Das vom Wald umgebene Dorf Terentjewo beim Oranienbaumer Kessel
lag zwischen den Fronten als Niemandsland. Mitte Januar wurden
dort jedoch feindliche Soldaten beobachtet. Am 30. Januar 1942
sollte ein 120 Mann starker Stoßtrupp den Ort, von dem keiner
die darin befindliche Feindstärke kannte, vernichten.
Als wir am Waldrand vor Terentjewo gegen 8 Uhr morgens die Bereitstellung
eingenommen hatten, schoß unsere Artillerie zu kurz in unsere
eigenen Reihen und verletzte Männer vom Sanitätspersonal.
Eine Leuchtkugel, die wir nun sofort abschießen mußten,
verriet schon dem Feind unsere Anwesenheit. Um 8.30 Uhr stießen
unsere Gruppen in das Dorf hinein, ohne zunächst nennenswerten
Widerstand zu finden. Aber dann war im Dorf die Hölle los.
Fast jedes Haus war ein getarnter Bunker.
Unsere Soldaten waren in eine Falle geraten. Der Russe ließ
keinen mehr aus Terentjewo heraus. Im Ort gab es die härtesten
Nahkämpfe. Unser Funktrupp rief den Reservezug heran, der
auch schnellstens herbeieilte. Geballte Ladungen flogen in die
Bunker, die Häuser wurden in Brand gesteckt.
Jetzt erhielten wir einen Funkspruch: "Feind bekommt Verstärkung
aus Wjarrepol. Sofort zurückziehen!" Immer dringender
wurden diese Worte durch den Äther gejagt.
Oberleutnant Klingenberg gab nun Befehl, sich vom Feind zu lösen.
Tote und Verwundete mußten zurückbleiben. Einige Kameraden
konnten erst nachts ihre Deckung verlassen, mußten also
trotz der Kälte von -15° bis zur Dunkelheit in ihren
Schlupfwinkeln bleiben. Die Verluste waren deshalb anfangs nicht
zu übersehen. Die feindlichen Granatwerfer, die unseren Rückzug
erschweren sollten, verfehlten zum Glück ihr Ziel. Im letzen
Augenblick entzogen wir uns der Einkesselung.
Später wurde festgestellt: 11 Tote und 18 Verwundete kostete
das Unternehmen. Einige Häuser mit vollbesetzten Bunkern
des Russen waren vernichtet worden. Aber nie werde ich die Verwundeten
vergessen, die wir zurücklassen mußten. Erst ihre Rufe
nach den schon ausgefallenen Sanitätern und dann bei unserem
Rückzug ohne sie, weil es uns wirklich nicht mehr möglich
war, an sie heranzukommen.