Die Stimmungslage im Frühjahr 1941
Soldatenleben in Frankreich 1940/41
Wir, die Soldaten an der Westfront, die ja eigentlich keine mehr
war, die erst wieder eine sein könne, wenn die Invasion durchgeführt
wird, dachten nicht an die anderen Länder, die von deutschen
Soldaten besetzt waren und auch nicht an unsere Kameraden, die
sich dort im Einsatz befanden. Wir wussten auch kaum etwas von
dem Geschehen in den anderen Ländern, wie z. B. in Polen,
in Norwegen und Dänemark, und nur wenig vom Krieg auf dem
Balkan. Unser Wissen beruhte auf dem, was der Wehrmachtsbericht
täglich meldete und auf dem, was in den sogenannten Soldatenzeitungen
berichtet wurde.
Wenn auch die Informationen nur über die Wehrmachtsberichte,
Sondermeldungen und über die von Goebbels gesteuerte Propaganda
zu uns kamen, so hatten viele von uns doch eine eigene Meinung
über den Krieg, so auch über den Balkanfeldzug, der,
so meinten wir, nicht hätte sein müssen. Den Schlamassel
verdankten wir doch nur der Unfähigkeit und der Großmäuligkeit
unseres Verbündeten, den Italienern. Wobei natürlich
in unseren Köpfen auch die Erinnerung an das miese Verhalten
der Italiener im 1. Weltkrieg aufkam, wo sie das Bündnis
mit Deutschland und Österreich verraten hatten und sich unseren
Feinden angeschlossen hatten. Was sollte man von dem Volk schon
groß erwarten, auch wenn Mussolini gewillt war, dieses Volk
endlich zu verändern durch die Erziehung Faschismus! Tja,
wir waren schon gute Nationalsozialisten geworden - leider.
Als dann aber von dem neuen Kriegsschauplatz "Balkan"
großartige Wehrmachtsberichte und Sondermeldungen kamen,
waren wir doch wieder stolz auf unsere Wehrmacht, vor allem über
die Leistungen unserer Fallschirmjäger, bei denen sogar die
Box-Legende Max Schmeling als Freiwilliger diente. Er war über
Kreta mit abgesprungen! Da schlugen unsere deutschen Herzen wieder
ganz hoch und der Stolz war noch stärker in uns als je zuvor.
Vom 20.5. bis zum 1.6.1941 wurde um Kreta gekämpft, der dann
erzielte deutsche Sieg war für uns überwältigend.
Den verdankten wir ganz besonders unseren tapfern Fallschirmjägern,
sie hatten den Hauptanteil an dem Sieg über die Engländer,
die sich auf Kreta festgesetzt hatten, und nun mit ihren kläglichen
Resten wieder einmal vor den Deutschen fliehen mussten, jetzt
in Richtung Ägypten zu der Armee, die in Nord-Afrika gegen
die Itaker kämpfte, aber dort mit Erfolg.
Die deutschen Fallschirmjäger waren eine Truppe, auf die
wir, die Deutschen sehr stolz sein konnten. Das war eine wirkliche
Elite, die in der neuen Wehrmacht neu entstanden war. In ihre
diente beste deutscher Jugend, alles nur Freiwillige. Und das
große deutsche Boxer-Idol hatte sich als Freiwilliger dieser
Truppe zur Verfügung gestellt, das war doch eine echte deutsche
Tat, die aus tiefster nationaler Überzeugung entstanden war.
Dass das u.U. ein Propagandatrick sein könnte, daran dachte
keiner. Schließlich war er, der Maxe, unter dem starken
englischen Beschuss abgesprungen, gemeinsam mit seinen Kameraden,
wobei er sogar verwundet worden war! Wie hätte das denn Propaganda
sein können?
Die Tat von Max Schmeling war für uns eine Bestätigung
dafür, dass unser neues Reich ein wirkliches neues Deutschland
war, welches von Hitler zu Ehre und Ruhm geführt wurde, in
dem die Besten des Volkes zu seinen Gefolgsmännern gehörten!
Wir lebten in einer wirklich großartigen Welt, in der uns
der Krieg, trotz der Opfer an der Front und in der Heimat, nicht
als Verbrechen erschien, sondern als eine Kette von ruhmreichen
Taten für unser Vaterland, die uns mit Stolz erfüllten.
Und weil das nun auch auf dem Balkan so war, waren die anfänglich
entstandenen Bedenken restlos verflogen, wir hatten es wieder
einmal der Welt und vor allem den Itakern gezeigt, wie man Krieg
führt, und wie in diesem Krieg deutsche Soldaten Leistungen
erbringen, die einmalig sind. Traurig stimmten uns aber die hohen
Verluste, die besonders die Fallschirmjäger erlitten hatten,
aber auch die dort ebenfalls eingesetzten deutschen Gebirgsjäger.
Wenn aber mit dem Erfolg dieses Einsatzes, die Front, die dem
Mister Churchill vorgeschwebt hatte, von den Engländern nicht
errichtet werden konnte, und das Mittelmeer kein Meer der Engländer
mehr war, dann waren diese schweren Opfer nicht umsonst gewesen!
Im Frühjahr des Jahres 1941 entstanden erste Gerüchte
über angeblich deutsche Soldaten nun auch in Nord-Afrika.
Es wurde darüber gemunkelt, aber nähere Einzelheiten
wurden nicht bekannt. Eigentlich war nur die Rede von einem deutschen
Kommando in Nord-Afrika, das den dort geschlagenen Italienern
helfen sollte, einen Neuaufbau ihre Armee durchzuführen.
Diese Gerüchte trugen mit dazu bei, unsere nicht sehr freundliche
Meinung über den Verbündeten zu verstärken. Dieser
"Verbündete", so schien es, wollte wohl auf unsere
Kosten seinen sehr eigenen, wenn nicht eigenwilligen Krieg führen,
ohne dafür aber die erforderlichen Fähigkeiten zu besitzen.
Es wurde auch darüber gesprochen, dass schon "damals"
in Abessinien die Italiener große Probleme und Schwierigkeiten
gehabt hätten. Und das in einem Krieg gegen ein doch völlig
armes Land, das kaum gerüstet war. So ergaben sich bei uns
immer wieder, und nun vermehrt, erhebliche Zweifel an diesem Verbündeten
und auch an den Fähigkeiten des Duce. Es gab aber in der
Zeit noch keine negativen und destruktiven Ansichten zu dem Krieg
und seinem bisherigen Verlauf. Das lag nicht zuletzt daran, dass
wir noch der Überzeugung waren, dass Kriege unvermeidbar
seien, wie doch auch die Geschichte dafür jede Menge an "Beispielen"
lieferte.
Dahin zu kam jetzt aber unsere Meinung, dass dieser Krieg doch
ganz anders war als der 1. Weltkrieg, mit seinen erbarmungslosen
Materialschlachten und dem grauenhaften Stellungskrieg in den
Schützengräben der Westfront, wie auch der damaligen
Ostfront. Dieser neue Krieg, der noch nicht als der 2. Weltkrieg
galt, war völlig anders. Dieser Krieg war ein moderner, bisher
so noch nicht gekannter Bewegungskrieg, der die deutschen Soldaten
bisher an allen Fronten von Sieg zu Sieg geführt hatte. Wir
alle waren von diesen Siegen nicht nur begeistert, wir alle waren
von einer fast permanenten Siegesorgie so angesteckt, dass wir
uns in einer Art von Rauschzustand befanden. Uns erschien alles
möglich, wir würden und könnten nur noch siegen
und dabei erschien es uns, wie ein kaum fassbares Wunder, dass
diese großartige Wehrmacht in nur wenigen Jahren so stark
und kräftig geworden war. Bewundernswert war auch die Logistik
und das ganze Führungssystem mit dem es möglich war,
die Wehrmacht so zu stationieren, dass sie reibungslos ihren "Aufgaben"
nachkommen konnte in den vielen Ländern, die von der Wehrmacht
besiegt und besetzt waren. Es funktionierte einfach alles, auch
die Versorgung und Betreuung der Soldaten in all diesen Ländern.
Bei dieser Bewunderung war es kein Wunder, dass wir, die Soldaten
vom deutschen Sieg so fest überzeugt waren. Und wir waren
auch davon überzeugt, dass wir, die Deutschen nach dem Krieg
eine Neue Welt aufbauen würden. Eine Welt voller Frieden
und in einem allgemeinen Wohlbefinden. Die Opfer dieses Krieges
sollten wirklich nicht umsonst erbracht werden, die würden
als echte Helden in die neue deutsche Geschichte eingehen. Dass
in der Heimat Frauen um ihre gefallenen Männer, Söhne,
Freunde und Verlobten weinten, war zwar traurig, aber unvermeidbar
im Krieg. Wobei es aber in diesem Krieg doch (noch) so war, dass
die Opfer doch gering waren im Gegensatz zu den Opfern des 1.
Weltkriegs.
Mit dieser Denkweise, die allgemein üblich war, wurde keineswegs
der schlimme Krieg schöngeredet, sondern als der nun mal
notwendige Krieg angesehen, der uns doch aufgezwungen worden war
- so sahen wir noch immer das, was am 1.9.1939 seinen Anfang genommen
hatte. Bei dieser Denkweise war es daher auch nicht verwunderlich,
das es in der Heimat, auch nicht, wo die Bombenangriffe immer
stärker wurden, keinen Hass auf unserer Führung gab,
sondern nur auf den Feind, der die Terror-Angriffe auf die wehrlose
Bevölkerung durchführte. Dieser Hass bezog sich zuerst
auf die Engländer und später auch auf die Amerikaner.
Der war manifestiert in der Wehrmacht und in der Zivilbevölkerung.
Es gab keinen Aufstand des Volkes gegen seine Führung, keine
Massen gingen gegen den Wahn des Krieges an. Die Masse glaubte
bis zur letzten Stunde an das Wunder eines Sieges, zumindest aber
an einen Waffenstillstand mit dem Westen. Die Masse glaubte daran,
dass das Großdeutsche Reich dann weiter leben und existieren
würde, und das sogar weiterhin unter dem Nationalsozialismus.
Als dann aber von den Alliierten die Forderung der bedingungslosen
Kapitulation erhoben wurde, gab erst recht keinen Aufstand des
Volkes, sondern nur ein noch größerer Hass und Widerstand
gegen die Feinde, die doch nur den absoluten Untergang Deutschlands
erreichen wollten.
Damals, im Frühjahr 1941 wurde von vielen deutschen Soldaten
der Krieg noch nicht in seiner wirklichen Brutalität und
in seiner grauenhaften Art und Weise gesehen, weil sie den so
noch nicht erlebt hatten. Auch nicht das elende Krepieren von
Menschen. Die meisten von den jungen Soldaten lebten noch in einer
Wahnvorstellung, die ihnen in der Schule so beigebracht worden
war. Die Mehrheit der Soldaten war der Überzeugung, dass
Opfer erbracht werden müssen, wenn wir, die Deutschen das
endgültige Groß-Deutschland festigen wollen für
alle Zukunft. Und in dieser noch vorhandenen Überzeugung,
wurden die "erforderlichen Opfer" als eine Notwendigkeit
gesehen, bei der das Grauen des Krieges dieser Mehrheit noch nicht
zu Bewusstsein gekommen war. Es sollte noch sehr lange dauern,
bis sich andere Meinungen in den Köpfen einnisteten, und
der Krieg als das gesehen wurde, was er in Wirklichkeit war, ein
sinnloses Morden, das zu Millionen von Krepierten führte.
Aber noch glaubten wir an ein für alle Zeiten bestehendes
Großdeutschland, in dem 80 Millionen Deutsche leben würden,
und das in einem Raum, das diesem Reich auch zusteht. Dann würde
das Reich nicht mehr ein Volk ohne Raum sein. Die schon stattgefundene
Erweiterung "unseres Lebensraums" fanden wir gut und
richtig. Im übrigen war das doch etwas, was schon immer so
gewesen war, zu allen Zeiten und in allen Kriegen. Landeroberungen
hatte es immer gegeben, berechtigte wie unberechtigte Inbesitznahmen.
Auch nach dem letzten Krieg war es so gewesen, dass die damaligen
Sieger uns Deutschen deutsches Land raubten. Im Westen, im Süden,
im Norden aber ganz besonders im Osten wurde deutsches Land mit
deutschen Menschen vom Reich abgetrennt, und außerdem wurden
uns auch unsere Kolonien geraubt. Das alles zum Vorteil und Nutzen
der Sieger für sich selber, oder zur Errichtung neuer Nationalstaaten,
die eindeutig gegen Deutschland errichtet wurden und das auf altem
deutschen Grund und Boden. So sahen wir das, und so hatten wir
das schon in der Schule gelernt, und das bereits vor 1933!
Wir waren doch wirklich ein Volk ohne Raum, ohne ausreichenden
Raum und damit unterschieden wir uns doch von allen anderen Völkern
in Europa. Diese Völker hatten nicht ein sie bedrängendes
Raumproblem und die meisten von ihnen hatten dazu auch noch ihre
riesigen Kolonialreiche, in denen so viele ihrer Menschen leben
konnten. Wir, die Deutschen hatten nichts, wir waren die Hungerleider
am europäischen Tisch, an dem sich die anderen es so gut
gehen ließen.
Weil dem so war, hatten wir auch kein Erbarmen oder Mitleid mit
den Menschen in den, nun zu Deutschland gehörenden, neuen
Gebieten im Osten, im ehemaligen Polen. Wir fanden es als gut
und richtig, dass in diesem Gebiet nun die schon früher begonnene
Kolonisation so weitergeführt werden konnte, dass in Zukunft
hier weit und breit deutsches Bauernland sein würde. Ein
dann deutsches Land, mit dem notwendigen Raum, der unsere Raumnot
beenden und deutschen Menschen Lebensraum gewähren würde
für ewige Zeiten!
Bei solchen Gedanken ergab sich auch die Überzeugung, die
Grenzen im Westen zugunsten Deutschlands zu revidieren, nicht
nur hinsichtlich der alten deutschen Reichslande Elsass und Lothringen,
sondern auch um nun einen direkten Zugang zum Atlantik zu besitzen.
Dabei dachten wir auch an die in Belgien lebenden Flamen, die
doch als Germanen mehr deutsch als französisch waren, und
deren Gebiet, doch dem Reich "zugeschlagen" werden könnte,
was doch auch im Sinne der Flamen liegen würde, bei denen
sich schon eine breite pro-deutsche Bewegung installiert hatte.
So war unser normales nationales Denken, wobei wir den Begriff
Chauvinismus nicht kannten, jedenfalls nicht für uns Deutsche.
Wir dachten nur in den Ideen und Gedanken der Wiederherstellung
eines großgermanischen Raumes unter der Führung des
Großdeutschen Reiches, wozu wir auch Holland zählten!
Skrupel hatten wir dabei keine, warum auch? Das entsprach doch
im wesentlichen dem, was wir auch schon in der Schule gelernt
hatten im seinerzeitigen Geschichtsunterricht über die Germanen
und über den ersten deutschen Kaiser, Karl dem Großen,
auch wenn dem der üble Beigeschmack des Sachsenschlächters
anhaftete, wegen der von ihm durchgeführten, sehr brutalen
Christianisierung der heidnischen Gebiete des Herzogs Wittekind.
Und diese Denkweise hatte sich im 3. Reich fortgesetzt, in der
Schule und in der HJ. Dabei wurden wir aber nicht durch eine etwa
gewaltsame und brutale Erziehung zu gnadenlosen und fanatischen
Nazis gedrillt, sondern als deutsche Jungens und Mädels zu
einem Nationalstolz erzogen, der uns zu einem deutschen Denken
führte, das einwandfrei zu dem passte, was dann im NS-Geist,
und in der NS-Ideologie zu einem Allgemeingut der meisten Deutschen
wurde. In dieses Denken wurden wir nicht hineingeprügelt,
das lag vor unseren Augen durch den Geschichtsunterricht und auch
durch die Erziehung im Elternhaus, die auch bei den Sozis national
gefärbt war. Internationalismus im Elternhaus war nicht angesagt,
und in der Kirche schon gar nicht.
Was sich jetzt entwickelt, das war für uns kein brutaler
Nationalsozialismus von verbrecherischen Nazis unter einem Verbrecher
der Hitler hieß, das war für uns die völlig richtige
und logische Entwicklung einer Neuordnung in Europa, in dem Deutschland
die ihm zustehende Führungsrolle übernahm, und dabei
auch den Platz an der Sonne bekam, der ihm so lange verwehrt worden
war. Und der gute germanische Geist wurde wieder zu einem Vorbild
für die Nachfolger dieser alten Germanen! Um das auch zu
verwirklichen, waren besonders die jungen deutschen Soldaten bereit,
nicht nur die, die in der Waffen-SS waren, auch, wir, die Soldaten
der Wehrmacht in allen drei Waffengattungen. So dachten wir, ohne
deswegen nun hemmungslose und erbarmungslose Nazi-Fanatiker zu
sein. Wir waren nur deutsche Menschen, das Produkt einer schon
sehr alten Erziehung, die auch unsere Eltern und Großeltern
genossen hatten. Und wir waren stolz, gute Deutsche zu sein, gute
Patrioten, die an ihr Vaterland glaubten und dabei waren wir nun
auch gute Nationalsozialisten geworden. Das ist nicht zu leugnen,
das war die Wirklichkeit, das entspricht der Wahrheit, auch wenn
die von einigen noch immer gerne anders gesehen wird, weil man
es anders sehen möchte, aus welchen Gründen auch immer.
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