Tyskertid og genforening
Zeit der Deutschen und Wiedervereinigung
Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg in Großenwiehe
und Schobüll/Oxlund
1919 wurde Thomas Thomsen Gemeindevorsteher in Großenwiehe.
In der Gemeinde Schobüll bekleidete dieses Amt seit 1916
Iwer Thomsen. Schwierige Situationen in den Gemeinden waren vorgezeichnet.
Die Kaufkraft des Geldes schwand immer mehr. Die Zuschläge
zu den Steuern mußten erhöht werden, die Kassen waren
leer. Einführungsmöglichkeiten für Nahrungsmittel
waren gering. Die Ernteerträge wurden schlechter, der Boden
war erschöpft. Viele Menschen in unseren Dörfern sahen
ihren Besitztum dahinschwinden und somit auch die Sicherheit für
das Alter. Der Gemeindevorsteher war für die Ablieferung
von landwirtschaftlichen Erzeugnissen verantwortlich. Auch die
Ablieferungsmoral wurde immer schwieriger. Andererseits blühte
der Schwarzmarkthandel.
In einer so schlechten Zeit wurde die Bevölkerung unserer
Heimat aufgerufen, sich für Dänemark oder für Deutschland
zu entscheiden. Die Zahl der dänischen Stimmen wuchs, und
es wurde immer deutlicher, daß, genau wie während der
dänischen Herrschaft nach 1850, das Volk stärker war
als der Staat. In der Weimarer Nationalversammlung wurde am 19.01.1919
das Wahlrecht für Frauen beschlossen. Am 10.01.1919 traten
der Versailler Vertrag und damit auch die Schleswig Artikel in
Kraft.
Zu Schleswig gehörten damals des Stadtkreis Flensburg und
die neun Landkreise Apenrade, Eckernförde, Eiderstedt (Tönning),
Flensburg. Hadersleben, Husum, Schleswig, Sonderburg und Tondern.
Der Abstimmungstag für Nordschleswig, d.h. für die erste
Zone, war der 10.02.1920
75.431 Stimmen wurden für Dänemark abgegeben, 25.329
für Deutschland. Nordschleswig entschied sich für Dänemark.
Die Städte Tondern, Apenrade, Sonderburg und der Flecken
Hoyedr hatten eine deutsche Mehrheit, Tondern sogar mit 77 % und
Hoyer mit 73 %. Südschleswig blieb deutsch.
Der 14. März 1920 war der Abstimmungstag für die zweite
Zone. Im Abstimmungsgebiet unserer Zone wurden 51.303 deutsche
und 12.859 dänische Stimmen gezählt. Unsere Kreisstadt
Flensburg hatte 27.071 deutsche Stimmen gegen 8.955 dänische
zu verzeichnen. Unsere Nachbarn, die Nordfriesen hatten auch überwiegend
deutsch gestimmt. Die Abstimmung in unserem Amt Großenwiehe
hatte folgendes Ergebnis:
| Gemeinde |
für Deutschland |
für Dänemark |
Wahlbeteiligung |
| Großenwiehe |
211 |
26 |
93 % |
| Kleinwiehe |
86 |
1 |
90% |
| Schobüll |
152 |
27 |
91% |
| Sillerup |
181 |
12 |
95% |
| Lindewitt-Lüngerau |
130 |
9 |
95% |
| Forstbezirk Lindewitt |
9 |
2 |
100% |
| Das Kirchspiel |
769 |
77 |
|
Die beiden Abstimmungen am 10. Februar und am 14. März 1920
führten eine Entscheidung in der Schleswig-Frage herbei.
Die Bevölkerung Nordschleswig hatte sich mit Mehrheit entschieden.
Damit wurde das alte Herzogtum Schleswig zum ersten Mal geteilt.
Die jetzige Staatsgrenze kann als Einschnitt einer jahrhundertelangen
geschichtlichen Entwicklung angesehen werden. Ein neuer Abschnitt
in der tausendjährigen Geschichte Schleswigs begann.
Am 15.09.1920 leitete der Amtsvorsteher Johannes Johannsen, Sillerup,
die Sitzung des Wegeverbandes in der Gastwirtschaft in Lindewitt.
"Tagesordungspunkte sind:
- Vorlegung der Jahresrechnung 1919/20
- Festlegung des Voranschlages für 1920/21
- Beratung über die Verbesserung der ausgebauten Wege
- Beschluß den vom Kreis auszubauenden Weg Seeland-Sillerup
und Lindewitt-Kleinwiehe zu unterhalten
- Verschiedenes
Erschienen sind:
Die Gemeindevorsteher
Iwer Thomsen, Schobüll/Oxlund
Carsten Carstensen, Sillerup
Thomas Thomsen, Großenwiehe
Peter Franzen, Kleinwiehe
Hans Assmussen, Lüngerau
Die Wegebevollmächtigen
Christian Beeck, Großenwiehe
Hans Oehlert, Kleinwiehe
Die Versammlung ist beschlußfähig.
Der Vorsitzende
gez. Johannes Johannsen, Amtsvorsteher"
Anmerkung: Alle Protokolle wurden in "Sütterlinschrift"
geschrieben.