Mein Vater Hanns Berekoven wurde 1893 in Frankfurt am Main geboren,
wuchs in Köln Klettenberg auf, hatte zwei Schwestern, die
Vorfahren stammten aus der Eifel, sein Vater war Adressbuchverleger
in Köln.
Nach dem Volksschulabschluss (1900-1908) Besuch der Lehrerausbildung
(mit Internat) in Bonn (ca. 1908-1912). Anstellung als Lehrer
in der Eifel in Lüttelbracht ca. bis 1921. Dort Anstellung
als Organist, bei Wind und Wetter das ganze Jahr hindurch morgens
vor dem Schuldienst per Fahrrad zur Kirche und anschließend
zum Schuldienst (bis ca. 1921). In der Freizeit gab er Gitarrenunterricht,
machte Wanderungen in der neu entstandenen Jugendbewegung "Wandervögel".
Sie entdeckten die Schönheit der Natur in Nah und Fern, sogar
bis in die Alpen. In geselligem Kreis von Gleichgesinnten, man
pflegte Literaturlesungen, Musizieren und gute Gespräche,
lernte er meine Mutter in Xanten am Niederrhein kennen. Als katholischer
Lehrer und katholische Lehrerin konnte man sich nur im Geheimen
außerhalb treffen.
Meine Mutter war Lehrerin in Bonn, im Schulbezirk des Schwagers
(das war ihren Eltern eine gewisse "Sicherheit"). Meine
Eltern heirateten 1921, und mein Vater bekam später eine
Anstellung zunächst als Oberlehrer, dann als Studienrat in
Duisburg an der Städtischen Studienanstalt für Mädchen
in der Landgerichtsstraße. Zu dieser Zeit war die Wohnungsnot
groß und die erste Unterkunft nur ein Behelf. 1924 wurde
ich als erstes Kind geboren.
Vater unterrichtete Musik, gab Klavierstunden und Gesangsstunden
in unserer Wohnung und schrieb lange Jahre für die Tageszeitung
"Echo am Niederrhein" die Kritiken für alle Konzert-,
Opern- und Operettenaufführungen im großen Duisburger
Theater und in der Tonhalle. Am Tag bereitete er sich darauf vor,
und in den späten Abendstunden schrieb er in der Redaktion
die Kritiken. Er besaß zu dieser Zeit schon sein ersts Auto.
Ein Opel. Damit konnten wir sogar nach Köln fahren zu seiner
Mutter und seinen Schwestern. Bei dieser Gelegenheit probierte
er auch seinen ersten Photoapparat aus mit Blitzlicht. Die Aufnahmen
sind auch heute noch eine schöne Erinnerung.
In der Höheren Schule führte mein Vater im Musik-Klassenunterricht
die Blockflöte ein und besorgte selber die Flöten und
später auch durch gute Beziehungen beim Geigenbauer mehrere
Geigen zu günstigen Preisen. Bald fand er in der schönen
Umgebung von Duisburg in Wedau ein passendes Haus für uns
(wir waren inzwischen zwei Kinder, mein Bruder wurde 1927 geboren).
1933 zogen wir ein: Haus mit Garten, an einem Baggersee gelegen
- Natur pur! Hier in Wedau gründete Vater einen kleinen Frauenchor,
den ich oft fleißig proben hörte. Er unternahm mit
dem "Chörchen" (und den Partnern und meiner Mutter)
auch eine erlebnisreiche Alpenwanderung; davon gibt es noch ein
Foto. Ich kann mich auch noch ans Geburtstagfeiern erinnern: Im
Sommer ging man dann bei Mondschein baden.
Schon bald hatte Vater einen gut durchdachten Gartenplan entwickelt,
ein Pflug wurde bestellt (woher wohl?), eine Garteneinteilung
mit Raum für Gemüse, Obst, Wiese, Frühbeet, Sandkasten
und Schaukel geplant und rote feine Schlacke für die Hauptwege
besorgt. (Dort lebten wir sehr gut von 1933-1945.)
Unsere Wege zur Schule nach Duisburg waren leicht mit dem Bus,
dem Fahrrad oder Vaters Auto zu bewältigen. Wir bekamen eines
Tages auch einen neuen, größeren Opel. Mit dem ging
es in den Sommerferien zu vier Personen mal in die Eifel, mal
an die Ostsee. Unser See hat uns alle Jahre viel Freude gemacht:
Vater brachte uns natürlich das Schwimmen bei; er baute selbst
(in der Garage als Werkstatt) ein schönes, stabiles Paddelboot
und befuhr damit in den Sommerferien sogar den Rhein. Ein kleines
Zelt reichte als Nachtquartier.
Später gelang es ihm - es war schon etwa im Jahre 1940 -
ein gebrauchtes Segelboot zu kaufen mit 22 m2 Segelfläche
mit einem Schwert zur Stabilisierung von 1,50 m Tiefgang. Mein
Vater und mein Bruder übten sich fleißig in den Regeln
der Nautik, plante mein Vater doch mit Wind, Wellen und dem Schiffsverkehr
auf dem Rhein zurecht zu kommen. Es war besonders für uns
Kinder sehr interessant und hat uns viel Freude gemacht. (Die
Gartenarbeit ging natürlich immer vor, ebenso die Hausaufgaben
für die Schule.)
Im Sommer 1941, meine letzten Ferien, wurde unser schweres Holzboot
auf einen LKW verladen und in Ruhrorter Hafen zu Wasser gelassen.
Wir ruderten von einem Frachtschiff zum anderen, Vater bat um
Mitnahme rheinaufwärts bis etwa Speyer. Schließlich
fand sich ein Kapitän, der bereit war, unser Boot hinten
anzuhängen und uns an Bord zu nehmen. Die vordere Kajüte
stellte sein Sohn (der zweite Matrose) für diese Zeit zur
Verfügung und zog zu seinen Eltern. Keiner hatte gedacht,
dass die Hin- wie auch die Rückfahrt (alleine!) so viele
interessante Erlebnisse bringen würde.
1942 wurden die Bombenangriffe auf die Städte schlimmer.
Für die Nächte hatte mein Vater unseren Einmachkeller
(splittersicher, ohne Außenwand) mit dicken Eisenbahnbohlen
gut abgestützt und mit Liegen versehen. Nur bestand die Gefahr,
dass man verschüttet werden konnte. Drum baute er uns eines
Tages am Ende unseres Gartens ein Schutzgraben-ähnliches
Erdloch, überdeckt mit alten Holzbohlen, Teerpappe und viel
Erdreich. Die Wandverkleidung bastelten wir aus Zweiggeflecht.
Eine Tür gab es nicht. Zwei Bretter wurden unser Sitz. Da
mein Vater und mein Bruder eingezogen waren, verbrachten wir dort
bei nächtlichem Fliegeralarm viele Stunden alleine - sogar
schlafen konnte man ganz gut dank der bequemen Behausung.
Ostern 1942 machte ich mein Abitur und absolvierte ein Jahr Reichsarbeitsdienst
und Kriegshilfedienst. Dann trat ich in Essen bei Siemens eine
Ausbildung zur Elektroassistentin an im werkseigenen Hause. Mein
hatte mir schon einige Wochen vorher diese Stelle vermittelt mit
zweijähriger Ausbildung und Lohn (mit Versicherung bei der
BfA), was sich nach 1945 zur Rentenberechnung sehr bewährt
hat.