Die Feindmächte planten, uns nach dem Dawesplan mit dem Youngplan
zu versklaven, und Regierung und Reichstag waren bereit, dazu
ihre Zustimmung zu geben. Wir aber forderten einen Volksentscheid
über diese so schicksalshafte Frage. Da das abgelehnt wurde,
betrieben wir zusammen mit den Deutschnationalen und dem Stahlhelm
ein Volksbegehren, durch das der Volksentscheid erzwungen werden
sollte. So jagten sich wieder die Versammlungen. Am 11.10.1929
in den Filbeker Bürgersälen, am 14.10. in Harburg, am
15.10. bei Sagebiel, am 29.10., wieder in Harburg, stellte unsere
Brigade den Saalschutz.
Da es sich zumeist um gemeinsame Veranstaltungen handelte, erschien
die SA in Zivil mit Mütze oder Armbinde.
Dazwischen fand am 20.10. in Aumühle eine Besichtigung der
Brigade durch Obersturmführer von Pfeffer einschließlich
Mittagessen statt. Als ich zum 27.10. meinen zweiten Werbemarsch
beantragte, der wieder durch Hoheluft und einen Teil von Eimsbüttel
führen sollte, wurde er vom Polizeipräsidenten Dr. Campe
verboten. Auch der dritte Antrag zum 17.11. wurde verboten.
Inzwischen schloß am 2.11. das Ergebnis des Volksbegehrens
gegen den Youngplan mit 4.147.725 Unterschriften erfolgreich ab.
Nunmehr mußte der Volksentscheid zugelassen werden. Zu seiner
erfolgreichen Durchführung gehörten jedoch sehr viel
mehr Stimmen, die in der Zwischenzeit noch geworben werden mußten.
[...]
Die Abstimmung zum Volksentscheid war auf den 22.12.1929 angesetzt.
Die Kommunisten, die schon in der vorangegangenen Zeit mit allen
Mitteln für den Youngplan eingetreten waren, versuchten nun
mit Terrormaßnahmen , uns in der Durchführung der Abstimmung
zu hindern. Schon in der Nacht zuvor kam es beim Sturm 6 in der
Eifelstraße zu Zusammenstößen, bei denen Brigadeführer
Ellerhusen durch mehrere Messerstiche verletzt und in ein Krankenhaus
eingeliefert wurde.
Am Sonntag den 22.12. hatte ich meinen Sturm im Dienstanzug im
Sturmlokal in der Gabelsbergerstraße zusammengezogen, von
denen der größte Teil von den einzelnen Parteisektionen
zur Wahlhilfe und zum Schutz angefordert wurde.
Als am Nachmittag 6 Hitlerjungen, die mit vollem Gepäck von
der Sonnenwende aus Albersdorf in Dithmarschen gekommen waren,
um Schutz für den Heimweg baten, gab ich ihnen 8 SA-Leute
mit. Diese Gruppe wurde von Kommunisten angegriffen und gesprengt.
Ich eilte mit den noch zur Verfügung stehenden 20 Mann zur
Hilfe und nahm einige Kommunisten fest, um sie der Polizei zwecks
Feststellung ihrer Personalien zu übergeben.
Der Polizei gegenüber drehten sie den Spieß um und
erklärten, ich persönlich hätte sie allesamt zusammengeschlagen
und stellten Strafantrag. So kam es, daß ich ins Untersuchungsgefängnis
eingeliefert wurde, [...] bald darauf jedoch aus Mangel an Beweisen
entlassen wurde.
Der Volkentscheid aber drang nicht durch, und der Youngplan wurde
angenommen.