Die Wohnungsmiete war zu hoch - 1938-1943
Unsere Dreizimmerwohnung in der Hammerbrookstraße war meinen
Eltern zu teuer, obwohl wir ein Ehepaar zur Untermiete hatten,
konnten mein Vater und meine Mutter die Miete nicht aufbringen.
So zogen meine Eltern 1938 zur Spaldingstraße Nr. 27. Später
wurde diese Straße umbenannt in Amsinkstraße Nr. 27.
Als wir zu unserer neuen Wohnung gingen, sah ich, daß die
ganze Straße voller Kinder war. Auf der ganzen Fahrbahn
tummelten sich die kleinen Racker. Sehr wohl fühlte ich mich
nicht bei so vielen Mädchen und Jungen mit soviel Geschrei.
Einige Zeit später schrie ich genau so laut und war mit vielen
befreundet.
Unsere Wohnung war im Hinterhof, dort, wo arme Leute wohnten.
Die vorderen großen Häuser, mit großen Wohnungen,
konnten sich nur die reichen Familien leisten. In diesem Hinterhof
wohnten Familien mit bis zu zwölf Kindern, mit den Eltern
zusammen waren es vierzehn Personen. Unsere Wohnungen waren 43
qm groß: eine Stube 12 qm, 2 Zimmer je 10 qm, ein kleiner
Korridor, worin ein kleiner Eckhandstein eingebaut war. In der
Küche stand ein kleiner Ofen mit Ringen, worauf gekocht wurde.
In den meisten Küchen waren die Wände mit drei starken
Borden ausgestattet. Eins diente zum Sitzen, zwei Borde über
den Köpfen waren mit einer Häkelzierde geschmückt,
darauf stand das ganze Geschirr. Ein kleiner Tisch, welcher vorm
Fenster stand, gehörte auch dazu. Gegessen wurde in zwei
oder drei Schichten, je nach Kinderzahl.
Die Toilette war im Treppenhaus, und aus Holz gebaut. Jede Familie
hatte ihr eigenes kleines Herzhäuschen. Wir waren vier Kinder,
und so hatten meine Eltern sich eine Wohnküche in einem der
Zimmer eingerichtet. Es waren darin ein Sofa, Tisch, Stühle,
ein kleiner Schrank. Über dem Sofa standen, auf einem hübschen
Brett an der Wand, viele Krüge. Das Zimmer war sehr gemütlich.
Geschlafen haben wir zu zweit in einem Bett. Meine Eltern schliefen
zusammen auf einem Klappsofa in der Stube. Die Stube war mit einem
weißen Kachelofen ausgestattet. Dieser füllte eine
ganze Ecke aus.
In der Küche mit dem Ofen hatte mein Vater sich eine kleine
Schusterwerkstatt eingerichtet. Als wir einzogen, war es sehr
still. Wir konnten die Kirchenglocken der Petri- und der Jacobikirche,
die Sonntag morgens zum Gebet riefen, von weitem hören.
Durch die Fliegerangriffe auf Hamburg 1943 veränderte sich
die gemütliche Atmosphäre. Es saßen am Abend keine
Erwachsenen mehr auf mitgebrachten Stühlen im Hof und plauderten
über den schönen sonnendurchfluteten Tag. Unser Spiel
war vorbei. Wir Kinder wurden in alle Richtungen verschickt.
Meine neue Wohnstätte war das KLV Lager (Kinderlandverschickung)
in Muggendorf in der fränkischen Schweiz. Die Hinterhaus-Idylle
war für immer vorbei.
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