Schulzeit von April 1936 bis April 1944
Ostern 1936 war ich ABC-Schütze in der Schule Karl-Theodor-Str.
in Ottensen. Ich war noch keine 6 Jahre alt und war so stolz,
dass ich schon in die Schule kam. Im darauffolgenden Jahr kam
ich in die Schule für Mädchen in die Lagestr. (heute
Gaußstr.) in Ottensen, hier blieb ich bis zu meiner Schulentlassung.
Ich war so schüchtern - was mir heute wohl kaum einer abnimmt
- z.B. wenn meine Mutter mich zu spät los schickte und es
klingelte schon auf dem Flur in der Schule bevor ich im Klassenzimmer
war, da bin ich wieder umgekehrt und habe meiner Mutter gesagt,
sie hätte Schuld und darum müsste sie mir eine Entschuldigung
schreiben. Ich bin gerne zur Schule gegangen. Geographie war eines
meiner Lieblingsfächer. Der Hausmeister hatte auf dem Schulhof
einen Hühnerstall, und wenn uns unser Pausenbrot nicht schmeckte,
dann hatten wir immer gute Abnehmer. Als Hitler die katholischen
Schulen abschaffte, da bekamen wir eines Tages eine Lehrerin aus
der katholischen Schule, sie hieß Frl. Kowitz, ich habe
nie wieder so viel und so gut gelernt wie bei dieser Lehrerin.
Während des Krieges mussten wir Knochen sammeln und Verschlüsse
von Zahnpastatuben (Stanoil). Die Knochen wurden immer von zwei
Mädchen gesammelt in einem Eimer und dann mussten wir sie
zu einer Abnahmestelle tragen und da konnte einem schon auf dem
Weg schlecht werden, so stanken die Knochen.
Es gab auch Fahnenappell, der mir gar nicht zusagte, zumal ich
von Haus aus gar nicht damit vertraut war. Weihnachten mussten
wir immer blaue Kerzen zu Gunsten der Deutschen im Ausland verkaufen,
das war eine richtige Bettelei bis man uns mal eine Kerze abkaufte.
In der 4. Klasse wurden die Begabten ausgesucht, Englisch zu lernen,
darunter war auch ich, aber wir mussten morgens um 7.00 Uhr schon
in der Schule sein, und weil wir wegen der vielen Fliegerangriffe
nachts ein paar Mal hoch mussten, war ich immer entsprechend müde
und meine Lust hielt sich in Grenzen. Dafür bin ich dann
als Erwachsene 6 Jahre zur Volkshochschule gegangen, um das Versäumte
nachzuholen.
Vom Mai 1942 bis Oktober 1942 war ich mit der Klasse in Siebenbürgen
in der Kinderlandverschickung, da hat es mir gut gefallen und
ich habe heute noch ein Faible für die Ungarn, obgleich wir
ja bei Deutschen untergebracht waren, die vor 800 Jahren nach
Siebenbürgen eingewandert waren. Meine Pflegemutter brachte
mir im Fluss Mieresche das Schwimmen bei und ich machte meinen
Freischwimmer und dadurch konnte ich auch das Jungmädelleistungsabzeichen
machen. Da es 1942 in der Heimat mit der Verpflegung schon sehr
mau war, habe ich bei den Pflegeeltern, die Pflegemutter kochte
so gut, zuviel reingehauen, so dass mein Vater mich beim Heimkommen
fast nicht erkannte. In Siebenbürgen schenkte man mir auch
ein Poesiealbum, welches ich heute noch besitze, und dann mussten
erst mal die Pflegeeltern, die Lehrer im KLV-Lager und dann zu
Hause die Großeltern, dann die Eltern und die Lehrer und
Klassenkameradinnen eintragen. Wenn ich es heute lese, bringt
es immer wieder Spaß, auch kann man bei den Lehrern ganz
genau die Linie ihrer Politik, die sie vertraten, erkennen.
Dann ging der Unterricht in Hamburg mit vielen Unterbrechungen
durch die Fliegerangriffe weiter. Es war Tradition, dass der Rektor
die letzte Klasse vor dem Schulabgang unterrichtete. Vor dem Rektor
hatte man immer sehr viel Respekt, aber er war ein netter und
gerechter Lehrer und mein Abgangszeugnis war sehr gut. Im März
1944 verließ ich die Schule und danach musste ich ins Pflichtjahr,
über diese Zeit habe ich eine separate Geschichte geschrieben.
Es dauerte immerhin noch über ein Jahr, bis dieser unselige
Krieg beendet war. Eine Lehrstelle zu finden, war zu der Zeit
nicht einfacher als heute. In Hamburg sagt man ja Kontor und da
wollte ich hin und habe es geschafft und bekam 1948 meinen Kaufmannsgehilfenbrief
für das Versicherungsgewerbe.
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