Dieser Eintrag stammt von Dieter Haubold (* 1933)
aus Hasloh bei Hamburg
, (dwhaubold@t-online.de), 05.04.2000:
   Bomardierung von Dresden


Zerstörung Dresdens


Im Februar des Jahres 1945 war ich 12jähriger Schüler eines Internates in Klotzsche bei Dresden. Klotzsche liegt auf dem östlichen "Hochland" von Dresden und grenzt an die Dresdner Heide.

Dann kam die Nacht des Schreckens für die Dresdner Zivilbevölkerung.  Über den Sinn und den militärischen Nutzen dieses Bombardements auf Frauen und Kinder wurde schon viel geschrieben, es kann aber nicht genug sein. Wir Schüler wurden vor Mitternacht geweckt und da wir keine ausreichenden Kellerräume gegen Fliegerangriffe hatten, begaben wir uns in die im Wald angelegten Splitterschutzgräben. Wenn sich eine anglo-amerikanische Fliegerbombe verirrt hätte, wären wir verloren gewesen. Die Spitterschutzgräben waren große Gräben im Sandboden, zu ebener Erde mit Holzstämmen abgedeckt und darauf ein Sandhaufen geschüttet. So saßen wir müde und eng einander gepreßt, und durch die Bombeneinschläge bzw. durch die Erschütterungen in der im Tal gelegenen Stadt, rieselte der Sand auf uns nieder.

Schulbeginn war morgens wie immer,  doch nach dem Frühstück hieß es: Fertig machen zum Einsatz, wir müssen den Leuten aus der Stadt helfen. Konkret sah das so aus:  Auf der Hauptstraße aus Richtung Dresden bewegte sich am Morgen ein nicht endenwollender Zug kläglicher Gestalten, die wenig Menschliches mehr zeigten.  Diesen wie geistesgestörten  Leuten sollten wir ihre Habseligkeiten tragen helfen und sie zu Notunterkünften geleiten. Viele hatten schwarze Brandwunden, alle waren  total erschöpft. Ich weiß noch genau, daß ich den Wäschebeutel einer alten Frau trug, die immerzu etwas von ihrem Kanarienvogel murmelte und ihren Möbeln. Ansprechbar waren diese Leute nicht, daher fragten wir nicht lange und nahmen ihnen ihr Gepäck, soweit vorhanden, einfach aus den Händen.

Es ging schon auf Mittag zu, als einige Jagdbomber aus allen Rohren feuernd sich förmlich auf die Flüchtlinge stürzten. Ein Inferno brach aus. Etwa 2 bis 3 Meter vor mir sah ich einen Mann, der sich umdrehte und nach seinem Hintern sah. Doch der war weg, jedenfalls der größte Teil. Ich sah einen großen Knochen hervorstehen, doch es floß kein Blut. Dann brach er zusammen. Andere lagen schreiend am Boden, Frauen und  Kinder, viele ohne Köpfe, Arme und Beine. 

Die Angreifer flogen so tief, daß man ihre bebrillten Köpfe in der Kanzel sah; d. h. sie mußten ebenfalls sehen, worauf  sie mit ihren Bordkanonen und Maschinengewehren feuerten. 

So setzten die "tapferen" (eine Fliegerabwehr gab es nicht) anglo-amerikanischen Flieger ihrem nächtlichen Morden auf die friedliche Stadt Dresden noch einen drauf.  Diese Wahrheit zeigen sie nicht in ihren Hollywoodfilmen.

Aus reinem Selbstschutz warfen mein Schulkamerad und ich die Wäschebündel der Flüchtlinge weg und rannten was wir konnten durch die Vorgärten in den nahen Wald. Erst am späten Nachmittag meldeten wir uns wieder in der Schule, die waren hocherfreut uns lebend wiederzusehen.

Zwei Tage später kam ein besorgter Vater mit seinem Holzgas-LKW aus Zwickau um seinen Sohn zu holen. Ich holte mir die Erlaubnis zum Mitfahren, packte etwas Kram ein, die Bettwäsche vergaß ich zum Ärger meiner Mutter, und so kam ich auf Umwegen, aber gesund zur Freude meiner Mutter wieder nach Hause.   

Wenn wir nicht vergessen wollen, dann so etwas auch nicht.

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