Der achtzehnte Februar 1943 wurde zu dem Tag unseligen Angedenkens,
da sich das deutsche Volk, vertreten von einer nach einigen Tausend
zählenden Schar von eingeladenen Gästen, im Berliner
Sportpalast für den »totalen Krieg« entschied.
Der Demagoge Goebbels forderte von diesen Leuten den »Schwur
der Bereitschaft«, und sie waren nur allzu bereit, dies Gelöbnis
abzulegen. Ich hörte die Goebbels-Rede zusammen mit meiner
Mitbewohnerin Frau Schramm abends im Radio, und ich war von der
Tragweite dieser Rede und von dem frenetischen Gebrüll: »Ja!
Ja! Ja!«, das auf alle Fragen des Redners antwortete, geradezu
niedergeschmettert.
Goebbels schrie: »Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg?«
Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir
ihn uns heute überhaupt vorstellen können?« Sie
brüllten zurück: »Ja! Ja! Ja!« Goebbels
rief: »Ich frage euch: Ist euer Vertrauen zum Führer
heute größer, gläubiger und unerschütterlicher
denn je? Ist eure Bereitschaft, ihm auf allen seinen Wegen zu
folgen und alles zu tun, was nötig ist, um den Krieg zum
siegreichen Ende zu führen, eine absolute und uneingeschränkte?«
Der »Völkische Beobachter«, der am nächsten
Tag dieser Kundgebung nicht weniger als vier Seiten seines Riesenformates
widmete, vermerkte nach der Wiedergabe dieser Frage: Die Menge
erhebt sich wie ein Mann. Die Begeisterung der Masse entlädt
sich in einer Kundgebung nicht dagewesenen Ausmaßes. Vieltausendstimmige
Sprechchöre brausen durch die Halle: »Führer befiel,
wir folgen!« Eine nicht abebbende Woge von Heilrufen auf
den Führer braust auf. Wie auf ein Kommando erheben sich
nun die Fahnen und Standarten, höchster Ausdruck des weihevollen
Augenblicks, in dem die Masse dem Führer huldigt.
Das Gebrüll hörten wir allerdings aus dem kleinen Radioapparat
dringen, aber wir waren durchaus nicht begeistert, sondern entsetzt!
»Führer befiel, wir tragen die Folgen!« wandelten
die Hitler-Gegner den Spruch ab. Wir fragten uns, was sich die
»begeisterte Masse« wohl denken mochte, als sie Goebbels
versprach, »zehn, zwölf und, wenn nötig, vierzehn
und sechzehn Stunden« täglich zu arbeiten - »und
die übrigen acht Stunden sitzen wir im Keller«, ergänzte
Frau Schramm.
Schon damals sagten meine Freunde, von den Leuten, die wir da
in die Lautsprecher jubeln und »Ja« brüllen hörten,
wird es später keiner gewesen sein wollen. Und bald darauf
kamen Nachrichten aus Ostpreußen und aus Bayern, daß
»Bombenflüchtlinge« dort miserabel untergebracht
und ausgesprochen unfreundlich von der ihnen bis dahin freundlich
entgegenkommenden Bevölkerung aufgenommen worden seien; man
habe ihnen vorgeworfen, die Berliner hätten für den
»totalen Krieg« im Berliner Sportpalast gestimmt und
sie sollten sich nur wieder nach Berlin zurückbegeben.