In der HJ-Nachrichtenschar
Als Pimpf im Deutschen Jungvolk
Ich hatte zwar Freude an dem neuen Geschehen im Jungvolk, aber
irgendwie war es nicht mein reines Vergnügen, mich mit den
"Kleinen" abgeben zu müssen, ich Gernegroß
fühlte mich diesen "Kindern" gegenüber als
sehr überlegen. Da kam mir sehr gelegen, dass es eine von
der HJ im ehemaligen Heim der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ)
konfiszierte Hinterlassenschaft gab, das waren Anleitungen und
Materialien zum Basteln von Radios einfachster Art, den Detektorempfängern.
Eine Hinterlassenschaft die aus den Beständen des "Arbeiter-Radio-Clubs"
stammte, dessen Mitglieder, gemeinsam mit der SAJ "damals"
Bastelstunden abgehalten hatten, an denen auch ich vor 1933 schon
teilgenommen hatte.
Bei den Heim-Nachmittagen im Jungvolk hatten sich unterschiedliche
Interessengruppen herausgebildet, und eine davon war die Gruppe
der Radio-Bastler, die aber nur aus drei Jungens bestand. Uns
kam diese Hinterlassenschaft gerade recht, damit konnten wir uns
nun der Bastelei mit Leidenschaft hingeben. Die Bastelei im Heim
übertrug ich auch in die elterliche Wohnung, wo es dann eine
richtige Beschäftigung für mich wurde, die aber auch
mit etlichem "Kleingeld" an Kosten verbunden war. Da
gab es viele notwendige Dinge die zum Basteln erforderlich waren,
die privat angeschafft werden mussten. Das waren die Telefon-Buchsen,
die Bananenstecker, die Spulen, der Kristall-Detektor und natürlich
die Kopfhörer. Aber auch für die Antennenanlage war
so einiges an Kleingeld notwendig, das nun vom Taschengeld abgespart
wurde, aber nicht ausreichte um alles zu kaufen und so musste
die liebe Mutter "umgarnt" werden, um von ihr das zusätzliche
Kleingeld zu bekommen. Auch für mehr Werkzeug, wie einen
Lötkolben mit Lötzinn und Kolophonium, um damit stabile
Verdrahtungen herzustellen, sowie vieles anderes mehr, auch Spulendraht
zum Wickeln von Spulen. Meine Mutter zeigte viel Verständnis
für diese Leidenschaft und von ihr kam so manche Mark, die
ich dann in einen kleinen Elektroladen in der Lindenstraße
trug, zu Johann Baar, dem Inhaber dieses, noch sehr kleinen Geschäftes.
Da wurde ich Bengel dann ein richtiger Stammkunde, der außerdem
auch noch viele Fragen stellte, die von Johann Baar immer gerne
beantwortet wurden. Viele Jahre später, nach dem Krieg, als
ich mit Johann Baar geschäftliche Kontakte hatte, haben wir
uns gerne an diese Zeit erinnert. Aus dem einstmals kleinen Laden
ist dann ein sehr großes Fachgeschäft geworden, das
noch heute in der Lindenstraße seinen Sitz hat, einige Häuser
nur entfernt von dem ersten Sitz der Firma. Ich wurde ein begeisterter
Radio-Bastler und das war die Grundlage dafür, dass ich in
der Radio-Branche dann meinen Beruf fand, der mich mein Leben
lang ausgefüllt hat. Mit 12 Jahren wurde der "Grundstock"
dafür gelegt.
Propaganda und Uniformierung im Dritten Reich
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