An den Leiden der Bevölkerung durch Hunger und Kälte
haben meine Familie und ich unser redlich Teil getragen. Es verstand
sich von selbst, daß ich als Lebensmitteldiktator mich strengstens
an die Rationierungsvorschriften halten mußte und mich mit
dem Schleichhandel, der fast allen anderen ein wenig nachhalf,
in keiner Weise einlassen durfte. Infolgedessen war bis zum Kriegsschluß
Schmalhans Küchenmeister in meinem Hause. Ich selbst nahm,
als die Butter und Schokolade aus dem Handel verschwanden, in
kurzer Zeit 15 Kilo an Körpergewicht ab. Aber schlimmer als
der Hunger erschien mir die Kälte. Die Zentralheizung des
Hauses durfte infolge der Knappheit nachts nicht durchgefeuert
werden, so daß meine beste Arbeitszeit, abends von 10 bis
2 Uhr, kalte Zimmer fand. Mit einem kleinen Kanonenöfchen
suchten wir den Übelstand zu mildern; doch war es schwer,
Heizmaterial zu bekommen.
An das Herz griff einem der Anblick meiner Kinder. Ich sehe sie
noch, den 15jährigen Manfred und die 11jährige Vera,
aus der Schule kommen und wortlos in Speisekammer und Büfett
nach etwas Eßbarem für ihren Hunger suchen. Das Traurigste
waren die Kämpfe mit der Frau, die ihre ohnehin schmale Portion
den Kindern zusteckte und ihre Gesundheit damit gefährdete.
5 oder 6 Zentner Kohlrüben haben wir in jenem schlimmen Winter
gegessen. Früh Kohlrübensuppe, mittags Koteletts von
Kohlrüben, abends Kuchen von Kohlrüben. Und bei alledem
waren wir noch viel besser dran als hunderttausende andere, vor
allem in den Grenzgebieten.