zwar trat nun der politische Witz in Erscheinung. In der "Sozialistischen Aktion" war nun eine Rubrik unter dem Titel "Was man sich zuflüstert" verfaßt. In ihr erschien nun fortlaufend neue Witze über die Naziführung, denn es waren ja auch die reinsten Don-Quichotte Gestalten, z.B. "Adolf, der Mächtige; Göring, der Prächtige; Goebbels, der Schmächtige und Röhm der Verdächtige". Einige von den Witzen sind mir noch im Gedächtnis haften geblieben:

Göring ging eines Tages mit seinen Getreuen die Kruppwerke besichtigen. Plötzlich war er aus ihrer Mitte verschwunden und niemand wußte, wo er war. Als ein SA Mann oben an der Decke einen großen Magneten gewahrte, sah er ihn daran baumeln, denn durch seine Orden war er von dem Magneten angezogen worden.

Hitler, Göring und Goebbels fuhren den Rhein entlang. Plötzlich geriet ihr Wagen ins Schleudern und stürzte in den Fluß. Als Fritzchen nun vorbei kam und die drei zappeln sah, sprang er ins Wasser und rettete einen nach dem anderen. Als er nun den letzten gerettet hatte, fing er an zu laufen so schnell ihn die Beine tragen konnten. Goebbels lief hinter ihm her, holte ihn ein und frug ihn, warum er denn weggelaufen sei. "Ach", entgegnete Fritzchen ihm, "wenn mein Vater erfährt, daß ich euch drei nicht habe versaufen lassen, dann schlägt der mich kaputt."

Das Dreigestirn kam hin zu Petrus und ließ sich beim lieben Gott anmelden. Bei Göring und Goebbels stand der liebe Gott auf und begrüßte sie mit dem deutschen Gruß. Als Hitler hereinkam, blieb er sitzen. "Das ist doch der Führer", sagte Petrus zu ihm. "Ja", entgegnete der liebe Gott ihm, "wenn ich aufstehe dann setzt der sich an meinen Platz".

In der Schule war nationalpolitischer Unterricht. Der Lehrer sprach über Hitler, Röhm, Schleicher und Eltz von Rübenach. Als er in die Runde schaute, sah er, daß Fritzchen eingeschlafen war. "Na, Fritzchen, worüber haben wir uns denn unterhalten", frug der Lehrer ihn. Er gab prompt zur Antwort: "Röhm schleicht Hitler mit der Rübe nach."

Sozialistischen Aktion Des Mittags saß die Familie beim Essen. Da frug Fritzchen seinen Vater: "Vater, kannst du mir vielleicht sagen, wer den Reichstag in Brand gesteckt hat"? Sein Vater entgegnete ihm: "Ess, Ess mein Junge, sonst wird dir das Essen kalt".

Über der Tür der Privatwohnung des Stabschefs Röhm hatte ein Schalk den Spruch geschrieben: "Wer hier verkehrt, verkehrt verkehrt".

Goebbels besichtigt einmal Taucher bei ihrer Arbeit und frug einen Taucher, was er denn so verdiene. Als er die Summe hörte, sagte er zu ihm: "Dann verdienen sie ja noch mehr als unser Führer". Darauf gab der Taucher prompt zur Antwort: "Ja, der taucht ja auch nicht".

Von dieser Art Witze gab es unzählige, und sie trafen immer den Nagel auf den Kopf.

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