Als Soldat nach Paris 1940
Ausbildung in der Wehrmacht 1940
Nach meiner Ausbildung in Hannover kam der große Tag, der
Einsatzbefehl lag vor. In sehr kurzer Zeit mussten wir marschbereit
sein, nur wohin, das wussten wir (noch) nicht, das Ziel war "streng
geheim." Alle noch vorhandenen zivilen Dinge mussten wir
verpacken und nach Hause schicken. Es durfte nichts davon mitgenommen
werden und unser Gepäck wurde dann auch kontrolliert, ob
wir nicht doch noch etwas "ziviles" eingepackt hätten.
Das war direkt spannend, das wirkte fast so, wie ein Geheimauftrag
für unsere Einheit, was aber Unsinn war, nur das Militär
konnte ohne Geheimhaltung nicht leben, auch wenn es sich nur um
Banalitäten handelte. Als alles geregelt war, wurde die Einheit
als fahrende Kolonne zusammengestellt, und in geschlossener Formation
ging es zum Güterbahnhof Hannover. Dort erfolgte Verladung
der Fahrzeuge auf einen Güterzug, bei der es aber für,
den Anfänger Werner Mork als LKW-Fahrer schon etwas schwierig
war, gut und sicher mit dem LKW auf den Verladewaggon zu kommen,
aber ich schaffte es, und das sogar zur Zufriedenheit des Schirrmeisters.
Der Zug setzte sich nach Erledigung der Verladungen nun in Bewegung
und fuhr in Richtung Westen.
Im Raum Aachen wurden wir wieder abgeladen, um dann auf eigenen
Achsen weiter zu fahren, über die deutsche Grenze nach Frankreich.
Beim Grenzübertritt wurde uns dann vom Hauptmann unser Ziel
genannt, und das hieß Paris! Das konnten wir zuerst nicht
fassen, nicht nur nach Frankreich, sondern sogar in die Hauptstadt
des Landes, nach Paris.
Das erschien mir zuerst als ein Traum, den ich, trotz Wachsein,
noch nicht glauben konnte. Zwar hatte ich innerlich davon gesponnen,
im Krieg möglicherweise eine mir noch völlig unbekannte
Welt zu erleben, dass das nun aber die Weltstadt Paris sein würde,
das hätte ich mir aber nie träumen lassen. Und diese
Möglichkeit wurde mir vom Militär geboten - war es da
nicht wirklich schön, Soldat zu sein? Der Krieg als Grauen,
kam mir dabei nicht zu Bewusstsein.
Wir alle waren überrascht, als deutsche Landser nun Paris
kennen zu lernen, das erschein uns allen als sehr unwirklich,
aber es wurde Wirklichkeit. Vor unserem Einzug in diese Stadt
mussten die Fahrzeuge noch geputzt werden, und wir selber taten
uns auch noch eine Reinigung an. Schließlich sollten wir
doch als gepflegte Soldaten in Erscheinung treten. Ein guter Eindruck
war erforderlich, auch wenn wir, mit unserer Einheit nur eine
kleine Truppe waren, die nach Paris reinrollten.
Es war ein schöner Spätsommertag, an dem wir säuberlich
und exakt ausgerichtet auf dem Place de la Concorde unsere Fahrzeuge
abstellten, vor einem Gebäude das bisher das französische
Marineministerium gewesen und nun Sitz des deutschen "Kommandierenden
Admirals von Belgien und Nordfrankreich" war. Wir fragten
uns, was wir vom Heer denn mit der Marine zu tun hätten,
um dann aber von unserem Hauptmann aufgeklärt zu werden,
nachdem er in diesem Gebäude von dem zuständigen Stab
seine weiteren Orders erhalten hatte. Unser Einsatz als Feld-Nachrichten-Kommandantur
war vorgesehen im Raum Calais bis nach Cherbourg, um dort für
die Marine-Küstenartillerie ein Fernmeldenetz aufzubauen.
Tja, und damit war der Traum auf einen Einsatz in Paris schon
wieder ausgeträumt. Aber bevor wir Paris wieder verlassen
müssten, verblieben uns noch einige Tage des Wartens, wie
eben üblich beim Kommiss. Dieser, für uns sehr angenehme
"Zwangsaufenthalt" in Paris wurde nun von uns genossen.
Unser Hauptmann gab uns für diese Tage weitgehend "dienstfrei."
Nur morgens gab es einen kurzen Appell und dann herrschte Freizeit!
Der Kommiss konnte direkt sehr angenehmen Seiten haben. Das lag
aber auch daran, dass der Hauptmann und seine Offizierskameraden,
selber gerne die günstige Gelegenheit nutzen wollten nun
Paris "etwas" näher kennen zu lernen.
Uns alle plagte keinesfalls ein Unrechtbewusstsein, auch nicht
das Gefühl, hier, in Paris bzw. Frankreich etwa nicht sein
zu dürfen. Warum auch? Wir befanden uns in einem Krieg, in
dem wir den einen Feind, die Franzosen besiegt hatten, in ihrem
eigenen Land und nun waren wir in diesem Land als die Sieger.
Das empfanden wir als völlig normal, so normal, wie es zu
allen Zeiten immer und überall doch der Fall war. Es hatte
nicht nur immer Kriege gegeben, es waren nicht nur immer wieder
feindliche Länder besetzt worden, wenn die Sieger das konnten,
es waren doch auch zu allen Zeiten die jeweiligen Herrscher und
Feldherren immer die "Großen" gewesen in den von
ihnen geführten Kriegen, wenn sie Sieger waren. Die gesamte
Menschheitsgeschichte war und ist doch voll davon und wir, die
Deutschen hatten doch in der Schule ausführlich über
die Taten dieser Großen gehört.
Was sollte nun also schlecht oder unrecht sein, wenn wir, die
jetzigen Sieger nun als Soldaten unsere Pflicht erfüllten
in dem, von uns besetzten Teil Frankreichs. Das war nun mal eine
Folge des Krieges und doch kein Verbrechen, weil es immer so war
in all den Kriegen, die es bisher gab. Somit empfanden wir uns
nicht als Soldaten einer gewissenlos agierenden Macht, traten
auch nicht als Unterdrücker auf, fühlten uns nicht als
schlechte Menschen in dem Land Frankreich und die Franzosen empfanden
uns damals, im Jahre 1940 auch nicht als blutrünstige Nazis,
die sie nun unterdrücken und versklaven würden. Wir
hatten kein schlechtes Gewissen in Frankreich, wir fühlten
uns wohl in dem Lande in dem wir uns ungehindert bewegen konnten,
in dem uns kein Hass entgegenschlug, in dem uns, besonders in
Paris, die Bevölkerung nicht wütend gegenüberstand.
Und wir fühlten uns in der Zeit auch nicht als Besatzer,
die nun mit roher Gewalt die Unterlegenen misshandeln würden,
unser Auftreten war ein absolut einwandfreies Auftreten, das auch
so von den Franzosen zu der Zeit gesehen und anerkannt wurde.
Das alles, was sich jetzt abspielte, gehört zu dem damals
noch als "normal" geltenden Krieg, den die einen verloren
und die anderen (vorerst) gewonnen hatten. Die Damen und Herren,
die das noch immer anders sehen wollen, die mögen sich doch
bitte einmal ausführlich mit dem damaligen Geschehen auseinandersetzen
und sich mit den realen Gegebenheiten befassen. Es gibt darüber
auch viele Literatur, die sich mit den Zeiten sehr ausführlich
befasst.
Die Wehrmachts-Kommandantur Paris hatte unserer Einheit als Quartier
nicht eine Kaserne, o.dgl. angewiesen, sondern ein äußerst
komfortables Hotel in der Innenstadt. Das war das "Hotel
Opera" in unmittelbarer Nähe der Pariser Oper, in der
Rue de Hanovre, was ja fast heimatlich war, für uns, die
wir aus Hannover kamen. In nächster Nähe befand sich
die Metro-Station "Place de la Opera". Wir waren direkt
fassungslos über das, was uns hier als Unterkunft geboten
wurde. Besonders beeindruckte uns der Komfort in den Hotelzimmern,
der uns doch völlig unbekannt war. Da gab es nicht nur eine
Badewanne mit Dusche, nicht nur eine Toilette im Bad, sondern
auch noch ein Bidet mit dem wir überhaupt nichts anfangen
konnten, aber bald über Sinn und Zweck aufgeklärt wurden.
Untergebracht wurden wir zu dritt in den Zimmern, die Uffz. durften
zu zweit ein Zimmer benutzen und die Herren Offiziere hatten natürlich
Einzelzimmer. Aber das störte uns nicht, wir waren in Paris,
hatten ein für uns tolles Unterkommen. Wir fühlten uns
wie der bewusste Gott in Frankreich und wollten diese herrliche
Stadt auch so genießen. Für wie lange uns solches Tun
möglich sein würde, wussten wir nicht, und deswegen
war nun jede Stunde für uns kostbar.
Die so vorsorgliche Stadtkommandantur Paris betreute und versorgte
uns auch mit einem Stadtplan von Paris, ein Bestandteil der vorzüglichen
Wehrmachtsbetreuung. Dieser Plan enthielt alle Sehenswürdigkeiten
der Stadt, auch das komplette Netz der Metro, der U-Bahn. Auf
der letzten Seite dieses Plans, war noch eine besondere Art der
Betreuung ausgedruckt. Da waren auf dem vorderen Teil der Seite,
die Pariser Bordelle aufgeführt, die für die deutschen
Soldaten erlaubt waren und auf dem hinteren Teil waren die verbotenen
Bordelle aufgeführt. Wir staunten nicht schlecht über
diese, so vorsorgliche Betreuung der deutschen Soldaten durch
die zuständige Kommandantur der Wehrmacht. Für uns Soldaten
war es aber auch völlig neu, dass es so etwas gab, dass es
offizielle Bordelle gab für die Soldaten, sogar unterschiedlich
für die Ränge, denn für die "Herren Offiziere"
gab es diese nur für sie und ihresgleichen, da hatten Mannschaften
und untere Dienstgrade "natürlich" keinen Zutritt!
Wenn das die Mütter, die Bräute und die Freundinnen
im Reich wüssten! Das war doch eine direkt geförderte
Unmoral, oder etwa nicht? Das erschien uns schon etwas sonderbar,
wie konnte es möglich sein, dass solch verwerfliches Tun
in der Wehrmacht gestattet war, und das in dem Staat, der sich
doch so ganz anders darstellte in bezug auf die Sittlichkeit.
Aber unsere Verwunderung darüber verging bald, und wir hatten
das "Vergnügen" solche Einrichtungen als zur Wehrmacht
gehörig anzusehen, nicht nur in Frankreich, sondern überall
da, wo es deutsche Soldaten gab, sogar später in Afrika!
Diese Puffs waren entweder bestehende Einrichtungen, die dann
der Wehrmacht zu "dienen" hatten, oder es wurden solche
Etablissements neu eingerichtet, ausgestattet mit "Damen"
aus den betreffenden Gebieten. Wie wir in Paris vernehmen konnten,
wurde dieser perfekte Service sehr gut angenommen, wobei die "Verbotenen"
mehr Zulauf gehabt haben sollen als die "Erlaubten.
Unser Aufenthalt in der Seine-Metropole betrug eine ganze Woche,
eine für uns herrliche Woche. Die so naheliegende Metro-Station
war der ideale Ausgangspunkt für alle unsere Exkursionen
bei Tage und in der Nacht. Es gab nicht einmal einen Zapfenstreich,
wir konnten ins Hotel kommen, wann wir wollten, nur musste gesichert
sein, dass wir am Morgen zum jeweiligen Appell vollzählig
antraten.
Danach kümmerten wir uns kurz um die Fahrzeuge und dann brachen
alle auf zu neuen Erlebnissen in Paris. War da etwa irgendwo Krieg?
Das kam uns überhaupt nicht mehr zu Bewusstsein, wir waren
zwar Soldaten, aber von Krieg war bei uns keine Rede. Dazu trug
auch das Verhalten der Bevölkerung bei, die uns, wie schon
von mir vermerkt, durchweg nur freundlich entgegenkam. Es gab,
damals 1940, keine Ressentiments gegen uns, keinen Widerstand,
keine Gewalt. Nichts war von einer möglichen Feindschaft
zu spüren. Es gab sogar viele Freundschaften, nicht zuletzt
zwischen den deutschen Soldaten aller Ränge und der sehr
entgegenkommenden französischen Weiblichkeit. Aber nicht
nur das, wir wurden freundlich beachtet auf der Straße,
in der Metro, in den Cafes und Restaurants, sowie in den vielen
Vergnügungsstätten. Es schien so, als ob die Franzosen
sich mit der Niederlage nicht nur abgefunden hatten, sondern auch
froh darüber waren, dass der ohnehin ungeliebte Krieg für
sie ein Ende hatte. Die Boches, die Erbfeinde der Franzosen waren
zwar die Sieger, aber man lebte mit denen in einer Fraternisation,
die als erträglich angesehen wurde, und man war bemüht,
aus dieser Situation das Beste machen, und das auf beiden Seiten.
Die gesamte Lage im besetzten Teil von Frankreich war zu der Zeit
nicht von einer Feindschaft gegenüber den Deutschen geprägt,
was ich selber auch vielfach noch erleben sollte. Es war keine
Rede von bösen Nazis, auch nicht von schlimmen Soldaten,
es herrschte in Paris ein gutes Klima, und wir, die deutschen
Soldaten konnten uns völlig frei bewegen, am Tage und in
der Nacht. Es gab keine Zwischenfälle, keiner tat dem anderen
etwas. Und wie in besten Touristenzeiten blühte der altgewohnte
Handel auf den Straßen und Plätzen mit allerhand, vor
allem "unsittlichen" Dingen. Nun wurden den deutschen
Landsern die bewussten Fotos angeboten und verkauft, die als so
furchtbar lasterhaft und unmoralisch galten. Der Bedarf war sehr
groß, die Händler konnten mit dem Umsatz sehr zufrieden
sein. Ich aber kaufte mir damals Bilder von Paris, die auch noch
erhalten sind und eine schöne Erinnerung sind an herrliche
Tage und Nächte in dieser wunderbaren Stadt. Das sage ich
ganz bewusst, weil ich keine Veranlassung habe, mich zu schämen,
ich habe mich absolut wohl gefühlt, ich war und ich bin glücklich
über diese Erlebnismöglichkeiten.
Ich habe keinen Grund, das anders zu sehen. Für mich waren
die Tage ein wirkliches Erlebnis, trotz Krieg. Das anders zu sehen,
wäre Heuchelei und die absolute Unwahrheit. Wir erlebten
und sahen fast alles, was Paris an Sehenswürdigkeiten zu
bieten hatte. Es ging zum Montmartre, zur Sacre Coeur, auf den
Eiffelturm, an die Seine, in den Invalidendom an das Grab von
Napoleon, auf die Champs Elysses, hin zum Triumphbogen und zu
allen anderen Sehenswürdigkeiten, die in einem überreichen
Maße in Paris vorhanden sind. Ein ganz besonderes Erlebnis
war der Blick vom Eiffelturm auf das Panorama von Paris, das war
wunderbar und ist mir unvergesslich geblieben. Ich bin froh darüber,
dass ich diese Möglichkeiten damals habe erleben und genießen
dürfen, und das als ein Jüngling, der im Jahre 1940,
erst 19 Jahre alt wurde. Ich wiederhole, dass ich mich deswegen
keineswegs schuldig fühle. Ich hatte und habe mir nichts
vorzuwerfen, ich habe mich genauso anständig verhalten wie
auch sonst. Es gibt keinen Grund, dass ich mich zu schämen
hätte, ich war nur ein deutscher Soldat und das war ja nicht
ehrenrührig, auch nicht, dass ich ein Kriegsfreiwilliger
war. Natürlich gehörte ich zur der Armee der Knobelbecherträger,
aber nicht in der Art, wie sie immer dargestellt worden ist. Ich
war einer von den Millionen junger Männer, die sich nicht
bewusst waren, möglichen Verbrechern zu dienen, das konnten
wir nicht einmal ahnen.
Wir entsprachen nicht dem Bild der Hasspropaganda, und das war
auch ein wesentlicher Grund dafür, dass uns damals, in Frankreich
kein abgrundtiefer Hass entgegenschlug, dass wir als ganz normale
Menschen angesehen wurden. Weil wir uns so benahmen, wurden wir
auch von den Franzosen so gesehen. Sie erlebten Soldaten, die
zwar Feinde gewesen waren, aber jetzt, als man sie direkt erleben
konnte, nicht das waren, was man ihnen in der Propaganda (auch
1914) immer wieder vorgesetzt worden war. Aber auch in uns entstand
ein ganz anderes Bild, das nicht mehr verschandelt war vom alten
Erbfeind, der uns immer nur mit Krieg hatte überziehen wollen.
Auch wir revidierten das uns anerzogene Feindbild, wir sahen die
Franzosen nun mit ganz anderen Augen. Es gab damals eine Phase
von Menschlichkeit auf beiden Seiten, auch wenn die "Grande
Nation" über die Niederlage nicht gerade froh war, aber
es entstand eine Bereitschaft, die alte ungute Feindsituation
so zu revidieren, dass sie endgültig der Vergangenheit angehören
sollte. Auch wenn das heute als etwas unverständlich klingt,
weil immer wieder der spätere Partisanenkrieg als Ausdruck
von Feindschaft auf beiden Seiten hingestellt wird, so war es
doch so, dass es damals viele positive Anzeichen einer Völkerverständigung
gab, sogar zu einer möglichen Einheit Europas.
Der General de Gaulle rief zwar aus dem englischen Exil zum weiteren
Kampf gegen Deutschland auf, aber zu der Zeit hatte er keine große
Anhängerschar zu verzeichnen, nicht im besetzten und nicht
im unbesetzten Teil Frankreichs. Nur kam es dann leider dazu,
dass aus einer beginnenden Freundschaft wieder eine schlimme Feindschaft
wurde. Eine Folge der sehr ungeschickten Politik der Reichsregierung,
des Größenwahns von Hitler samt seiner so unfähigen
Gefolgsleute und dem großkotzigen "Herrn" von
Ribbentrop, der als Aussenminister agierte. Die deutsche Maßlosigkeit
machte alles zunichte, was sich irgendwo mal regte im Hinblick
auf ein anderes Europa. Natürlich ist es als fraglich anzusehen,
ob ein neues, ein anderes Europa, das unter der Herrschaft des
NS-Regims gestanden hätte, überhaupt möglich gewesen
wäre. Aber damals, da dachten viele, auch ich junger Spund,
dass es jetzt zu einem neuen Europa kommen würde, wir glaubten
an diese Möglichkeit und an das Bestehen unter deutscher
Führung. Wir wussten nichts von dem, was in den Köpfen
"unserer" Führer herumspukte, welchen abstrusen
Gedankengängen, vor allem der Reichsführer der SS, der
"Herr" Himmler anhing. Wobei allerdings der Germanenwahn
nicht nur bei ihm verbreitet war, dieser Ideologie hingen viele
Europäer in anderen Ländern an, auch in Frankreich.
Das alles war aber 1940 noch nicht so, dass es Hass gegeben hätte,
noch gab es eine ausgesprochen menschliche Situation, hüben
wie drüben. Und weil dem so war, fühlten wir uns auch
wohl in dem Land, das für uns kein Feindesland mehr war,
wir hatten mit den Franzosen unseren Frieden gemacht, für
uns waren das keine Feinde mehr.
Nur wenige Monate nach dem Waffenstillstand war das alles möglich,
und das ohne Ressentiments seitens der Menschen in Paris. Unser
einwöchiger Aufenthalt in Paris war voller Erlebnisse, die
durch nichts getrübt wurden. Es gab keine Probleme, auch
wenn es sicher schon etwas seltsam erschien, dass nun deutsche
Soldaten in den Cafes und Restaurants saßen, aber auch in
diesem Spätsommer gemeinsam mit Franzosen draußen vor
den Lokalen, an den gleichen Tischen. Sie wurden bedient, wie
jeder andere Gast, gleich ob sie alleine waren, oder in Gesellschaft
einer netten Mademoiselle. Es gab keine abfälligen Äußerungen,
keine Distanzierungen, sondern weitaus eher Versuche, auch seitens
der Franzosen, miteinander in ein Gespräch zu kommen. Das
Klima der Verständigung war vorhanden und es dachte keiner
mehr daran, dass es noch einmal Krieg geben könne, in dem
sich diese Menschen wieder erneut als Feinde gegenüberstehen
würden.
Als Soldat in Frankreich 1940
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