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Eintrag stammt von Sonja Noack (*1922). noack.r@debitel.net |
Der Reichsarbeitsdienst |
Seit 1935 wurden durch Hitlerdeutschland die Männer
und seit 1939 auch die Frauen für sechs Monate zum Reichsarbeitsdienst
verpflichtet. Diese faschistische Organisation war zur vormilitärischen
und ideologischen Erziehung der Jugend geschaffen worden.
Im Herbst 1940 erreichte auch mich - 18-jährig - der Einberufungsbefehl,
dem nur durch Reklamation seitens des Arbeitgebers zu entgehen war. Auch meine
Firma wollte das tun. Ich verhinderte das aber, da ich der Ansicht war, die
Dienstverpflichtung mit Gleichaltrigen zu absolvieren und nicht, wie zu vermuten
war, später doch noch eingezogen zu werden. Es gab viele, die noch etliche
Jahre mit Hitlers Krieg und Machterhalt rechneten.
So kam im Oktober 1940 der Bescheid, der mich nach Dobl
bei Graz in der Steiermark verpflichtete. Seit März 1938 gehörte
durch die Okkupation Hitlers die Steiermark zum "Großdeutschen Reich",
genannt "Ostmark".
Die Eisenbahnfahrt begann gegen 18 Uhr und dauerte über
24 Stunden. Nachts 3 Uhr fuhren wir durch Regensburg. Die Bahnhofsuhr zeigte
das an und es regnete. Bei Linz fuhren wir über die Grenze, die keine
mehr war. An diesem Tag erreichten wir dann die Alpen. Als Flachländer
genossen wir staunend diesen Anblick. Über Leoben und die Gleinalpe
erreichten wir am Abend Lieboch, die Endstation. Wie wir ins Lager kamen
ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Ich weiß nur, dass wir Mädchen,
nun auch mit solchen aus Kärnten und der Steiermark - insgesamt ca.
70 - in fast stockfinsterer Nacht nach unseren Schlafbaracken, der Eßbaracke
und den Toiletten - später von uns "Spanien" genannt, wegen der Abgelegenheit
- suchten. Als Abendbrot servierte man uns Graupensuppe, die so gut wie
ungenießbar war, die Graupen hart und die Flüssigkeit ungesalzen.
Uns hat das natürlich nicht gefallen und wir waren sehr enttäuscht.
Als diese Graupensuppe am nächsten Tag auch das Frühstück,
das Mittagessen und Abendbrot darstellte, war unsere Geduld erschöpft.
Auch hatten wir nun ernormen Hunger. Wir ergriffen Maßnahmen, über
die ich heute noch staune. Wir Mädels kannten uns noch kaum. Einige
Beherzte - es waren meiner Erinnerung nach Einheimische - schlugen folgendes
vor:
Wir wollten die Lage der Eßbaracke ausnutzen, die
unmittelbar an einem Abhang lag. Das gesamte Lager befand sich auf einem
Bergplateau. So ließen wir den Führungsstab bis an die
Schmalseite der Baracke gehen. Dort saß der Stab bei jeder Malzeit,
nun jedoch in der Falle, da wir die Eingangstür besetzten und ein
Entweichen nur nach der Fensterseite möglich gewesen wäre. Jetzt
erhoben wir Protest gegen die harten Graupen, sehr lautstark und zum Teil
auf den Stühlen stehend und mit Streik drohend. Eine Ungeheuerlichkeit
im Reichsarbeitsdienst (RAD). Aber der Erfolg blieb nicht aus, und wir
erhielten sofort und bis zum Ende der Dienstzeit im März 1941 immer
gutes bis sehr gutes Essen. Das Frühstück, bestehend aus Polentasterz,
einem Maismehlbrei, nahmen wir in Kauf, obwohl er uns Mitteldeutschen wenig
schmeckte. Das Lagerleben nahm nun seinen Lauf.
Als erstes früh und letztes abends wurde feierlich
die Hakenkreuzfahne gehisst. Dazu mussten wir alle auf dem abseits gelegenen
Appellplatz eine Kreis bilden, bis die Fahne oben bzw. unten war. Die ersten
Wochen war das kein Problem. Als aber der Winter mit 20 - 25 Grad Kälte
und für uns unvorstellbaren Schneemengen einsetzte, war das schon
eine regelrechte Tortur. Trotzdem hatten wir Glück; die Lagerleiterin
war schwanger und befahl sehr oft die Fahne still, das heißt nur
durch zwei Mädchen aufzuziehen bzw. wieder einzuziehen. Die Außendienste,
für die wir zur Arbeit eingeteilt wurden, lagen teilweise in großer
Entfernung. Erst einmal ging es bergab, dann nach Dobl und den umliegenden
Dörfern, ein Fußmarsch von manchmal einer halben bis dreiviertel
Stunde.
Der erste Einsatz war zum "Burgunder"-Ernten. Wir dachten an Wein und freuten
uns. Aber leider waren das Futterrüben, die öfters so groß
waren, dass zwei Mädchen sie kaum herausziehen konnten. Das Wetter war
aber im November noch so warm, dass wir kurzärmlig arbeiten konnten.
Wir waren ja südlich der Alpen. Auch die Leute, bei denen wir arbeiten
mussten, waren recht unterschiedlich. Ich war z.B. bei ganz armen Leuten,
die kaum Bettzeug hatten und sich nachts mit Mänteln oder irgendwelchen
Lumpen zudeckten. Bei denen gab es nur an hohen Festtagen Kartoffeln zu essen,
sonst waren die zu teuer. Ich war aber auch bei reichen Bauern, die Knechte
und Mägde und außerdem noch Fremdarbeiter hatten. Dorthin kam ich,
weil ich ursprünglich einer alleinstehenden Frau zugeteilt war, deren
Mann Kriegsdienst leistete. Diese konnte aber mich als Großstadtkind
in ihrer wenn auch kleinen Wirtschaft nicht gebrauchen. So tauschte ich mit
Hilfe der Lagerleitung zum reichen Bauern. Dort musste ich mit der Nähmaschine
die Kleidung der Bauersleute und des Gesindes so gut es mir möglich war,
ausbessern. Nur einmal reklamierte ein Knecht. Dem hatte ich seine dunkelblaue
Arbeitsschürze mit einem hellblauen Flicken repariert.
Das Loch war direkt auf seinem Bauch. Ein
anderer Flicken war aber nicht da. In der Gesindestube wurden alle nur
möglichen Arbeiten verrichtet. Unter anderem wurde ein Schwein, das
draußen geschlachtet worden war, in einem Gestell drinnen zerteilt.
Auch gegessen wurde dort. In die Mitte des Tisches kam eine große
Schüssel, aus der alle die Mahlzeit löffelten. Vorher sprach
die Bäuerin "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes,
Amen", und alle - außer mir - bekreuzigten sich. Nach dem Gebet aß
sich jeder satt, die Fremdarbeiter an einem gesonderten Tisch. Ich wollte
aber nicht aus der großen Schüssel essen, darum bat ich um einen
Teller. Es gab in der Küche allerdings nur einen einzigen sehr schmutzigen,
den ich mir an der Pumpe im Hof erst säubern musste. Sicher hatten
die Bauersleute in der guten Stube mehr Geschirr, diese habe ich aber nie
von innen gesehen.
Die Gegend war katholisch. Eine Kameradin ging jeden Sonntag
in die Kirche nach Dobl und stand dabei noch früher auf als alltags.
Ich bat sie, mich einmal mitzunehmen - aus Interesse. Aber sie hat es nie
getan. Vielleicht fürchtete sie, ich könnte den Gottesdienst
entweihen. So vergingen die Wochen für 20 Pfennige am Tag.
Die Sonntage waren arbeitsfrei und wir konnten mit der
Genehmigung der Eltern ab und zu einmal nach Graz, der Hauptstadt der Steiermark,
fahren.
Dies war z.B. am 28. Dezember 1940 der Fall. Die Stadt mit dem markanten Uhrturm hatte ich bereits bei einem früheren Besuch gesehen. Jetzt ging es in 4 1/2 Stunden Wanderung auf Serpentinenwegen und letztlich durch hohen Schnee und Eis auf den 1445 m hohen Schöckel bei Graz. Wir drei Mädels stärkten uns im Stubenberghaus, dann mussten wir schon umkehren, ca. 3 1/2 Stunden zurück nach Graz und von dort mit der Eisenbahn nach Lieboch und in 45 Minuten ins Lager. Es war eine sehr anstrengende, aber auch schöne Wintertour.
In den Tagen um Weihnachten waren nur wenige Mädels im Lager. Die anderen
waren nach Hause gefahren. Den Heiligabend haben wir Restlichen auf besondere
Weise verbracht. Wir gingen abends in den Wald, der nahe war und suchten und
fanden eine freistehende kleine Tanne. Auf ihr zündeten wir einige Kerzen
an. Passieren konnte nichts. Es lag ja hoher Schnee. Vielleicht sangen wir
auch einige Weihnachtslieder und kehrten dann um. Die Kerzen leuchteten noch
lange, wenn wir uns umdrehten. Wir haben diese Tanne, trotz eifrigen Suchens,
am nächsten Tag nicht wieder gefunden.
Am Heiligabend gab es für jeden noch ein kleines Geschenk. Ich
erhielt ein dünnes Büchlein "Rheinische Novellen" von Wilhelm
Schäfer. Diesen Schriftsteller habe ich in keinem Lexikon der heutigen
Zeit gefunden. Ein anderes Mädel erhielt ein Fläschchen Parfüm.
Sie wusste nicht, was das war und wozu das nützlich sein sollte. Das
Mädchen stammte aus einem Dorf im Burgenland, wo es so etwas nicht
gab oder nicht gebraucht wurde. Ein weiteres Mädel erhielt Apfelsinen.
Auch sie kannte diese Frucht nicht. Wir empfanden diesen Abend als sehr
angenehm. Er überdeckte ein bisschen das Heimweh.
Wir haben in dieser Zeit auch Schabernack getrieben, indem wir den verbliebenen
Führerinnen die selbstgebackenen Plätzchen einfach bei günstiger
Gelegenheit "klauten". Das kam so: Gemeinsam backten wir Mädels diese
Plätzchen, die auch sehr gelungen waren. Wir verteilten sie gerecht untereinander.
Wir stellten aber fest, dass der Stab sich selbst viel schönere Plätzchen
gebacken hatte. Das ärgerte uns. Sie merkten natürlich das Fehlen,
haben aber (zum Glück) nie die Wahrheit herausbekommen. Im Dezember 1940
wurde ich mit mehreren Mädels aus dem Lager nach Puntigam bei Graz abkommandiert.
Dort mussten wir deutsche Aussiedler mit Essen und Trinken versorgen. Die
Menschen kamen aus Bessarabien - das ist eine Landschaft im Dreieck Prut -
Dnestr - Schwarzmeerküste und der Bukowina, die an der rumänischen,
damals sowjetischen Grenze lag. Die Leute waren armselig gekleidet und hatten
wenig Gepäck, wahrscheinlich nur das Notwendigste, was man unterwegs
so braucht. Es kam jeden Tag ein neuer Zug mit neuen Leuten. Teilweise war
es recht interessant, was man uns erzählte. Ich weiß aber nicht
mehr, ob diese Menschen freiwillig gekommen waren oder ob Hitler sie "Heim
ins Reich" geholt hatte. Mit der Zeit war es für uns ziemlich stressig,
einmal den ganzen Tag auf den Beinen, und zum anderen jeden Tag dasselbe Essen
- es gab z.B. Anisbrot. Am Anfang schmeckte uns das noch, aber bald mochten
wir es kaum noch sehen, geschweige essen. Mittags gab es Linsen oder Erbsen,
glaube ich. Das war uns auch über. Wohin die Menschen in Deutschland
gefahren wurden, war uns nicht bekannt. Im nachhinein sagte ich mir aber,
die Zeit in Puntigam war besser als mancher Außendienst in Dobl. Ende
Januar 1941 ereilte mich das Schicksal. Ich war in einem sehr weiten Außendienst
gelandet, und der Winter war im Januar äußerst hart. Sämtliche
Härchen, die Augenbrauen, Wimpern und mein Mantel waren mit dickem Reif
überzogen. Es guckten nur noch die Stirn und die Augen aus unserer Bekleidung
hervor. Das hatte zur Folge, dass ich an einem Abend, an dem die bisher geknipsten
Fotos der Mädels gezeigt wurden, tränende Augen und Kopfschmerzen
hatte. Am nächsten Morgen war auch das Fieber sehr hoch, über 40°
C. Da konnte ich nicht aufstehen. Das sollte ich jedoch, da man Simulation
vermutete. Das hatte es vorher im Lager gegeben. Aber schnell erkannte man
das hohe Fieber und ich kam in die Krankenbaracke. Dort lag ich einige Tage
sehr apathisch. Der "Viehdoktor" aus dem Nachbardorf wusste sich keinen
Rat mehr und so kam ich ins Krankenhaus nach Graz.
Dort wollte man mich zunächst nicht aufnehmen. Ich hatte einen Trainingsanzug
an. Nach Ansicht der Oberschwester gehörte ich wegen der Hose auf die
Männerstation. Irgendwie gelang es mir zu beweisen, dass ich weiblich
war und bekam ein Bett. Die dann folgenden Untersuchungen ergaben eine Stirnhöhlenvereiterung.
Chinin gab es zur Bekämpfung des hohen Fiebers. Einige Tage später
kam ich in die Ambulanz des Krankenhauses. Das war ein einziger großer
Raum, in dem die Ärzte ihre Patienten behandelten und zwar in Kabinen,
die nur durch Vorhänge geschlossen waren. Davor war ein Warteraum. Der
Lärm- und Schmerzpegel war nicht gerade angetan, dass man Mut bekam.
Als ich an der Reihe war, sollte eine Punktion gemacht werden, das heißt
ein Durchstich durch die Nase in die Stirnhöhle, damit der Eiter ablaufen
kann. Der Arzt sagte mir, dass es nicht weh tut. Aber dann bereitete der Stich
zwar nur ein bis zwei Sekunden einen wahnsinnigen Schmerz, dass mir die Eiterschale
aus der Hand flog. Das hatte zur Folge, dass mich der Arzt ausschimpfte, die
Schwester mir jedoch zu Hilfe kam und die Schale selber hielt. Mir hat das
alles einen ziemlichen Schock versetzt. Aber in den nächsten Tagen lief
der Eiter nur so und mir wurde von Tag zu Tag wohler und das Fieber sank.
Nun bekam ich Hunger, aber wenig zu essen. Die Rettung war meine Bettnachbarin,
der die Mandeln herausgenommen worden waren und die wenig Appetit hatte. Da
sie in diesem Krankenhaus eigentlich Krankenschwester war, bekam sie besseres
Essen, und das überließ sie freundlicherweise zum Teil mir. Die
Punktion sollte nach ein paar Tagen wiederholt werden. Da hatte ich solche
Angst davor, dass ich mich weigerte. Als man mir aber sagte, man wird
Meldung an das Lager machen, bin ich doch gegangen. Ein Angsthase oder Feigling
wollte ich nicht sein. Und siehe da, das zweite Mal war es gar nicht so schlimm.
Es kamen auch ein paar Mädels aus dem Lager zu Besuch und brachten mir
zwei Tafeln Schokolade mit. Das war eine Rarität, denn es war ja schon
Krieg. Aus Heißhunger habe ich dann ein- einhalb Tafeln auf einmal gegessen.
Mit dem Erfolg, dass mir zum Sterben schlecht wurde. Aber alles wurde doch
gut und eines Tages wurde ich entlassen. Im Lager kam ich wieder in die Krankenbaracke.
Als die Führerinnen aber mitbekommen hatten, dass ich Maschineschreiben
konnte, kam ich dort nicht wieder heraus. Sie brauchten mit ihrem "Einfingersuchsystem"
Stunden, um ihre Schreibarbeiten zu erledigen, ich dagegen zum Teil etwa eine
halbe Stunde. Für mich war das keine Arbeit, höchstens eine Abwechslung
beim Sonnenbaden. Die Märzsonne schien schon recht warm und Außendienst
kam für mich nicht in Frage.
Zum
Abschluss der Dienstzeit fuhren wir Mädchen des Lagers und die Führerinnen
ins Gebirge, und zwar auf die Gleinalpe nordwestlich von Graz. Auch ich durfte
mit. Aber ich wurde auf Grund meines Krankenhausaufenthaltes vom Tragen der
Lebensmittel, die wir für unser leibliches Wohl mitführen mussten,
befreit. Für die drei Tage, die wir auf der Alm verbrachten, war das
ziemlich schweres Gepäck. Außer Brot, Butter und Zubrot waren vor
allen Dingen die Apfelsinen sehr schwer. Für mich war es ohne Gepäck
jedoch sehr angenehm. Mit der Eisenbahn erreichten wir Köflach. Von dort
ging es dann auf das alte Almhaus. Das war unsere Unterkunft zum Schlafen.
Restaurationsbetrieb gab es nicht. Da ging es sicherlich um die Kosten, die
möglichst gering sein mussten. Es war noch herrliches Winterwetter und
die Landschaft dementsprechend. Ringsum gab es tief verschneite Berge. Diese
bestiegen die Mädels in den kommenden Tagen. Ich zog Sonnenbäder
am Almhaus vor, denn ich war ziemlich geschwächt vom Aufstieg im hohen
Schnee. Dabei war ich froh, dass ich in die Fußtapfen meiner Vorderfrau
treten konnte. In der herrlichen Umgebung war das Sonnenbaden jedoch nicht
langweilig, sondern sehr erholsam.
Nachdem wir von der Gleinalpe wieder im Lager waren, mussten wir unser Strohsäcke leeren und für die kommende Belegschaft neu stopfen. Das war ein Gaudi, vor allem auch wegen der vielen kleinen Mäuschen, die wir aufgeschreckt hatten. Als dieser Spaß vorbei war, ging´s ans Koffer packen. Wir traten dann Ende März 1941 die lange Rückreise an.
Ein paar Jahre später, nämlich 1944, erwies sich, dass meine Entscheidung vor der Einberufung, mich nicht reklamieren, d.h. zurückstellen zu lassen, goldrichtig war. 1944 wurden alle ehemaligen Arbeitsdienstmaiden des Jahrganges 1940/41 erneut gemustert, und eingezogen, um an den Brennpunkten in Deutschland oder in den von Deutschland besetzten Gebieten Dienst zu tun. Das war nicht gerade sehr verlockend. Aber jetzt reklamierte mich mein Betrieb August Pick & Co, bzw. ich bekam ein Schreiben mit, in dem bestätigt wurde, dass ich in der Exportabteilung tätig war. Die Mitarbeiter einer Exportabteilung waren nach einer Anordnung vom damaligen Reichsminister Speer von der erneuten Einberufung freizustellen. Das sagte ich auf Befragen bei der Musterung den noch wartenden Mädchen. Diese hätten mich daraufhin bald gelyncht, denn jede wusste, was bei einer Einberufung auf sie wartete. Dienst zu tun als Flakhelferin oder beim Nachrichtendienst, was für viele mit dem Verlust des Lebens verbunden war. Das konnte einem zwar auch in Leipzig passieren. Leipzig hatte schon damals einige heftige Luftangriffe erleben müssen, aber man war bei aller Gefahr durch Luftangriffe zu Hause bei den Eltern und sollte man ausgebomt werden, so konnte man das zusammen irgendwie bewältigen. Zum Schluss kann ich sagen, dass ich dieses Schicksal nie erleiden musste.
