Einquartierung in meinem Elternhaus
Nach den großen Angriffen 1943 auf Hamburg, und ebenfalls
nach dem Krieg, gab es in Hamburg Tausende von Menschen, die ihre
Wohnung oder ihr Haus verloren hatten. Viele waren total ausgebombt
und hatten somit auch alles verloren. Unser Haus bekam einige
Brandbombentreffer, die große Löcher in Dach und Fußboden
gerissen hatten. Die Brände konnten gleich gelöscht
werden. Meine Eltern und mein Opa bemühten sich, die Beschädigungen
so schnell wie möglich zu beseitigen.
In unserem Hause wohnten in zwei Etagen meine Großeltern,
meine Tante mit meiner Cousine und meine Eltern und ich. Weil
die Zahnarztpraxis meines Vaters 1943 in Barmbek ausgebombt wurde,
hatte er sich in einem Raum das Sprechzimmer eingerichtet. Trotzdem
mußten wir noch zwei Zimmer zur Verfügung stellen.
Ein Zimmer bewohnte ein Soldat mit seiner Frau, die in der Jüthornstraße
ihre Wohnung verloren hatten. Wegen einer schweren Kriegsverletzung
arbeitete er jetzt in der Litzmann-Kaserne. In das zweite Zimmer
zog ein frisch verheiratetes Ehepaar, die ebenfalls ausgebombt
waren. Als sie nach etwa zwei Jahren auszogen, kam eine Familie
mit zwei kleineren Kindern, die bei uns zwei Zimmer bezogen. Im
Mittelkeller wurde eine Notküche eingerichtet. 1951 zog diese
vierköpfige Familie bei uns aus. Es war für alle, die
wir aufgenommen hatten, mit viel Mühe verbunden, bis sie
für sich eine richtige Wohnung fanden und sie beziehen konnten.
Ich hoffe, daß alle, die bei uns wohnen mußten, sich
trotzdem wohlgefühlt haben.
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