Dieser Eintrag stammt von Lenka Sowa
aus Hamburg
, April 2001:
   Das NS-Regime


Berufswunsch und Stellensuche 1935


Eine Lehrstelle für Mädchen war auch schon 1935 eine Utopie. Der Lehrer fragte einmal in der Klasse: "Was möchtet ihr denn werden, wenn es Lehrstellen geben würde"? Was die Jungen sich wünschten, weiß ich nicht mehr. Bei den Mädchen hieß es oft "Verkäuferin oder Büroarbeit" In dem Jahr wurde noch kein Wunsch erfüllt. Ich war die Letzte und hatte viel Zeit zum Nachdenken, Ja. wenn ich könnte, möchte ich wohl Lehrerin werden, aber das behielt ich lieber für mich. Die Klasse hätte mich ausgelacht und meine Mutter hätte von Sünde gesprochen. Ich sagte dann auch laut: "Hausgehilfin!" Das war dann auch bis zum Kriegsende mein Beruf.

Ich fuhr nun jeden Tag zur Zeitung, reihte mich in die Schlange der Wartenden ein, um einen Stellenanzeiger zu bekommen. Der war kostenlos und nach fünf Minuten vergriffen. Dann fuhr ich sofort zu den angebotenen Stellen und fragte zuerst zögernd und stotternd nach Arbeit. Acht mal bekam ich die Antwort: "Schon besetzt oder wir suchen eine ältere Hilfe". Ich weiß nur noch, daß ich nicht mit ungeputzten Schuhen auf Stellensuche gehen durfte.

Durch Fürsprache bekam ich dann eine Stelle. Ich sollte nachmittags in einem Frisörgeschäft das kleine Kind und die Wohnung versorgen. Das schaffte ich mit meinen 14 Jahren nicht und suchte nach einigen Monaten, wieder über den Stellenanzeiger, eine neue Arbeit. Diese sollte für einige Jahre mein "Zuhause" sein.

Das NS-RegimeArchivEintragenHome