Mit 16 Jahren gehörten wir jungen Kameraden zum "letzten
Aufgebot Hitlers. Die Front stand bereits tief in Deutschland,
als ich im April 1945 ohne Heimaturlaub nach meinem abgeleisteten
Reichsarbeitsdienst am Flugplatz Nordholz direkt zur Infanterie-Division
Schlageter in Munster-Lager einberufen wurde. Vier Tage später
wurden wir mit dem Ziel Berlin in Marsch gesetzt - zu Fuß,
in Nachtmärschen, denn tagsüber griffen die Tiefflieger
ständig an. Es waren unglaubliche Strapazen. Den Gedanken
an Fahnenflucht verwarfen wir, da wir von der drohenden Todesstrafe
wußten und immer noch an die versprochene, kriegsentscheidende
Wunderwaffe glaubten.
Der abenteuerliche Marsch führte über Lüneburg,
Lauenburg, Boizenburg, Hagenow, Ludwigslust, Parchim bis östlich
von Lübz. Hier kamen uns russische Panzer entgegen. Nicht
weit hinter uns amerikanische Truppen. Ich konnte zum Glück
den Russen entweichen und begab mich am 2. Mai in amerikanische
Gefangenschaft. Ich war froh, unversehrt davongekommen zu sein.
Das Kriegsende - den 8. Mai - erlebte ich in einem großen
Gefangenenlager in Erdlöchern auf einem mecklenburgischem
Acker. Es gab kaum Verpflegung: Nachschubschwierigkeiten der Amis.
Die Gefangenschaft bei Hunger und Kälte dauerte länger
als erhofft.
Erst Ende Mai wurden wir verladen, mit 80 Kameraden in einen Güterwaggon.
Über Schwerin und Lübeck ging die Fahrt nach Neustadt/Holstein
in englische Kriegsgefangenschaft. Von Neustadt marschierten wir
in großen Kolonnen in mehreren Tagesmärschen bis nahe
Lütjenburg in ein Zeltquartier.
Hier verlebte ich meinen 17. Geburtstag. Von Entlassung war immer
noch nichts zu hören. Nur üble Gerüchte! Auch hier
quälte uns der Hunger. Wir kochten Brennesseln und scharrten
in der Not Pflanzkartoffeln aus dem Acker. Mitte Juni standen
bevorzugt Landarbeiter zur Entlassung an. Ich war zur Landarbeit
bereit und bekam in Eutin von der britischen Militärbehörde
meine Entlassungspapiere. Nur nach Hause...