Kriegsbegeisterung in Deutschland 1940
Der Westfeldzug, wie es so verniedlichend hieß, versetzte
das deutsche Volk in einen unerhörten Siegestaumel. Vor allem
bei den alten Weltkriegssoldaten herrschte grenzenlose Begeisterung
über die großartigen und einmaligen Erfolge unserer
Wehrmacht, die den Westen förmlich überrollte und auf
den alten Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges siegreich vorstieß
bis an die Atlantikküste. Am 10. Mai 1940 hatte dieser "Feldzug"
seinen Anfang genommen, dabei Holland und Belgien überrannt,
trotz der Neutralität dieser Länder, und dann die Franzosen
und die Engländer gejagt wie die Hasen, so sagten es die
Alten. Unsere Panzer, unsere Flugzeuge, unsere Infanterie, die
ganze stolze Wehrmacht errang einen Sieg, wie es ihn noch nie
gegeben hatte. In ganz kurzer Zeit wurde Frankreich überrollt,
die Engländer über Dünkirchen zurückgejagt
nach England, und jetzt gab es als alleinige Macht auf dem Festland
nur noch die deutsche Wehrmacht!
Wir hatten auf dem Festland keine bösen Feinde mehr, die
würde es auch nie wieder geben! Die würden uns endlich
und für alle Zeiten in Ruhe lassen. Wir wollten nach dem
Krieg leben in einer gesicherten Zukunft, in der es uns allen
nur noch gut gehen würde. Das alles verdankten wir dem Führer,
der sich als ein großartiger Feldherr bewiesen hatte. Ein
Führer, der sicher und zuverlässig sein Volk führte,
der Deutschland zur stärksten Macht hatte werden lassen.
Am 25. Juni 1940 tritt der Waffenstillstandsvertrag mit Frankreich
in Kraft, der Krieg im Westen ist beendet. Der größte
Sieg aller Zeiten war errungen, uns könnte nun kaum noch
etwas geschehen, auch wenn es doch verstärkte Luftangriffe
der Engländer gab, wie auch auf Bremen und Hamburg. Aber
sicher würde das bald ein Ende haben, wenn die deutsche Luftwaffe,
nach dem Frankreich-Feldzug, sich voll und ganz auf England konzentrieren
und entsprechende Luftangriffe fliegen würde. Wir hatten
jetzt nur noch einen Feind, das war England mit dem "Whisky-Trinker
Churchill" an der Spitze. Es ergab sich die Frage, ob England
überhaupt noch den Krieg gegen uns weiterführen wolle,
denn das war doch eigentlich völliger Unsinn. Diese Insel
hatte doch gar keine Chancen mehr, die war völlig isoliert
und doch ziemlich offen für einen deutschen Angriff, wenn
sie nicht vorher einen Waffenstillstand mit uns vereinbaren würden.
Und das trotz der Hasstiraden von Churchill, der es nicht lassen
konnte, seinen Hass gegen Deutschland und seinen Führer zu
versprühen.
Nach Polen war auch Frankreich besiegt, und damit doch auch England.
Es würde keinen Sinn mehr machen, jetzt noch weiter zu kämpfen.
Ein ehrenvoller Waffenstillstand und dazu ein ehrenvoller Friedensvertrag,
müsste im Interesse Englands sein, so meinten wir, die deutschen
Volksgenossen aller Klassen und Stufen des siegreichen und glorreichen
Deutschen Reiches. In dieser Meinung fühlten wir uns nicht
als widerliche, typische Nazis, wie es später einmal heißen
sollte. Wir fühlten uns nur als deutsche Patrioten, als deutsche
Menschen in einem Volk, das nun endlich den ihm doch zustehenden
Platz an der Sonne erreicht hatte. Ein Volk, das sich seinen Raum
unter Opfern erobert und geschaffen hatte. Ein Lebensraum, in
dem alle Deutschen in Wohlstand, Ruhe, Geborgenheit und Frieden
leben sollten. Das erschien uns als ein Recht, welches uns als
großer Nation zustand, dem endlich erreichten Großdeutschland.
Ein Reich, für das so viele gute deutsche Menschen gekämpft,
gelitten und auch hatten sterben müssen. Wer wollte uns unsere
nationalen Gefühle verdenken? Wer wollte uns deswegen als
Welteroberer ansehen, als ein womöglich beutegieriges Volk?
Wir wollten doch nur in Ruhe und Frieden in den Grenzen leben,
die uns zustanden.
So war sie, die Meinung des Volkes und das war keine vom Nazismus
geprägte Meinung. Sie hatte ihren Ursprung in den Ideen und
Gedanken, die das deutsche Volk schon bewegt hatten, als es noch
gar keine Nazis gab. Nur waren jetzt, im Nationalsozialismus diese
Ideen und nationalen Wünsche in die Tat umgesetzt und endlich
Realität geworden. Das empfanden die Deutschen nicht als
ein Verbrechen, als schlimme Gewalttat, das war für uns in
Deutschland doch nur ein Anpassen an das, was die anderen großen
Nationen doch schon seit langer Zeit zum Wohle ihrer Völker
getan hatten. Wir wollten keine Stiefkinder der Mutter Europa
mehr sein, wir wollten endlich eine gleichberechtigte Nation und
als der Mittelpunkt von Europa auch die stärkste Nation sein.
Das stand uns zu, und das hatten wir nun erreicht unter der Führung
von Adolf Hitler und seiner Partei. Wir, die Deutschen waren dem
Führer dankbar für das, was er für Deutschland
inzwischen getan hatte und wir konnten in dem Krieg keine deutsche
Untat sehen, denn der war uns doch aufgezwungen worden! Der Krieg
war uns doch von den Briten und den Franzosen am 3.9.39 erklärt
worden, und das nur, weil wir das polnische Problem nur noch mit
Waffengewalt klären konnten; ein Problem, das doch die Polen
uns aufgezwungen hatten, und das nicht mehr anders zu lösen
war. Die Franzosen und die Briten hatten sich reingemischt, nur
weil sie glaubten die Partei von Polen ergreifen zu müssen,
was aus unserer Sicht nicht richtig war! Wir hatten das tun müssen,
was eine jede Nation tut, wenn sie von einem anderen Staat so
infam gedemütigt wird.
So war sie, die Wirklichkeit in der damaligen Zeit, wie sie sich
in Deutschland abspielte. Der Zeit, der jetzt so großartigen
Erfolge an allen Fronten des Krieges. Und der größte
Erfolg war der Sieg im Westen. Da hatten wir die Feinde geschlagen,
die in dem furchtbaren Krieg von 194 - 1918 gegen uns gekämpft
hatten. Feinde, die unverdientermaßen als Sieger die blutgetränkten
Schlachtfelder verließen, weil die deutsche Heimat den bis
dahin unbesiegten deutschen Soldaten in den Rücken gefallen
war, weil rote Revolutionäre diese Soldaten verraten hatten.
Nun waren wir die Sieger, und das in einem kurzen, nur wenige
Opfer fordernden Krieg. Unsere Väter waren gerächt,
diese Feinde waren besiegt und Deutschland war nun die zentrale
Macht in Europa, die zukünftig über Krieg und Frieden
in Europa zu entscheiden haben würde, ohne die auf dem Kontinent
nichts mehr geschehen könne und die damit auch der eigentliche
Garant für einen dauerhaften Frieden sein wird, und das auch
trotz einer weiterhin bestehenden Gegnerschaft der Engländer.
Auf Deutschland hatte nun die übrige Welt zu hören,
auch wenn sie uns nicht "gehörte!"
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