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Dieser Eintrag stammt von Wolfgang Arlt (wolfgangarlt@kabelmail.de) aus Wolfsburg, Oktober 2002: |
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Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkriegvon meinem Großvater mütterlicherseits
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Großmutter fragt an ...Hetzwalde den 2/11 1914Gott zum Gruß lieber Papa! Deine Karten haben wir erhalten warten aber nun auf weitere ausführliche Nachricht von dir wie es geht und steht. Ist es kalt und regnerisch und neblich wie es vorige Woche bei uns war? Heute ist es wieder schöner da ist auch Sonnenschein. Wie geht es mit deiner Gesundheit? Wie ist es mit der Arbeit, und mit dem Schlafen? Ella war vorige Woche wieder krank ist aber Gott sei Dank wieder besser, ist heute wieder in der Schule. Am Sonnabend Reformationsfest war ich mit Willy und die Häntsch Elsa in Ruppersdorf wegen der Gelder, von da gleich nach Kunnersdorf zu deiner Großmutter die freute sich, hat uns auch gesagt daß du ihr geschrieben hast, die sieht aber munter und gesund aus, lässt dich schön grüßen, und wir sollen wieder einmal etwas hören lassen. Das Geld habe ich abgeliefert, dawar sie erst böse, die meinte ich habe noch welches, hättest es nur zu Hause behalten. Du weißt ja wie sie ihre Dinge hat. Da war es schon 5 Uhr wie wir dort weggingen da war es schon dunkel. Da sind wir gleich über den Kottmar gemacht, wie wir bald oben waren mochte jemand kommen es blieb aber stehen. Das hat sich vieleicht noch mehr gefürchtet wie mir, denn wir bekamen es auch beinahe mit der Angst zu thun, wir machten gleich den Weg rein nach Walddorf zu, mit Gott kamen wir gut zur Frau Wurm dann auf ½ 9 Uhr nach Hetzwalde. Sonst sind wir alle gesund und munter, am Freitag hatte ich nichts zu nähen, habe aber heute wieder mehr. Lieber Oskar bist du denn mit Gerlach zusammen oder weißt du nichts von ihm, der hat noch gar nicht geschrieben die ängstigen sich auch sehr. Dieser Tage kam ein Gerede 150 Arbeiter vom Schanzenbauen wären Gefangen vom Russen. Schreibe uns bitte bitte gleich nach Empfang dieser Zeilen, daß wir's nur wissen wie oder was, auch von Gerlach. Du weißt ja ich traue auf Gott der weiß alles. Alles was er thut ist uns heilsam, ist uns gut Ich Vertraue nur auf Gott unseren Vater.
Lebe wohl lieber Papa sei vielmals gegrüßt von deinen
Lieben
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Nach der Einberufung....Papros, den 24.11. 1914 Liebe Frau u. Kinder. Schon lange werdet Ihr auf ein paar Zeilen von mir erwartet haben, ich hatte aber tatsächlich nicht Zeit gehabt, denn es ist sehr kalt hier draußen. Wir sind von Thorn nach hier versetzt worden und bauen die Bahnstrecke nach Warschau mit der Eisenbahnkompanie , brauchte Verstärkung. Heute sind wir 5 klm über die Grenze gekommen. Morgen kommen wir 15 klm nach Polen ins Quartier nach Tuben. Es ist sehr kalt 10-12 Grad sind jetzt schon 3 Tage u. der Wind u. der Schnee. Anzuziehen brauche nichts ich habe mir viel gekauft. Schreibe mir ob Gerlach noch in Bilnery bei Thorn ist, ich habe mit meiner Kolonne auch 2 Tage in der Scheune gelegen, dort war es schöner als hier denn hier giebts den ganzen Tag nichts warmes zu Essen es dauert ja nicht mehr lange dann komm ich zu Hause u. kann auch meine Abenteuer erzählen, man sieht hier jeden Tag andere Bilder. Flicke war auch krank in Pruchau ob er wieder gesund ist weiß ich nicht, schickt mir keine Sachen. Meine Adresse Zöllner Kolonnenführer 51. Zugeteilt der Reserve Eisenbahn Bau - Kompagnie No 3. Montwy bei Hohen-Salza. bei Herrn Oberleutnant Wulff.
Verlegung nach Polen...Dobre, den 27. 11. 1914 Liebe Frau u. Kinder! Wir sind nun in Polen, hier ist es nun bitterkalt u. meine Winterjoppe fängt an zu reißen, so möchte ich bitten, daß ihr mir den Winterüberzieher, das weiße Vorhemdchen, schwarze Handschuh, 3 Hemden, Wintermütze u. noch ein P. Hosen, die alten schwarzen so schnell als möglich schicken möchtet. Wir arbeiten am Bahnhof Dobre Gleisbau u. verschiedene Reparaturen. Hier giebts noch lange Arbeit in Aussicht, die Witterung ist trockenkalt, ein Leben und Treiben wie's in Polen bekannt ist. Ich will nun schließen, bitte schickt mir etliche Stück Zigarren mit Es grüßt Euer Vater
Gegenbrief der Großmutter....Hetzwalde d. 1/12. 1914 Gott zum Gruß, Lieber Oskar
3 Hemden, 1 Unterhose, 1 Oberhose, 1 paar Filzstiefel, 1 Handschue, 2 paar Strümpfe, 2 Fußlappen, 1 Lungenwärmer, Zigarren, Äpfel, Butter, Schokolade, Gurken, Bleistift u.s.w. (Halsbändchen grau hat Willy u. Ella gestrickt, mit Nadeln aufnehmen) Wie ist es denn mit der Wäsche kannst du nicht was zuhause schicken? Daß du nicht soviel alten Krempel hast. Bitte schicke nur öfter eine Ansichtskarte du weist doch Willy interesiert sich für das Fremde und Polnische, es war ordentlich ein jauchzen und freuen als endlich nach 5 ½ Wochen ein Schreibsel kam, es war gerade Sonntag, also bitte oft, wenn du nicht viel Worte weist dann eben wenig. Bis später alles mündlich. Wir sind alle Gott sei Dank gesund und munter. Wir bitten auch Gott immer alle das er dich gesund mög erhalten an Leib und Seele. Am Montag war ich in Kunnersdorf da wurde die Johan Guste begraben, früh 8 Uhr. Dann war ich bei deiner Großmutter, habe ihr Karten und Brief von dir vorgelesen, die freute sich und lässt dich schön Grüßen. Die war gesund und sagte, aber schickt mir ja nichts ich habe noch Schuhe und alles. Ich hab'er ein paar schwarze Nüsschen Äpfel Brotel u. Pilze gegeben Dann Montag Abend wollte ich gerade an dich schreiben da brachte Willy den Brief mit deinen Wünschen, da hab ich alles besorgt. Wir haben ja jetzt nicht gerade viel zu nähen. Aber so geht's überall flott in Fabriken. Gerlach wollte vorige Woche schon Sachen haben, er dachte fortzukommen Wir wissen aber bis heute weiter noch nichts. Bei Flicken war ich auch heute, der hat geschrieben er denkt in 14 Tagen nach Hause zu sein, demnach muß er doch gesund sein. Heute wurde ich zur Herfurt Lina gerufen die hatte gerade solch Nasenbluten wie ich hatte. Die ist auch vor Jahren operiert worden links in der Nase. Das ist aber nicht schön, Ach Gott sei Dank dass es bei mir wieder soweit gut ist, nicht wahr mein lieber Oskar wir haben die schwere Nacht den Herrn zusammen gebeten, Herr hilf du, Er hat auch alles gut gemacht. Bleibe bis auf weiteres Gott befohlen Mit Gruß u. Kuß all deiner Lieben Soeben habe ich die Sachen abgeschickt. 1,60 bezahlt
Ein Kamerad als Bote....8. 1. 1915 Liebe Frau u. Kinder! Ich muß kurz mitteilen dass Säuberlich von Neuleutersdorf (Dörfel) auf Urlaub ist ich brauche mein Drillichanzug u. die langen Stiefel Schusterzeug Hammer Zange 28.cm lange Leisten Pech Hanfgarn u. Messer Nageleisen u. was mehr. Schaffe das Paket zu Großmann der wohnt unter dem Kinderheim im Oberdorf, er fährt ½ 7 mit dem Zuge u. 5 M Geld
Zurück in der Kaserne....Bautzen d. 28. 3. 1915 Liebe Frau und Kinder! Teile Euch mit, daß ich das Paket und zwei Briefe erhalten habe, bisher hatte ich keine Gelegenheit zum Schreiben, da ich zweimal Wache hatte war ich Abends immer froh daß ich ins Bett gehen konnte. Urlaub habe ich von Donnerstag früh bis Sonnabend zum Mittag. Es sind 65 neue Remonte Pferde eingetroffen, hierdurch müssen wir Kanoniere auf zwei Trupps fahren, so komme ich Donnerstag früh ½ 9 Uhr, da kann Willy und Ella auf den Bahnhof kommen. Jetzt sind bloß 30 Mann zum Mienenwerfern abgegangen nach Culm hinter Thorn, diese haben ja auch einen schweren Posten zu übernehmen. Jetzt ist noch nichts zu hören von neuen Transporten sonst bekämen wir auch keinen Urlaub. Ich will nun schließen alles andere mündlich Es grüßt Euer Vater. Viele Grüße an die Eltern.
Zurück vom Urlaub....Bautzen d. 6. 4. 1915 Liebe Frau und Kinder!
16 Mann waren wieder nach Frankreich fort. Auch diese Woche kommen noch welche dran. Wir wollen uns darüber weg setzen, es geht ja so viel tausenden jetzt so. Ich will nun schließen so seid herzlich gegrüßt von Euren Vater. Viele Grüße an Vater und Mutter
Noch in der Kaserne....Bautzen d. 13. 4. 1915 Liebe Frau und Kinder! Verzeiht, daß ich Eure Briefe noch nicht beantwortet habe , da ich doch den Lindemann beauftragt hatte mit in die Fabrick zu kommen und Euch Bescheid zu sagen, daß ich noch nicht ins Feld gekommen bin, weil noch Kriegsfreiwillige da waren, 7 Kanoniere und 21 Fahrer kommen fort. Nun noch mal auf Lindemann zu kommen, ich habe noch eine Mark von ihm zu erhalten, das sage seiner Braut, sie sollte ihn im Briefe mit fragen ob es auch wahr ist so laß dir das Geld geben, vielleicht hatte er es vergessen, denn er war ja nicht mehr 1 Stunde nüchtern. Heute Dienstag früh fuhren sie nach Dresden, wohin sie kommen wußte noch keiner. Wir haben jetzt viel Geschützexerzieren in der Batterie , vielleicht geht einmal was ganzes fort, dann gebe ich Euch sofort Nachricht. In 14 Tagen gebe ich wieder Urlaub ein , vielleicht kann ich doch noch einmal zu Hause kommen ehe es weg geht, ich will nun schließen Gute Nacht meine Lieben
Bautzen den 23. 4. 1915Liebe Frau u. Kinder! Euren Brief habe ich erhalten, es freute mich wieder etwas zu hören. Bei uns sind wieder 2 Marschbereite Kolonnen aus Fahrern bestehend ins Feld gegangen und 22 Mann kommen zur Maschienengewehrkompagnie , wenn ich nur nicht daran glauben müßte , das wäre ja mein Unglück. Heute Freitag und gestern Donnerstag regnete es ununterbrochen, da habe ich schönen Dienst erhalten. Gestern Stalldienst und heute Reitbahndienst. Liebe Familie verzeiht , daß ich den Brief nicht gleich Sonntag an Euch geschrieben habe , wie ich den Brief schrieb ertönte Feueralarm, da heißt es nur alles im Stich lassen und nach der Wache sausen, weil ich mit beim Feuerlöschkomando bin , es waren 1 ½ Stunden um, die Probe war schön verlaufen , es klappte. Den Sonnabend und Sonntag war ich in der Küche mit Aushilfe für einen der auf Urlaub fuhr. Schulzen Hermann seine Frau war auch da am Sonntag, der ist vom Berge nicht weit von Hornauff. Dann gingen wir spazieren Sonntag Nachmittag, wen treffe ich , drei junge Kerle , ich rufe Gerhardt, erst guckte er, dann kam er auf mich zu gesprungen. Es war Willy sein Klaviermeister. Nächsten Sonntag will er zu mir kommen, da will ich ihm die Gefangenlager zeigen. Viele Grüße noch von ihn. Dann gingen wir zu Bauern, da war Hüttler von Leutersdorf da, sind noch ein Stück zur Dunkelheit spazieren gegangen, es war ein schöner Sonntag ich glaube auch Ihr habt einen Spaziergang unternommen, wenn es nun wieder schön und warm ist. Heute war ich im Walde beschäftigt. Fichtenpflanzen holen zu unseren Park bepflanzen es war ein herrlich warmer Tag, wir hatten fünf Russen mit zum Arbeitsdienst, die haben sich wohl gefühlt es sind so gute Menschen wie wir, ich will nun schließen Morgen früh wieder 4 Uhr antreten Gute Nacht meine Lieben
Erste Wolken....Bautzen d. 12. 5. 1915 Liebe Frau u. Kinder! Ich will Euch kurz mitteilen, daß ich in nächster Zeit noch zur Maschienengewehrkomgnie wandern muß. Es werden das dritte Mal von uns Leute angefordert, untersucht und für tauglich befunden sind wir gestern ich auch. Aus dem Transport nach dem Felde ist nichts geworden, deshalb dieser Schwindel, ein jeder hängt den Kopf u. denkt wenn ich nur einmal aus der Kaserne wäre. Böttcher hat ein halbes Jahr bei der Marine gedient der kommt auch mit. Gestern wurden nun Brotmarken ausgegeben u. für 6 Tage 2 Brote. Das Paket an Matheus habe ich gestern rüber getragen er war ausgegangen da hab ich's einem übergeben ich will nur Schinken Lebt wohl meine Lieben.
Marschbereit....Bautzen d. 18. 5. 1915 Liebe Frau u. Kinder! Ich will Euch mitteilen, daß ich nun mit meiner Ausrüstung fertig bin und von heute Mittag marschbereit. Wir haben Karabiener bekommen statt sonst immer Revolver, dieses ist mir sehr lieb, wenn gleich was schweres im Umgang, nicht gefährlich wie Revolver. Liebesgaben bekommen wir noch , sonst haben wir Schinken und Brot genug auf den Transport. Nun muß ich Euch noch mitteilen wie ich Montag hier ankam wurde noch ein Kanonier aus meiner Stube er heißt Friedemann mit zu unserem Transport eingekleidet was mich sehr freute u. Kommt mit zur 1. Munitionskollonne welche in Avaux bei Neuchattele vor Reims liegt. Ich traf heute einen Fahrer der sagte mir Bescheid er kam eben auf Urlaub von dort. Er klagte nicht sehr es soll schon eine ganze Zeit ruhig hergehen. Heute wird wieder ein Trupp Fahrer ausgesucht, welche von Donnerstag an marschbereit sind. Ein Pferdetransport nach Rußland ging heute fort. Ich will nun schließen und schreibe Euch noch wenn wir wegmachen. So lebt wohl u. Gott befohlen. Euer Vater Viele Grüße an die Großeltern
In Frankreich angekommen....Geschrieben am 25. 5. 1915 Liebe Frau und Kinder!
die arme Bevölkerung sind alle abgeschoben worden nachdem inneren Frankreichs. Es hat hier eine Menge Getreide gegeben was uns in die Hände gefallen ist, dies könnt Ihr nicht glauben was die Kameraden erzählen. Bekannte sind mindest 30 mit hier die im 1. Depot mitwaren. Lindemann liegt 1 Stunde nach hinten seitwärts, wir liegen 15 km hinter der Front u. fahren wenig Munition an die Front, weil wir nur Reserve bilden, denn alles was bei der Batterie zu fehlen kommt mag sein an was es will wird von uns ersetzt. Ich will Euch aber ausdrücklich sagen was ich schreibe niemand andern etwas zu erzählen, denn uns ist streng verboten bei Strafe wenn wir schreiben wo wir liegen darf niemand wissen, wenn jemand fragt war Reims sonst nichts. Gieb keinen Brief von mir aus den Händen, sei es was es sei Herzlich grüßt Alle euer Vater.
Adr. Kanonier Zöllner
Frontberührung....Geschrieben d. 31. 5. 1915 Liebe Frau und Kinder! Verzeiht, daß ich nicht eher geschrieben habe, ich hatte jetzt 2 Pferde mitzubesorgen, da wurde es abends immer zu spät. Heute schiebe ich die erste Parkwache vor dem Feinde, die Nacht war kühl, am Tage aber schön warm. Wir bilden die Reservekollonne die jederzeit Munition wenn welche gebraucht wird nach der Front fahren muß. Sonst giebt es nur Feldbestellung jetzt geht die Heuernte los, es wird alles mit Maschienen bearbeitet. Herrlich steht die Natur die schönen Luzernen-,Klee-, Kartoffel- u. Getreidefelder u. a. m. Das Ardennengebirge ist ganz fruchtbar. Die Berge sind die Höhe wie zu Hause. Der Feind sitzt dahinter in den Weinbergen. Dort waren unsere Truppen schon im September, als keine Verstärkung herangekommen war, mußten die Flügel zurückgehen, wo heute noch alles verschantzt wie kleine Festungen da steht. Ich bin ¾ Stundte weit an die Front gekommen, von uns sind es 2 Stundten am 1. d. M. war wieder ein großes Gefecht da hörten wir aber ein Donnern, unsere 38,5 Schiffsgeschütze erwiderten aber glänzend den Angriff, welche von Matrosen bedient werden, da krachen unsere nur wie Pistolen dagegen. Sie stehen 15 km voneinander entfernt und bestreuen die Zwischenräume sehr genau, weil die Entfernungen geschätzt sind. Wir waren Sonnabendnachmittag auf dem ersten Berge hinter La Neuville da konnten wir mit Fernglas viel Schützengräben, Artilleriestände, Unterstände, Beobachtungsstellen u. Flieger überall sehen. Vor den Fliegern hat ein jeder Furcht natürlich feindliche, kommen öfters über uns hinweg geflogen und haben verschiedene Sprengstücke hie u. da geworfen, durch welche an 30 Häuser demoliert sind. Schustern brauch ich nicht mit es ist noch kein Leder hier die Flicken macht noch der andere. Gesund bin ich noch was ich auch von Euch hoffe Es grüßt Alle Euer Vater
Bereitschaft...La Neuville d. 7. 6. 15. Liebe Frau u. Kinder! Eure Karte habe ich erhalten, das Packetchen aber noch nicht vielleicht kommt es heute an. Ich weiß ja nicht was ihr geschickt habt, will aber gleich mitteilen, daß ihr Butter oder Wurst nicht schicken braucht. Wenn ich nur ein Päckchen Honigpulver mitunter könnte bekommen sonst haben wir alles in der Kantiene. Es ist ja alles teuer aber ein jeder ist glücklich hier hinter der Front so leben zu können. An der Front gab es von Sonntag zu Montag einen heftigen Angriff, beide Tage standen wir Tag und Nacht bereit, denn hätte die Bahnstrecke einen Volltreffer erhalten, dann hätten wir ja Funktion erhalten, aber Gott sei Dank ich glaube die Rothosen haben kein Glück mehr hier durchzubrechen. Wir gehen unser Landwirtschaft wieder ungestört nach. Der Klee ist mit Maschienen gehaun, wir setzen meistens 100 Stück Kleereiter jeden Tag auf. Dies mag den französischen Flieger im Kopf stecken wenn sie von weiten alles so schön bestellt sehen. Das Heu wird schon eingefahren und kommt nach Deutschland. Heute haben wir einen Regentag und sind dienstfrei, es war die höchste Zeit, hier ist alles Kreideboden der brennt unerhört. Am Tage ist es bedeutend heißer als bei uns zu Hause, die Nächte dagegen kühl. Die zurückgebliebenen reichen Bauern müssen mit uns arbeiten, da sieht man Kerle, zu machen giebt es immer was. Ich hatte ein ½ Dutzend Karten gekauft, welche ich auch Bekannten geschickt habe, wir sind ja ziemlich klein aber bei der grellen Hitze sind wir noch so halbwegs gut getroffen. Von Robert habe ich noch keine Antwort, wir haben jetzt alles in La Battele nach Vonzir kommen wir jetzt sehr selten da wird es wohl schwer werden ihn zu treffen, mein Zugführer ist Kantienenverwalter er sorgt immer für gute Speisen, Biere u. Apfelweine und bekommen viele Liebesgaben an Zigarren Tabak Kakao Schokolade Zigaretten konservierte Früchte , kurz es ist doch schöner wie in der Kaserne der Drill. Unsere Ritt- u. Wachmeister sind humorvolle Kerle , möchte es mir nur vergönnt sein bei dieser Kollonne zubleiben ich will nun schließen Seid herzlich gegrüßt Alle meine Lieben
Warten wie Gott in Frankreich....La Neuwille d. 18. 6. 1915 Liebe Frau u. Kinder! Eure Karte nebst Paketchen habe ich erhalten und sage Euch besten Dank. Ihr braucht mir jetzt nichts mehr schicken, da ich hier Gott sei Dank in allen zur fälligen Genüge habe, wir leben hier könnt es glauben wie kleine Millionäre. Bei den Heu mähen werden viele junge Hasen und wilde Kaninchen und Rebhühner, wenn sie brüten eingefangen. Da giebt es täglich einen Leckerbissen. Fett und Butter wird von der Kollonne gefaßt und Brot wird noch viel bei den Franzosen für Eier umgetauscht. Die Kirschen sind jetzt auch reif, da muß man sich nur mit ranhalten. An der Front ist jetzt wieder Stillstand eingetreten, aber wie die Flieger herumschwirren, da müssen große Truppenverschiebungen vorgenommen werden im feindlichen Lager, denn bei uns werden die Fesselballons vielemal jeden Tag in die Höhe gelassen. Gestern Abend wurden nach dem feindlichen Lager viele Leuchtkugeln geschleudert. Vor vierzehn Tagen kamen 32 Mann gedienter Landsturm in jede Munitionskollonne, die Landwehrleute kommen in die Kaserne nach Dresden zur Ausbildung und sollen nach Rußland in kürzester Zeit gehen. Heute hörte ich es käme noch ein größerer Transport, dann würden auch wir mit abgelöst, na wir wollen erst sehen.. Nun denke ich aber einmal an die Großmutter in Cunnersdorf so möchte ich Euch bitten, daß ihr an einem schönen Sonntag sie auch einmal besuchen möcht richtet mir herzliche Grüße aus und sagt ihr, daß mir es gut geht, ich werde Ihr auch eine Karte schicken, ich habe auch Photographieren lassen wie ich das 2. mal Wache stand ich glaube es ist so leidlich, die Eibauer Aufnahme ist sehr schön. Willys Karte habe ich auch erhalten er schreibt ganz schön alle lobten seine Handschrift der Ella ihren Wunsche werde ich auch nachkommen. Jetzt ging 5 Tage keine Post sie war gesperrt. Ich wollte Robert besuchen aber es ist mir nicht möglich geworden. Ich will nun schließen und richte an Alle meine Lieben herzliche Grüße.
Heuernte und Munition fahren....Neuville d. 27. 6. 15. Liebe Frau u. Kinder! Verzeiht, daß ich nicht viel geschrieben habe, da ich jetzt wieder 2 Pferde habe und wir von früh ½ 5 - abends ½ 9 Uhr Dienst haben so ist man sehr froh wenn man ins Bett gehen kann, es dauert nur noch 8 Tage dann ist die Heuernte vorbei vielleicht haben wir dann nur wieder Munition zu fahren. Hier brennt die Sonne unerhört hatten auf 2 Tage wieder Gewitter, welche aber nicht so heftig auftreten als wie zu Hause. An der Front geht es, aber unterbrochen mit Geschützfeuer, die Franzosen versuchen überall jetzt Durchbrüche aber sie werden kein Glück haben wir waren vorigen Dienstag Munition fassen da sende ich Euch eine Ansicht von unsern Abkochen, ich habe mich auch Photographieren lassen, da schickte ich Robert eine, dafür bekam ich den andern Tag auch von ihm eine verehrt der andere ist der Rekrut Priedemann mit dem ich von Bautzen abging. Von mir sind 2 Stück so gieb eine den Eltern und richte viele Grüße aus. Heute Montag war ich bis Nachmittag in Rethel wir holten Bier, Butter, Wurst und anderes mehr für den Kantienengebrauch da hatten wir Zeit uns 3 Stunden umzusehn, so muß ich nur sagen wer es nicht gesehen hat kann sich dieses nicht vorstellen was von dem schönen Städtchen alles niedergeschossen ist, jetzt wandelt aber deutsches Militär kreuz und quer und nur diese behaglichen Einrichtungen wie sich so mancher verschafft hat, da sieht ma herrliche Verandas an den Abhängen die sich mancher deutscher Künstler hier gebaut hat. Eure Karten und Packetchen habe ich am Sonntag erhalten es freute mich daß Pfefferminzküchel darin waren mir ist jetzt immer so schlecht im Magen, denn das Wasser ist hier sehr schlecht, getrunken darf ja gar keins werden nur Kaffee, Kakao oder Thee muß gekocht werden, so möchte ich Euch bitten, schickt mir bei Gelegenheit ein kleines Fläschchen mit Johannesbitter oder anderen Schnaps oder Tropfen. Ich will nun schließen in der Hoffnung, daß Euch mein Brief in bester Gesundheit antreffen möge verbleibe ich Euer Vater.
Letzter Brief....Im Felde d. 12. 10. 15 Liebe Frau u. Kinder! Euren Brief nebst Karten habe ich erhalten, (wofür) so bedanke ich mich herzlich. Wir sind jetzt in der Champagne und liegen bei Manre. Unsere Feuerstellung liegt im Walde bei Tahure , welches von uns erstürmt wurde. Da ich sehr wenig Zeit habe so schreibe ich Euch darüber einandermal so Gott will. Bin noch gesund u. munter was ich auch von Euch Allen hoffe. So verbleibe ich
Euer Vater!
Die amtliche Nachricht...
Frontkamerad schreibt Großmutter...Neu le beck, den 6./11. 1915 Sehr geehrte Frau Zöllner u. Familie!
Er sagte mir: Sie wären vielleicht böse mit ihm weil er sich freiwillig ins Feld gemeldet hätte. Dazu muß ich ihnen nun mitteilen, Oskar hat sich freiwillig gemeldet aber zur Munitionskolonne. Dort haben sie ihn nicht mehr gebraucht, und wie wieder Leute zur Batterie angefordert wurden haben sie Oskar daraufhin mit ins Feld genommen. Oskar hätte sich nicht zur Batterie gemeldet. Ich hab mich auch nicht zur Batterie gemeldet und mußte auch mit raus. Es ist eben jedem Menschen sein Los bestimmt. Wir hatten ja alle nicht viel Lust zu diesem Regiment, weil es immer in schweren Kämpfen steht. Wie wir nun in Frankreich waren, mußten wir immer die ganze Nacht Munition fahren und ich kann sagen 4 Tage und Nächte bin ich das eine mal nicht zum Schlafen gekommen. Auch Oskar hatte es tüchtig satt. Ich hatte dann eine Bude gebaut, wo wir Beide drin schlafen konnten. Den letzten Tag wie er fiel sollte es nun besser werden. Einer von uns Beiden sollte nun abends mitfahren und da war gerade Oskar dran.
Diesen Abend nun sah ich ihn auch nicht gern gehen denn es war ein tüchtiges feindliches Feuer und da geht man nicht gern raus. Ich habe manchmal zu Oskar gesagt, wenn die Granaten neben uns einschlugen der liebe Gott wird uns schon beschützen, denn ich habe festes Vertrauen auf den lieben Gott, daß er mich gesund wieder zu meinen Lieben in die Heimat bringt. Oskar war nun zum letzten Abend schnell verschwunden, ich hab ihn nicht gehen sehen. Als ich schlief kam der Schneider zu mir und sagte mir daß unser lieber Kamerad gefallen sei. Es war mir gar nicht möglich, aber er kam nicht wieder. Ich habe ihn auch nicht wieder zu sehen bekommen denn er wurde in der Nähe der Geschütze etwa 3- 4 km von unserem Lager entfernt begraben. 3 Mann mußten sein Grab auswerfen und gegen Abend beim Donner der Geschütze ist er begraben worden. Sein Grab ist in Kreidefelsen gehauen und der Hügel mit Kreidefelsen besetzt. Ich habe ihm einen Blumenstrauß auf sein Grab legen lassen und die Kameraden in der Feuerstellung haben ihm einen Kranz aus Kiefernreisig gewunden. Ich konnte bei der Feier nicht mit dabei sein denn ich darf nicht vom Lager fort und mit dem Begräbnis muß ein ruhiger Augenblick abgewartet werden da fortwährend die feindlichen Geschosse dort einschlagen und noch mehr Kameraden dadurch gefährdet sind. Neben ihm liegen noch 45 Kameraden, auch Offiziere von anderen Regimentern die genauso wie Oskar begraben sind. Das Begräbnis bei Oskar ist nun wie folgt gewesen. Er ist in zwei Zeltplanen ein gebettet worden und ins Grab gelegt. Einen Sarg konnten wir nicht beschaffen, auch war kein Geistlicher anwesend, aus dem Grunde, weil es so sehr nahe an der feindlichen Stellung war. Die anderen Kameraden sind genauso beerdigt. Der Herr Oberleutnant hat die Grabrede gehalten und sehr schön gemacht, die Kameraden aus der Feuerstellung sind alle mit dabei gewesen. Der Herr Oberleutnant hat eine Photographie von der Leichenfeier machen lassen. Hoffentlich wird er Ihnen eine zusenden. Ferner ist eine genaue Skitze von der Stelle gemacht worden, wo Ihr lieber Mann begraben liegt, die werden Sie auch noch erhalten. Vom Grabe ein Bild ist uns nicht möglich, da wir jetzt wieder in Belgien sind. Sie müssen sich nun das zum Trost nehmen, daß Oskar nicht hat leiden brauchen. Er hat auf dem Wagen gesessen wie die Granate kam und ein Sprengstück hat ihn auf den Kopf geschlagen daß das Gehirn blosgelegt war und ein anderes hat ihm den rechten Arm zerschmettert, er hat nicht den geringsten Laut von sich gegeben, als ihn die Kameraden aufgehoben haben ist er schon tot gewesen, er hat auf dem Gesicht gelegen. Seinen anderen Kameraden den haben wir noch verbunden, dem hatte es das rechte Bein zerschmettert. Dieser hatte noch eine Weile gelebt. Sie schrieben ob er Zeit zum schreiben hatte, natürlich ich schrieb doch auch immer. Er hat nur immer auf einen Brief von Ihnen gewartet und sagte Sie würden böse auf ihn sein, weil Sie vielleicht denken werden, daß er sich freiwillig ins Feld gemeldet hatte, bis dann endlich am Unglücksabend der Brief von Ihnen kam, da hatte Oskar Freude darüber. Vielleicht ist es mir möglich, mich mit Ihnen später einmal auszusprechen. Ich hab dann folgende Adresse
Magnus Grundmann
Für heute hätte ich Ihnen nun weiter nichts mitzuteilen. Hoffentlich wird der Krieg nun bald alle. Oskar seine Sachen hab ich eingepackt und Ihnen zugesandt. Sollte noch etwas fehlen so schreiben Sie mir bitte. Es grüßt Sie und Ihre Lieben ein Freund, der herzlichen Anteil nimmt an Ihrem schwehren Verlust. Auch ich habe Vater und Mutter verloren und weiß was es zu bedeuten hat sein Liebstes herzugeben. Magnus Grundmann
Noch einmal Herr Grundmann...Im Felde, den 21./11 1915 Sehr geehrte Frau Zöllner. Heute nun komme ich nun dazu, Ihnen auf Ihren lieben Brief zu antworten. Ich freue mich, daß die Sachen meines lieben gefallenen Kameraden in der Heimat vollzählig angelangt sind. Für die Mühe haben Sie nicht viel Ursache zu danken, das tut man ja ganz gern aus Kameradschaft und es ist auch unsere Pflicht. Mir geht es soweit noch gut was ich auch von Ihnen Allen hoffe. Da unten war noch ein Kamerad gefallen, dem hatte es ein Bein vollständig zerschmettert und 4 andere und ein Offizier waren verwundet. Die Kämpfe haben dort noch lange angedauert und von der Infantrie wird mancher nicht mehr am Leben geblieben sein. Wenn wir fortkommen? Wo wir jetzt sind darf ich Ihnen nicht verraten, das ist uns streng verboten. In Stellung sind wir jetzt wieder, da läuft uns der Schlamm auf den Wegen oben zu den Stiefeln rein. Oskar ist ungefähr 14 Tage mit in dem Gefecht gewesen. Er tat seine Arbeit gern und hatte keine Angst. Betreffs der Ansichtskarten stehe ich, wo der belgische Schuster drauf ist, an Oskars linker Seite und wo Oskar Wache hat bin ich auch mit dabei. Wir sehen uns unsern Oskar noch manchmal auf meiner Karte an. Anbei sende ich Ihnen die Blechflasche wieder zurück, haben Sie noch mals vielen Dank dafür. Vielleicht können wir uns später mal wieder darüber besprechen. Wenn Sie sonst noch Fragen haben, die will ich Ihnen sehr gern beantworten. Hoffendlich wird bald Frieden. Möge der liebe Gott Sie und Ihre Familie noch recht lange gesund erhalten, daß Sie Ihren Kindern noch eine gute sorgsame Mutter sein können. Der liebe Gott wird Ihnen nach Ihrem schweren Schlag wieder aufhelfen und Sie trösten. Es gibt ja so viele die das selbe Schicksal teilen. Nun leben Sie wohl und sind Sie und Ihre lieben Angehörigen viele mal gegrüßt von Ihres lieben Gatten Kameraden Magnus Grundmann |
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