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Dieser Eintrag stammt
von Ilka Busch (*1983) aus Schladen. |
Luftangriffe Besatzungszonen |
Meine Urgroßeltern lebten damals in Bitterfeld. Dort wohnten sie zusammen mit ihren beiden Kindern Ingeborg und Harald. Mein Urgroßvater war Prokurist in der chemischen Industrie in Bitterfeld und meine Urgroßmutter war Hausfrau. Während des 2. Weltkrieges hatte mein Urgroßvater beruflich des öfteren in Leipzig zu tun und musste daher immer mit dem Zug fahren. In dieser Zeit nahmen die Bombenangriffe der Alliierten auf das Industriedreieck Leipzig, Halle, Bitterfeld zu. So wurde mein Urgroßvater mehrfach unmittelbarer Zeuge, wenn die Bomben auf den Zug geworfen wurden. Die Leute sind dann aus dem Zug auf das nächstliegende Feld geflohen. Ein anderes Mal wurde ein Angriff auf das Chemiewerk geflogen. Dort versuchte mein Urgroßvater den Detonationen zu entgehen und rannte in den nächsten Luftschutzraum auf dem Gelände.
Wenn am Tag, aber auch in der Nacht Bombenangriffe geflogen wurden, dann
liefen meine Urgroßeltern in den nächsten Bunker und hofften, dass sie dort
noch Platz finden würden, denn die Bunker waren sehr rar und meistens auch
schon überbesetzt. Wenn sie dort keinen Platz mehr fanden, mussten sie in
die Luftschutzräume in ihren Häusern, die oftmals nur 16- 20 Quadratmeter
groß waren und diesen Platz mussten sich manchmal mit bis zu 30 Personen teilen.
Mein Großonkel war damals 18 Jahre alt und wurde zum Kriegsdienst zur Marine
eingezogen, wo er auf einem Minensucher diente. Während dieser Dienstzeit
sah er oft, wie andere Kriegsschiffe in seiner unmittelbaren Nähe versenkt
wurden. Einmal fuhren sie in einem Konvoi und nur durch einen Zufall war er
nicht auf dem Minensucher hinter sich, der versenkt wurde. Meine Oma wurde
als Kriegswaffenhelferin zur Flak eingezogen.
Da es in dieser Zeit wenig bis fast nichts zu essen gab, aßen meine Urgroßeltern und ihre Kinder Saatkrähen, die sie gefangen haften, aber auch ihre Kaninchen, die sie bei sich auf dem Balkon hielten.
Wertgegenstände wie Silber und wertvoller Schmuck, wurden auf einen Handwagen geschnallt und auf das Land gefahren, um dort bei befreundeten Familien im Garten vergraben zu werden, da man eine große Angst vor Plünderungen hatte, die während der Bombenangriffe stattfanden. 1945 besetzten zuerst die Amerikaner Bitterfeld. Sie wurden kurze Zeit später von den Sowjets abgelöst.
Anfang der 50 Jahre verließ die Familie Kunert Ostdeutschland und baute sich eine neue Existenz in Braunschweig auf. Diese Übersiedlung war nicht sehr einfach, da es nicht erlaubt war, die Zonen zu verlassen und so wurden nach und nach die Möbel sowie Kleidungsstücke aus der sowjetisch besetzten Zone geschafft. Der Zielbahnhof damals war Öbisfelde. Mitte der 50er Jahre flüchteten meine Großeltern mit meinem Vater über Berlin in den Westen Deutschlands.




