Kollektives Gedächtnis

Dieser Eintrag stammt von Horst Lippmann (*1933; Interessengruppe "Senioren Schreiben und Lesen", Seniorenbüro Hamburg )
aus Hamburg
, November 2003 :
   Luftangriffe


Einquartierung in meinem Elternhaus


Nach den großen Angriffen 1943 auf Hamburg, und ebenfalls nach dem Krieg, gab es in Hamburg Tausende von Menschen, die ihre Wohnung oder ihr Haus verloren hatten. Viele waren total ausgebombt und hatten somit auch alles verloren. Unser Haus bekam einige Brandbombentreffer, die große Löcher in Dach und Fußboden gerissen hatten. Die Brände konnten gleich gelöscht werden. Meine Eltern und mein Opa bemühten sich, die Beschädigungen so schnell wie möglich zu beseitigen.

In unserem Hause wohnten in zwei Etagen meine Großeltern, meine Tante mit meiner Cousine und meine Eltern und ich. Weil die Zahnarztpraxis meines Vaters 1943 in Barmbek ausgebombt wurde, hatte er sich in einem Raum das Sprechzimmer eingerichtet. Trotzdem mußten wir noch zwei Zimmer zur Verfügung stellen. Ein Zimmer bewohnte ein Soldat mit seiner Frau, die in der Jüthornstraße ihre Wohnung verloren hatten. Wegen einer schweren Kriegsverletzung arbeitete er jetzt in der Litzmann-Kaserne. In das zweite Zimmer zog ein frisch verheiratetes Ehepaar, die ebenfalls ausgebombt waren. Als sie nach etwa zwei Jahren auszogen, kam eine Familie mit zwei kleineren Kindern, die bei uns zwei Zimmer bezogen. Im Mittelkeller wurde eine Notküche eingerichtet. 1951 zog diese vierköpfige Familie bei uns aus. Es war für alle, die wir aufgenommen hatten, mit viel Mühe verbunden, bis sie für sich eine richtige Wohnung fanden und sie beziehen konnten.

Ich hoffe, daß alle, die bei uns wohnen mußten, sich trotzdem wohlgefühlt haben.

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