Erlebnisbericht des SA-Sturmführers Conn
aus Hamburg:

(DHM-Bestand)
   Sturmabteilung
Roter Frontkämpferbund


Rede von Joseph Goebbels im April 1927

Joseph Goebbels sprach in den Tosca-Sälen in Ottensen, Holländische Reihe. Der Saal war gerammelt voll. Als Goebbels zu reden begann, klärte sich die Lage schnell. Die Kommune war stark vertreten und sparte nicht mit Zwischenrufen. Es konnte nicht zweifelhaft sein, was hier geplant war. Der Saal hatte eine Tonbank, und an dieser Tonbank sah ich André sitzen- André war ein belgischer Jude, im Kriege Lektor bei der Militärverwaltung Belgien und dann 1918 mit den deutschen Truppen nach Deutschland und Hamburg gekommen. Groß und schlank, mit ausgesprochen fremdländischem Typus war er der Führer des Hamburger Rotfrontkämpferbundes. Mir war er aus meiner Parteitätigkeit in der NSDAP 1924 bekannt, wo ich mich mehrmals mit ihm besonders über Erwerbslosenfragen auseinandergesetzt hatte.

Ich machte Ellerhusen auf ihn aufmerksam, dem er noch unbekannt war. Er teilte einige Leute ein, die sich seiner vergewissern sollten, falls die Kommune losschlagen würde. Aber es ging eine ganze Zeit gut. Schlagfertig parierte Goebbels die Zwischenrufe, die von allen Seiten hagelten.

Als die Geduld der Rotfrontkämpfer erschöpft war, gingen sie anders zu Werke. Einer stand auf und schrie ohne Aufhören dazwischen, sinnlose Beleidigungen, die herausfordern sollten. Bei seinen Genossen fand er einen tosenden Beifall.

Da forderten ihn einige SA-Leute zum Verlassen des Saales auf, woraufhin sich auf der Gegenseite ein johlendes Pfui erhob. Der Provokateur rührte sich nicht vom Fleck und schrie unentwegt in den Saal hinein. Da faßten die SA-Leute ihn an, um ihn gewaltsam zu entfernen.

Das war für die Kommune das Signal zum Losschlagen. Im nu war der Saal wie ein brodelnder Kessel. Die SA, damals noch im Zivil, warf sich mit einem solchen rücksichtslosen Schwung in das Handgemenge, daß der Saal im Umsehen gesäubert war. Zerschlagen und mit blutigen Köpfen suchte die Kommune durch die Ausgänge zu entweichen. [...] Aus den Ecken wurden noch einige Kommunisten geholt, die den Ausgang hatten nicht so schnell finden können. Die Verletzten wurden verbunden, die Versammlung geschlossen.

Was die Kommunisten drinnen der geschlossenen SA gegenüber nicht erreichen konnten, das hoffte sie draußen auf dunkler Straße einzelnen nach Hause gehenden Parteigenossen gegenüber heimzahlen zu können. Vor dem Versammlungseingang empörte sich eine im Dunkeln unübersehbare Masse gegen die Niederlage, die ihr die versuchte Sprengung eingebracht hatte.

Die Polizei hielt uns darum im stark demolierten Saale fest, bis genügend Verstärkung herangezogen war. Dann traten alle Versammlungsteilnehmer zur festgeschlossenen Marschkolonne an und zogen, begleitet von zahlreicher Polizei, ohne weiteren Zwischenfall zum Altonaer Bahnhof. Im Bewußtsein unseres unvermutet schnellen und durchschlagenden Sieges ließen uns die aus dem Dunkel der Nacht zu uns dringenden Schmährufe kalt Seit diesem Abend sah die Kommune in uns einen sehr ernst zu nehmenden Gegner. Und unsere vor Wochen frisch zusammengestellte SA hatte mit diesem ersten vollständigen Siege über einen sehr viel stärkeren und gefährlichen Feind das notwendige feste Gefüge erhalten. Es war für uns alle ein langanhaltendes Erlebnis.

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