Dieser Eintrag stammt von M. M. (*1918)
aus Hamburg
, Juli 2002:
   Das NS-Regime


Die Macht der NSDAP


Wie tief der Einfluß der Nationalsozialisten in die Privatsphäre der Bürger reichte, kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen. Die Kontrolle jedes einzelnen zu jeder Zeit war ein Ziel der NSDAP.

Hitlers totalitärer Staat begnügte sich nicht mit der Besitzergreifung der offiziellen Machtpositionen, sondern verlangte von jedem zu jeder Zeit Gefolgschaft und aktive Mitarbeit. Freizeit und Freiheit, wie wir sie heute verstehen, gab es zwischen 1933 und 1945 kaum. Wenn die Menschen von der Arbeit nach Hause kamen, konnten sie nicht immer tun und lassen, was sie wollten. Eine Fülle von Parteiveranstaltungen, Unterhaltungsangeboten, Gruppen- und Schulungsabenden "organisierten” den Feierabend und die Wochenenden.

Dieser Einbindung und Erfassung konnte sich kaum einer entziehen. Der totalitäre Staat nahm nicht nur von dem politischen Bürger Besitz. Er kontrollierte, so weit als möglich, auch das Privatleben jedes einzelnen. Natürlich vermochte es auch dieser Staat nicht, jede Lebenssphäre des Bürgers zu organisieren oder gar zu überwachen.

Das war auch gar nicht nötig, denn die Mehrheit der Deutschen war (zumindest vor dem Krieg) für Hitler und den Nationalsozialismus. Nur die politisch Andersdenkenden, die verfolgten Minderheiten, lebten in der "ständigen Furcht vor dem Klopfen an der Tür in den frühen Morgenstunden”, der bevorzugten Einsatzzeit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Die Macht der NSDAP reichte bis in die kleinsten Einheiten menschlichen Zusammenlebens - ein Blockwart hatte 40-60 Haushaltungen zu beobachten und alle besonderen Vorkommnisse zu melden. Als dann 1939 der Krieg ausbrach, war das totale Überwachungssystem inzwischen so perfekt ausgebaut, daß sich keiner mehr gefahrlos den Anordnungen des Staates entziehen konnte, Konzentrationslager oder Todesstrafe erwarteten ihn.

Die totale Erfassung des Menschen beschränkte sich nicht nur auf die Zeit seiner Jugend, sie setzte sich fort in den NS-Frauenschaften, in Sammelaktionen für das Winterhilfswerk, in Vortragsveranstaltungen der NS-Kulturgemeinde und vielen anderen Aktivitäten, an denen die Bürger mehr oder weniger gezwungen teilnehmen mußten.

Das ganze Jahr hindurch wurde die Bevölkerung in Trab gehalten. Überall und zu fast jeder Jahreszeit fanden Sammlungen oder Werbekampagnen statt. Mal bat das Winterhilfswerk, dann die NS-Volkwohlfahrt oder die Aktion "Mutter und Kind” um Spenden; ein anderes Mal warb die Hitlerjugend oder die SS um Mitglieder.

Robert Ley (Leiter der "Deutschen Arbeits-front”): "Privatleute kennen wir nicht mehr. Die Zeit, wo jeder tun und lassen konnte, was er wollte, ist vorbei”. So bewirkte nun ein mehr oder minder sanfter Druck von oben, daß sich praktisch ein ganzes Volk in irgendwelchen Vereinigungen organisierte. Viele traten der Hitler-Jugend oder dem Bund deutscher Mädchen mit echter Begeisterung bei. Sie hofften dort etwas zu finden, was sie zuvor vermißt hatten - Kameradschaft, Gemeinschaft, Abenteuer. Und so fiel die Idee einer Volksgemeinschaft bei einem sehr großen Teil der Jugend auf fruchtbaren Boden.

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