Dieser Beitrag stammt von Juliane Tröger (*1983)
aus Berlin.
(PNS.CidS@t-online.de), 12.05.2000.
   II. Weltkrieg


Jugendzeit von Edith Karliczek


Ich wurde am 9.Juli 1927 in Aschersleben geboren. 1933, kurz nach Hitlers Machtergreifung wurde mein Vater wegen der Verteilung von kommunistischen Flugblättern in einem der ersten Schauprozesse zu 2,5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Gleich zu Beginn dieser Gefängnisstrafe starb meine Mutter, und drei meiner Geschwister und ich mußten die nächsten drei Jahre im Waisenhaus verbringen.

Erst 1939 war es uns erlaubt wieder nach Hause zu unserem Vater zu gehen. Ein Jahr später begann mein Pflichtjahr auf einem Bauernhof, wo ich mit französischen Kriegsgefangenen zusammenarbeitete. Nach diesem Jahr ging ich wieder nach Aschersleben zurück um mich als ältestes Mädchen um den Haushalt, meinen Vater und meine kleine Schwester zu kümmern. Meine Brüder waren zu dieser Zeit schon als Soldaten in den Krieg gezogen. 1943, als der Totale Krieg ausgerufen wurde, mußte ich in einem Lager arbeiten um Granaten herzustellen. Ein Jahr später wurde mir vom Reichsarbeitsdienst (RAD) eine andere Tätigkeit in Köthen zugewiesen. Dort baute ich nun Flugzeuge. Ich blieb ein halbes Jahr, doch da die Amerikaner immer näher kamen und somit die Lage immer bedrohlicher für uns wurde, entschloß ich mich zusammen mit einer Freundin zur Flucht nach Aschersleben, da es unser zu Hause war. Zu Fuß flohen wir von Köthen nach Aschersleben. Auf diesem Weg sah ich zum ersten und einzigen Mal KZ-Häftlinge. Zu dieser Zeit versuchten die Nazis die Häftlinge in den Osten zu transportieren. Von Vernichtungslagern hatte ich gehört, besonders durch meinen Vater, aber es war doch mehr ein Gerücht für mich. Auf unserer Flucht kamen uns immer wieder deutsche Soldaten entgegen, die den Amerikanern zu entfliehen versuchten. Am 12.06.1945 erreichten wir Aschersleben und am 18.06.1945 wurden wir von den Amerikanern befreit.

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