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Dieser Eintrag stammt von Kevin Heckel (* 1983) aus Hamburg. 25.05.2000: |
II. Weltkrieg |
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Projekt: " Kollektives Gedächtnis"
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Hildegard K., Jahrgang 1927 Meine Erfahrungen im 2. Weltkrieg Als ich 6 Jahre alt war, glaube ich, kam Hitler an die Macht. Ich glaube dies nur, weil dieses schon sehr lange her ist. Ich weiß noch, dass es damit begann, dass ich ganz plötzlich ganz viele Verbote zu befolgen hatte. Auf einmal hieß es: "Das darfst du nicht! Dies kannst du nicht tun!" sagte meine Mutter. Dies ging einige Zeit so, wobei ich bemerkte, was mir heute erst klar wird, dass sich mein Vater sehr veränderte. Er war nachts oft weg, heute weiß ich, er hatte Dienst. Mir wurde immer erzählt: "Dein Papa verdient Geld, damit wir so leben können, wie wir es tun." Dies verstand ich damals zwar auch nicht richtig, aber ich konnte damit leben. Mein Vater kam allerdings manchmal nach Haus und beleidigte Hitler. Mit dem Namen konnte ich auch nichts anfangen. Da ich aber sehr neugierig war, wollte ich alles herausfinden. Später dann fand ich dies auch heraus, denn er wurde von Männern von zu Hause mitgenommen, so fasste ich dies damals auf. Als ich meine Mutter fragte: "Warum nehmen die Papa mit?" hat meine Mutter mir keine Antwort gegeben. Später in der Schule wurde ich über viele Sachen aufgeklärt, unter anderem auch über das, warum mein Vater wohl mitgenommen wurde. Ich ging eigentlich nicht besonders lange zur Schule, da dann auch schon der Krieg begann. Ich habe auch dieses nicht richtig mitbekommen, hatte aber furchtbare Angst. Diese Angst kam nicht von nirgends, nein sie kam davon, dass es überall ziemlich laut war. Außerdem ging alles kaputt, unser Haus war eines der ersten, das zerstört wurde, es blieb nichts mehr stehen. Da die anderen Frauen neben meiner Mutter immer schrien, habe ich noch mehr Angst bekommen. Außerdem gingen die Gespräche oft über den Tod. Inzwischen war ich auch nicht mehr so jung. Ich wusste schon, dass etwas Schreckliches passierte. Ich konnte aber genauso wie die anderen nichts tun. Immer wenn das Wort "Tod" fiel, hieß es: "Nicht vor den Kindern!" Als sich die Erwachsenen dann daran gewöhnt hatten, habe ich eigentlich nur getan, was mir gesagt wurde. "Geh vor die Tür zu den anderen Kindern" hieß es oft, leider war dort nur keine Tür mehr, wie ich sie gewohnt war, nur noch eine aus Stoff. Eines Tages kam dann die Nachricht: "Die Gefahr ist vorbei" wir konnten wieder in unsere Häuser, die nicht mehr standen. Alles war provisorisch. Ab dann an fand ich das Leben wieder "normal". Heute weiß ich, das war es nicht! |
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