Dieser Eintrag stammt von Marie Pöhlandt (*1985)
aus Wolfenbüttel.
   Kriegsgefangenschaft

Norwegische Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft
(Das Schicksal der Kvarstad-Schiffe)


Auf Grund der Arbeit meines Vaters als deutsch-norwegischer Dolmetscher war ein alter, norwegischer Mann bei uns zu Besuch, dessen Geschichte zusammen mit vielen anderen Norwegern folgende ist:

Als die Deutschen 1940 Norwegen besetzten, befanden sich 12 norwegische Handelsschiffe auf See, die dann nicht mehr einen Norwegischen Hafen anlaufen konnten, ohne von den Deutschen gefangen genommen zu werden. Deshalb legten sie in dem neutralen, schwedischen Hafen Göteborg an. Dort warteten sie zwei Jahre lang auf eine Fluchtmöglichkeit nach England. Innerhalb dieser 2 Jahre kamen immer mehr norwegische Flüchtlinge an Bord der Schiffe. Am 1. April 1942 schließlich wagten die Schiffe den Fluchtversuch. Doch nur zwei von ihnen kamen nach England. Die anderen wurden entweder von den Deutschen zerbombt, versenkten sich selbst oder die Besatzung wurde festgenommen. Die Anzahl dieser Gefangenen betrug ca. 400 Personen. Diese wurden erst in die Nähe von Bremen in ein Gefangenenlager der Marine gebracht, wo sie gut behandelt wurden. Doch später bemächtigte sich die Gestapo der Gefangenen, und sie wurden in Rendsburg wegen deutschfeindlicher Handlungen angeklagt. Ohne Verteidiger und nach deutschem Strafrecht, obwohl sie Norweger waren, wurden sie zu fünf bis acht Jahren Haft verurteilt. Von da an waren sie "Nacht- und Nebelgefangene". Man gab ihnen anstatt des Namens eine Zahl, sie durften keinen Kontakt mehr nach Hause haben und niemand sollte wissen, ob sie noch lebten. Zuerst kamen sie im Sommer 1943 ins Zuchthaus nach Sonnenburg an der Oder, wo sie sehr schlecht behandelt wurden. 15 von ihnen kamen dann im Juli 1944 als Arbeitskräfte nach Wolfenbüttel. Zwei von diesen 15 starben während ihrer Zeit hier in Wolfenbüttel. Alle anderen kamen, als die Briten immer näher rückten, erst nach Magdeburg, dann nach Brandenburg, wo sie schließlich von den Russen befreit wurden.

50 Jahre später kommt einer dieser Menschen hierher nach Wolfenbüttel zurück und geht sogar in die Zelle, in der er damals als Häftling gesessen hat.


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