Peter Mattes wurde am 30. Juli 1890 in Szentfülop, Komitat
Bacz in Ungarn geboren. Nachdem er am 18. Dezember 1914 zum Landsturmdienst
mit der Waffe in Hodschag (heute OdÂaci, Nordserbien) eingezogen wurde und am 14. Januar 1915
seine Ausbildung begonnen hatte, wurde Mattes am 25. März 1915
zur 3/9. m. Kompanie eingeteilt. Er starb am 15. Mai 1916. Eleonore Zorn ist die Enkelin des Tagebuchschreibers.
Erstes Kriegstagebuch (12. April 1915 - 10. Jan. 1916)
11. Mai: Um 8 Uhr abends aus dem Lager abmarschiert, bei Regenwetter
über Gibavarty, Siet nach Vasitze ist ca. 15 km schwerer
Marsch. Ankunft um 12.30 in der Nacht.
13. Mai: Abmarsch von Vasitze [oder Vasice] unbekannt wohin
an dem Fest Christi Himmelfahrt um 10 Uhr 30 Minuten vormittags
einwaggoniert in Siet um 12.30 Uhr. Nachmittag Ankunft in Vincovce
um 4 Uhr Nachmittag. Nachtmahl in Brod um 8 Uhr abends.
14. Mai: Frühstück in Agram um 7 Uhr morgens, Steinbruk
a.d. Krain, Steir.Grenze, 12 Mittagsmahl.
14. Mai halb 2 Uhr Ankunft in Laibach/Krain. Ausgestiegen und
einquartiert in Provacina um 8 Uhr abends.
16. Mai: Abmarsch von Provacina nach der italien. Grenze um 1/2
5 Uhr früh. Ankunft in Görtz um 7 Uhr. Über Görz
1 1/2 Std. Rast. Ankunft in Plava a.d. italien. Grenze um 1/2
2 Uhr Sonntag Nachmittag. Es war ein 8-stündiger Marsch bei
großer Hitze.
17. Mai begannen wir mit der Befestigung der winzigen Burgen im
Grenzgebiet
20. Mai nach den Deckungen abmarschiert. 2 italien. Gefangene
hat die Grenzpolizei einfangen müssen. Noch mehrere Kanonenschüsse
waren zu hören. Das war der Anfang, was wird noch kommen.
23. Mai, Pfingstsonntag. Vormittag Deckung gegraben, Nachmittag
frei. Heute war es der erste Tag wo es nicht regnete seit wir
hier sind. Die Lage ist gespannt.
23. Mai: Abends kam die Nachricht, der Krieg mit Italien ist ausgebrochen.
24. Mai, Pfingstmontag morgens fünf Uhr gingen die ersten
Kanonenschüsse los. Jetzt beginnt es.
25. Mai in den Deckungen gelegen. Den ganzen Tag Kanonendonner.
26. Mai hat unsere Batterie ein Dorf halb rechts circa 2 km von
unserer Stellung mit Granaten beschossen.
27. Mai: Früh halb 2 Uhr stand ich auf Posten, da entwickelte
sich etwa 2 km von links ein Infanteriegefecht den ganzen Tag.
Batt. König liegen den ganzen Tag i.d. Deckungen..
28. Mai: Keine bes. Ereignisse. Geschützkämpfe
29. Mai: Keine bes. Ereignisse. Aber der Hunger fängt an.
30. Mai. Sonntag früh Patrol.Gefecht den ganzen Tag. Kein
Bissen im Mund.
31. Mai: Abmarsch aus den Deckungen bei Plava um 11 Uhr nachts
bei wolkenbruchartigem Regen. Es war fast unbeschreiblich. Ankunft
in der Gegend bei Görz um 5 Uhr Nachmittag. Hunger und Not
überall.
1. Juni: 7 Uhr früh weitermarschiert bis 12 Uhr über
1.100 km hohe Berge in Gercsenyi. Mittagsmahl im nächsten
Dorf. Seit 5 Tagen das erste Brot. Es war schimmelig und faul
und stinkend.
2. Juni wieder Abmarsch. Den dritten Tag marschiert und im Gebirg
um Görz herum Ankunft in einem kleinen Dorf nahe am adrian.
Meer. Nachmittag um 2 Uhr abermals gelagert. Hier bleiben wir
vorläufig.
3. Juni: Fronleichnam. Rasttag. Kirchgang. Ein kleines schönes
Kirchlein. Noch immer kein Brot.
4. Juni: Ausrückung Vormittag.
5. Juni: In der Frühe heftiger Geschützdonner westlich
von uns.
6. Juni: Sonntag Ausrückung. Schützen und etwas Exerzieren.
7. Juni: Früh Batallions-Übung. Eine feindliche Flotte
aus vier Einheiten beschoss eine Stadt an der Küste, ganz
in der Nähe, es wurde nach etwa halbstündiger fürchterlicher
Kanonendonner in die Flucht geschlagen.
8. Juni: Abmarsch von Vojziice nach der Front bei Gewitter, Donner
und heftigem Kanonendonner. Ankunft hinter der Front abends 6
Uhr. Eben ist ein Gefecht im Gange.
9. Juni: Artillerie-Kämpfe . Abends Abmarsch von Jamiana
gegen Montfalcone zur Unterstützung der 101er. Morgens wieder
zurück nach Mediaza in der Nacht entwickelte sich ein Gefecht.
Wir waren aber Reserven. Es sollen 1200 Italiener gefallen sein.
10. Juni: Abends Abmarsch nach der Front, in der Nacht ereignete
sich nichts. Morgens Rückmarsch ins Lager.
11. Juni: Nachmittags starkes Artilleriefeuer von den Kriegsschiffen
und abends wieder Abmarsch nach der Front. Es entwickelte sich
ein Nachtgefecht und hatten keine Verluste.
12. Juni: Morgens zogen wir uns als Reserve in das Tal zurück,
bauten Deckung gegen Artillerie. Währenddem erhielten wir
Schrappnellfeuer, aber ohne Schaden. Abends bezogen wir Deckung.
In der Nacht wird der Wald von uns in Brand gesteckt. Infanteriefeuer
ab und zu.
13. Juni: Fünf Uhr begann der Feind unsere Deckung zu beschießen,
ca. 500 Granaten bekamen wir 2 Verwundete von unserem Zug. Es
war Sonntagmorgens schrecklich, fürchterlich in der Nacht.
Inf. plünderten.
14. Juni: Morgens verließen wir die Deckung vor der schönen
Stadt Montfalcone, bezogen das rückwärtige Tal als Reserve.
Vormittags bekamen wir heftiges Granatfeuer. Nachmittags begann
die feindliche Batterie unsere ganze Front mit Granatfeuer zu
beschießen, langsam begann die Infanterie den Angriff. Wir
mußten um 1/2 6 Uhr als Reserve vor, die Berge hinauf in
schrecklichem Schrappnellfeuer. Heute sind mehrere Verwundete
und auch ein Toter. Die Italiener wurden unter schweren Verlusten
zurückgeschlagen. Heute war der erste Angriff auf unsere
Stellung in Montfalcone.
15. - 16. keine besonderen Ereignisse. Unsere Batterie beschoß
mehrere Bauten in Montfalcone. Morgens um drei Uhr bekamen wir
etwas schwarzes Wasser. Es soll Kaffee sein. Dann nichts. Bis
abends 9 Uhr ein elendes Gulasch. Kein Stückchen Brot. Die
Mattigkeit ist groß und der Hunger schrecklich.
17. Juni: Vormittags beschoss die feindliche Artillerie eine Schein-Batterie
links von uns, nachmittags die Stellung rechts von unserem Regiment
101 mit schweren Geschützen. Die Wirkung war groß.
Es gab 7 Tote und viele Verwundete.
18. Juni: Keine besonderen Ereignisse.
19. Juni 1915: Früh Infanterie-Gefecht. Unter Tag heftiges
Granatfeuer.
20. Juni früh 2 Uhr. Infanteriegefecht. Danach zogen wir
uns als Abschnitts-Reserve zurück. Auf Mittag bekam jeder
Mann 10 Stück Zigaretten als Anerkennung für tapferes
Verhalten vor dem Feind.
21. Juni: In Reserve, keine Ereignis an der Front. Geschütz
in der Nacht. Gewehrkampf.
22. Juni: Am Tag Reserve. Abends bezogen wir die Stellung. In
der Nacht Patroul-Kampf.
22. Juni früh fürchterliches Art.Feuer auf der ganzen
Front. Es war ein Feuer wie noch nie. Wir sind wiederum Reserve.
Es gab mehrere Tote und Verwundete. Auch der Landsmann Kühner
wurde leicht verwundet.
24. Juni: Kanonen-Volltreffer in einen Unterstand. Auf 1 Schuss
gab es 7 Tote und 13 Verwundete von der 4. Kompanie.
25. Juni: Keine bes. Ereignisse. Abends lösten wir die 2.
Kompanie ab. Die lag leicht gegen den [unleserlich]
26. Juni: Morgens früh zogen wir uns über Tag in eine
Bach-Mühle zurück. Hier wurden wir ohne Schaden mit
Granaten beschossen. Abends besetzten wir eine Höhe.
27. Juni: Sonntag zogen wir uns über Tag in den Unterstand
zurück. Den durften wir über Tag nicht verlassen. Abends
10 Uhr bekamen wir Nachtmahl. Es war der erste Bissen, den wir
seit 27 Stunden im Munde hatten.
28. Juni: Keine Vorfälle.
29. Juni: Früh griffen starke feindliche Kräfte unsere
Feldwache an. Es entwickelte sich ein Nachtgefecht.
30. Juni früh machten die Italiener auf den Stützpunkt
der 2. Komp., kamen bis an Drahthinderniss. Von dort wurden sie
unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Vor den Hindernissen
lagen viele Tote und Verwundete. Unsere Verluste waren 2 Tote
und 3 Verwundete. Mittag machten auf einen 121 m-Hügel, der
von den 50. besetzt war, Sturm, wurden zurückgeschlagen und
ließen ca. 500 Gefangene in unseren Händen, ließen
Gewehre, Rüstungen und Kappen im Stich und liefen Hals über
Kopf davon.
1. Juli 1915 besetzte unser 5. Zug die Höhe 77. Da lagen
wir wieder den ganzen Tage ohne den Kopf heraus in einem Schweinstall
und den ganzen Tag nichts zu essen als ein Stückchen elendes
Kukuruz-Brot.
2. Juli noch i.d. Unterkunft. Das war ein heißer Tag. Die
Italiener griffen rechts von uns an. Es gab eine fürchterliche
Schlacht, die den ganzen Tag bis in die Nacht hinein dauerte.
Es war fürchterliches Artilleriefeuer den ganzen Tag. Es
waren wenige Sekunden, wo keine Kanonenschüsse hören
waren. Wir waren am Gefecht nicht direkt beteiligt, doch bekamen
wir auch etliche Granaten und viele Schrappnells. Der Feind mußte
sich zurückziehen. Er soll riesige Verluste haben. Die Verwundeten
und Toten sollen Tausende sein. Auch 7 Kanonen sollen sie im Stich
gelassen haben. Das war bisher der bangste und längste Tag
meines Lebens.
5. Juli 1915: Abends großer Inf. Kampf rechts von uns.
6. Juli bezogen wir abends eine Stellung als Reserve, in der Nacht
bauten wir Deckungen.
7. Juli: In Reserve. Abends wurden drei Mann von unserer Komp.
mit der Bronzenen Anerkennungsmedaille ausgezeichnet. Bei dieser
Gelegenheit wurde auch das Resultat der Schlacht bei der 3. Brigade
bekannt gemacht, die rechts von uns liegt. Auch unser rechter
Flügel nahm teil. Es war ein großer Kampf. Die Italiener
griffen vier Armeen stark an, wurden aber immer wieder zurückgeworfen.
Dabei hatten sie riesige Verluste. Auch bei uns sind einige Batterien
sehr geschwächt worden.
8.-10. als Reserven. Keine Ereignisse. Es ist auch zieml. ruhig.
10. abends besetzten wir unseren Stützpunkt, wo wir vor drei
Wochen abgelöst wurden. Jetzt gibts wieder schwere Tage.
In der Nacht wurde der Wald rechts von uns in Brand geschossen,
wurde aber durch einen Gewitter-Regen ziemlich gelöscht.
Infant.- u. Gewehrfeuer die ganze Nacht wie halt immer.
11. Juli: Abends war wieder rechts von uns ein Gefecht. Rechts
von uns wenige km trachteten die Italiener mit Gewalt durchzubrechen,
während hier am linken Flügel nur 4-5 km vom Meere der
Druck nicht so stark ist. Die erste Zeit erhielten wir täglich
schweres Granat- und Schrappnellfeuer, auch griffen sie manchmal
unsere Stellung an, wurden aber immer wieder leicht abgewiesen.
Bisher hat unser Batt. ca. 30 Tote und vielleicht etwas mehr Verwundete.
Seit der dreitägigen Schlacht an unserem rechten Flügel
u. bei der 2. Brigade ist bei uns ziemlich Ruhe. Einige Granaten
und Schrappnells, das sind die täglichen Ereignisse, weiter
nichts.
12. Juli blieben wir über Tag i.d. Deckung unserer Schwadron.
Um 2 Uhr gab es ein schwarzes Wasser, auf Mittag ein elendes Gulasch,
den ganzen Tag kein Brot und kein Wasser. Aber eine schreck Hitze
und große Mattigkeit.
13. Juli im Unterstand. Nichts Neues.
14. Juli Kanonenfeuer.
15. Juli früh lagerten wir in einem Fichtenwald in Reserve.
16. Juli gingen wir abends am o. Stützpunkt als Reserve.
In der Nacht bombardierte ein Luftschiff versch. Stellungen.
17. Juli: Ziemliche Ruhe. Abt. Res.
18. Juli: Sonntagfrüh begann der Feind unsere Stellung mit
fürchterlichem Granatfeuer und Schrappnell zu überschütten.
Viele tausend Schüsse wurden abgegeben. Wir lagen im Fichtenwald
als Reserve. Auf einem kleinen Fleck zählten wir manchmal
in wenigen Sekunden bis 20 Schrappnells. Das Feuer dauerte den
ganzen Tag. Gegen Abend griff auch die Luftw. an. Das Luftfeuer
dauerte den ganzen Tag und Nacht. Das war aber etwas rechts von
uns. Abends lösten wir die 3. Kompanie ab. Unser Zug besetzte
die Höhe 77.
19. Juli zogen sich die meisten zurück i.d. Unterstand. Ich
blieb freiwillig in Deckung, denn in den Schweinestall wollte
ich nicht. Das Kanonenfeuer war so arg wie gestern, an unserer
Stellung weiter nördlich ist heute mehr Ruhe.
19. zwei Uhr morgens bekam ich einen Kaffee, kein Stückchen
Brot habe ich nicht, um 9 oder 10 Uhr abends gibt es wahrscheinlich
Nachtmahl, also heute ist wieder einmal strenges Fasten. Eine
Granate schlug in eine Deckung. Einem spaltete es den Kopf. Er
wachte nimmer auf. Einer wurde schwer verwundet. Alle zwei blieben
wie ich freiwillig in der Deckung.
20. Juli: Nachts a.d. Front, über Tag i.d. Bach-Mühle.
21. Juli dasselbe. Abends begann ein Kampf etwas rechts von uns
am Monteliffics (?), der allmählich sich zur Schlacht entwickelte.
Es dauerte bis morgens 6 Uhr.
22. Juli: Nichts von Bedeutung.
23. Juli früh gingen wir zum Fichtenwald als Reserve.
24. Juli: Abends Gewitter und großer feindlicher Angriff,
ganze Nacht gr. Kampf, welcher die ganze Nacht anhielt bei starkem
Regen.
25. Juli: Sonntag. Ganzen Tag fürchterl. Kanonenkampf, gegen
Abend wieder Angriff. Sonntag geht es immer heiß zu. Die
Stellung uns. Batt. liegt nicht strategisch wichtig, bei uns ist
es auch nicht gefährlich. Bei den Batterien rechts von uns
gehts schon 2 - 3 Tage recht heiß zu. Das 38. Batt., die
eingesetzt und uns jetzt abgelöst haben, erzählt, dass
am Monte Capitos und auf dem Plateau von Doyeroto liegen vor dem
Drahthindernis meterhoch italien. Leichen und der Geruch soll
schon fürchterlich sein. Heute wurden 7 Mann von uns. Komp.
wegen tapferem Verhalten vor dem Feind ausgezeichnet und erhielten
die Silberne 2. Klasse und fünf die Bronzene Tapferkeitsmedaille.
26. Juli: In Reserve. Am Abend löste unsere Komp. das Batt.
50 ab, besetzten die Höhe 121. Hier ist es schon gefährlicher,
denn die ital. Stellung ist auf demselben Berg, etwa 3-400 Schritte
von uns. Heute Nacht beschossen sie uns ohne Schaden. Wir haben
nicht geschossen.
27. Juli: Wir halten die Höhe 121 besetzt. Auf dem Plateau
von Dogneto (?) das rechts von uns liegt, wird fürchterlich
gekämpft. Tausende von Schrappnells hört man dort explodieren,
Gewehr und Maschinengewehr hört man schon seit vier oder
fünf Tagen. Heute beschoss uns. Batt. einen italien. Flieger.
Mit dem 11. Schrappnellschuss machten sie einen Volltreffer, sofort
eine große Flamme. Der Apparat stürzte m. gr. Geräusch
senkrecht herab. Es war furchtbar schön zu sehen. Die Nacht
war wunderschön mondhell. Wir standen vor unserer Deckung
und schauten dem schaurig schönen Spiel einer modernen Schlacht
zu. Geknatter von Gewehren und Masch.-Gewehren, Kanonengeheul
aus unzähligen Geschützen, allerlei Kaliber. Das ganze
Plateau zuckte und blitzte. Die Blitze tanzten auf dem ganzen
Berg herum. Es war gerade schön.
28. Juli wieder Fasttag, vom 27. Mittag - 28. abends kein Bissen
im Mund. Wir halten die Höhe 121 besetzt. Der Kampf rechts
lässt heute etwas nach.
29. Juli 1915: In der Nacht wurden wir durch Landsturm abgelöst,
marschierten nach Jamiana, frühstückten, dann marschierten
wir wieder gegen das Plateau von Dogneto (?).
30. Juli rasteten wir in einem kl. Ort. Abends marschierten wir
wieder durch Dogneto. Auf dem Weg kamen sehr viele Verwundete.
Dogneto schaut auch sehr traurig aus, zerschossene Häuser,
auch die Kirche. In der Nacht marschierten wir unter Kugelregen
etwa 600 Schritte hinter die Schwarm-Linie, als Reserve vor uns
ist die 4. Komp.. Die ganze Nacht Gewehr, Schrappnell- und Maschinengewehrfeuer.
31. Juli zogen wir uns als Res. zurück, lagen in einem Dreckloch
bis abends, rückten wir wieder vor unter heftigem Gew.- und
Schrapp.-feuer, war die ganze Nacht. Tausende Kugeln pfiffen über
unsere Köpfe. 2 Angriffe wurden zurückgeschlagen. In
der Frühe gingen wir unter heftig. Gewehrfeuer in ein kleines
Tal.
1. August 1915: Über Tag zieml. Ruhe, abends lösten
wir die 7. Komp. ab. Erhielten ein fürchterl. Gewehrfeuer
( MG-Feuer). Wir lagen aber gedeckt und hatten keinen Schaden.
2. August: lag unser Zug in Schwarmlinien etwa 200 Schritte v.d.
Inf. Linie. Wir schossen nicht, aber die Italiener beschossen
uns den ganzen Tag rechts vom Monte dei Sei Basi. Griffen die
It. mehrmals an und wurden jedesmal zurückgeworfen, trotzdem
sie in gr. Übermacht waren.
3. August lagen wir als Res. etwa 300 Schritt hinter der Schwarmlinie,
hier erhielten wir Art.-Feuer. In der Nacht wurden wir wieder
abgelöst, zogen uns i.d. Nacht unter fortwährendem
Feuer zurück in einen kl. Talkessel etwa 1000 Schritte hinter
d. Front.
4. als Res. n. bes.
5. August: In der Reserve. Die Cholera trat auf. Heute bis Mittag
gingen von unserem Zug schon ca. 15 Mann weg als Choleraverdächtige.
Ich bin schon marod.
6. August: Viele Erkrankungen. Die Cholera. Von unserer K. sind
schon 100 Mann erkrankt, auch der Major und der Hauptmann sind
marod.
7. August: Heute sind wir gesünder. Die Maroden und Gesunden,
bereits alle sind krank. Der Hauptmann ist auch ins Spital. Unsere
Komp. geht auch in Schwarmlinie, weil wir schon zu schwach sind.
8. August: Immer dasselbe. Wir liegen im Talkessel. Tausende Gewehr-
und Kanonenkugeln pfeifen [...] über uns. Heute Abend wurde
das ganze Terrain um uns schrecklich beschossen und mit Schrappnell,
Granat- und Stinkbomben. Es war nicht so gefährlich. Gestern
sind von der 4. Kompanie 4 Mann zu den Italienern übergegangen,
wahrscheinlich haben sie uns erraten, weil wir so arg beschossen
wurden.
9. August abends gingen wir in Schwarmlinie. Kaum hatten wir abgelöst,
so erhielten wir ein fürchterliches Granat- und Luftfeuer,
hatten aber wenig Schaden.
10. August: Lagen den ganzen Tag bei fürchterl. Hitze hinter
Steinhaufen. Der Durst war schrecklich und die Italiener schossen
den ganzen Tag wie verrückt.
11. August: Dasselbe wie gestern. Durst, Hitze und Kugel Misfits.
Gg. Abend wurde die 1. Schwadron m. Gran. fürchterl. beschossen.
Eine Deckung nach der anderen flog auseinander. Eine Granate schlug
neben uns ein, ich und der Zugführer Pertschi lagen beisammen
und wur mit Gras, Grund und Steinen überschüttet, eine
zweite hinter uns. Ich bekam einen Stein an die Stirn. Es war
nur eine leichte Hautabschürfung. Endlich eine dritte zerschlug
unsere Deckung. Ein Haufen Steine flog zwischen uns. Ein kopfgroßer
fiel mir in die linke Hüftengegend, fürchterl. Rauch
und Gestank, dass man bald nicht aushalten konnte. Der ganze Schwarm
lief davon. Ich aber blieb ruhig liegen, denn die was davonliefen,
wurden stark durch Gewehr beschossen. In d. Nacht war Gewitter
und wieder starkes Feuer. Die Kanonen flogen zu Hunderten, viell.
nicht einmal 1 m hoch nur so über unsere Köpfe etwa
200 Schritte hinter uns in die B[unleserlich].
12. August gingen wir i.d. hint. Deckung, denn dort wo wir gestern
waren, ist es nicht zum Aushalten. Heute gingen wir hinter einer
Steinmauer in Deckung. Hier haben schon gr. Kämpfe stattgefunden,
denn allerlei Rüstzeug liegt herum und hier und da eine verweste
Leiche unter den Steinen, die einen fürchterlichen Geruch
verbreiten. Abends wird wieder abgelöst. Gott sei Dank. Das
waren drei heiße und harte Tage.
13. August in Reserve. Nichts Besonderes.
14. August in Reserve. Nichts Besonderes. Als Reserve trugen wir
abends das Nachtmahl zur 5. Komp. Da kam ein Gewitter mit Hagel
und furchtbarem Regen. Wir lagen in einem Tal um 100 Schritt hinter
uns die Front. Bei der Komp., hunderte von Granaten flogen um
unsere Köpfe ohne Schaden. Als wir die Kochkisten aufnehmen
wollten und abmarschierten, kam eine Gewehrkugel, ging meinem
Nebenmann durch den Fuß und schlug dann in eine Kochkiste.
15. August abends lösten wir die 5. Marschkomp. wieder ab,
gingen in unsere vorherige Stellung.
16. August ging unser Schwarm in Reserve, da diese Stellg. am
Tag nicht mehr besetzt wird.
17. August ging der ganze 1. Zug in die Unterkunft. Gegen Abend
kamen 3 6mm-Schrappnells von unseren eigenen, da die Distanz zu
kurz war, in unsere Reserve. Ein Geschoss flog auf die Deckung,
wo ich und der Zugführer Pertschi waren, durchschlug am
rechten Eck über dem P. seinem Kopf die Deckung, überschütte
uns mit Staub und Grund [Anm.: Grund ist Erde]. Weiter
kein Schaden. Gott sei Dank, wieder mal Glück.
18. August lagen wir wieder i.d. Stellung, hat sich aber nichts
bes. ereignet, gingen wir in Reserve.
19. August dasselbe.
20. August mit Granaten beschossen, 2 Mann wurden durch Gew.-Feuer
verwundet, einer abends im Schlaf.
21. August abends gingen wir wieder in Stellung.
22. August lagen wir in Schwarmlinie, hat sich aber nichts besonderes
ereignet. Ich hatte Zahnschmerzen und auch Scheißerei. Nachts
ging ich auf den Hilfsplatz nach Doberto.
23. August: Bei der Marodenvisite. Als gesund befunden, doch ließ
ich mir Zahn ziehen. Der Oberarzt verstand vom Zahnreißen
sehr wenig. Mit großer Anstrengung riss er mir zuerst einen
gesunden Zahn heraus, dann minder so den kranken. Abends schickte
er mich zur Kompanie. Dort ging ich wieder in Schwarmlinie.
24. August: Morgens ging unsere Schwadron zurück in die Res.
Stellung. Eben richten wir unser Lager in der Deckung ein. Ich
kniete und der Zugführer Pertschi stand neben mir und dann
kam eine Kugel von der Flanke und der Pertschi ging ihm auf der
linken Rückseite hinein und vorne auf den Rippen heraus.
Verbandsanis und die Sanität trug ihn auf den Hilfsplatz.
Die Verwundung schien schwer zu sein. Er konnte aber noch schnaufen
und auch sprechen. Mein guter Kamerad, mit Gottes Hilfe wird er
ja mit dem Leben davonkommen. Abends wurden wir v.d. 5. Komp.
abgelöst.
25. August: In der Reservestellung. Wir wurden stark m. Granat
und Schrappnell beschossen. 1 Toter, 3 Verwundete durch Schrappnell.
26. August: Am Tag und bes. Abends bringen wir Nachtmahl zur 5.
Kompanie. Da erhielt 1 Mann einen Bauchschuss. Ich verband ihn.
Er ward schwer verwundet und wird schwerlich mit dem Leben davonkommen.
Später trugen wir Drahthindernisse vor d. ital. Stellung.
Da erhielt ein Mann einen Kopfschuss. Ich half, ihn zurückzutragen.
Er war bewußtlos, wird
auch sterben. Beim [unleserlich] wurde auch ein Mann verwundet.
Bauchschuss.
27. Abends 5. Kompanie abgelöst.
29. Nachts stark beschossen.
30. August; Abends wurden wir durch die 5. Komp. abgelöst.
Bei dieser Gelegenheit traf ich mein Geschwisterkind ihr Sohnkind
India. Der Schwarm-Kommandant rief "Mattes, gehts in diese
Deckung" und wies auf die Deckung, wo ich lag. Ich frug den
Mann, wo auf mich zukam, wer er ist und kannten wir uns dann
bei finsterer Nacht im feindlichen Kugelhagel.
31.8. - 3. September: In der Kaserne Scheißerei war wie
immer fürchterlich. Hat sich nichts ereignet. Dann und wann
gabs höchstens ein "Verwundet?". Abends wurden
wir durch das 37. Regiment abgelöst, nachdem wir 34 Tage
auf dem berühmten Plateau von Doberdo zugebracht haben. In
dieser Zeit hatten wir schwere Verluste. Als wir die Stellung
bezogen, hatte unsere Kompanie komplett 270 Mann. Jetzt haben
wir noch 160. Bei den anderen Komp. ist es auch so Abends gegen
12 Uhr marschierten wir ab von Doberdo. Es regnete, war stockfinster
und mit schrecklicher Mühe arbeiteten wir uns durch die Steine
bis vier Kilometer.
4. September 1915: Den ganzen Tag in Siet, von dort marschierten
wir bis Voiscice. Dort ward Mittagsmahl gehalten, weiter von dort
bis Bing über Komen nach Skrebina, dort schlugen wir unser
Lager in einem Wald auf.
5. September: Sonntag hatten wir Kirchgang, wurde eine Messe gelesen
und danach erhielten wir die General-Absolution. Nachmittag besuchte
ich meinen Kameraden, den Zugführer Pertschi, der in ds.
Dorf im Feldspital als Verwundeter lag.
8. September 1915: Fest Maria Geburt besuchte ich wieder die Kirche.
Es wurde eine Messe gelesen zur Ehre Marias. Mit Aussetzung des
Allerheiligsten. Es ist ein schönes Kirchlein mit schön
klingender Orgel wie überall in dieser Gegend. Heute wurde
unsere Komp. durch die 2. Marschkomp. ergänzt.
9. September kam die 13. Marschkomp. zu unserem Batt. Viele Landsleute
sind dabei. Der Pertschi wird ins Hinterland abtransportiert.
Unsere Montur wurde ausgedämpft wegen den Läusen, Rüstung
und Schuhe geschwefelt wg. Cholera. Beschäftigung ist täglich
ein bis zwei Stunden Gelände-Übung.
12. September: Sonntag besuchte ich noch die Messe, wurde gelesen,
und die Österr. Volkshymne wurde in slowenischer Sprache
gesungen.
13. September: Früh um 5 Uhr Abmarsch nach Skrebina an die
Bahnstation nach [unleserlich]. Es ist hier ein schönes
Tal, umgeben von hohen Bergen. Auf einem Felshügel steht
die alte Burg Greifenstein. Ankunft hier um 8 Uhr. Hier war Menage
und wurde auch Montur gefasst. Abmarsch um 12 Uhr. Über Obscina,
Wilsburg, Laibach 9 Uhr abends Steinbrück, Agram, Sihank.
Frühstück in Brod, Mittagsmahl in Vincovce, Dalia, Sombor,
Hodschag,. In India Frühstück, in Ruma Endstation, Ankunft
6 Uhr früh.
16. September früh um 7 Uhr Abmarsch von Ruma über Kraljevice,
Dobrinci, Pecinec. Hier war Mittag und einstündige Rast.
Dann ging es weiter nach Sabatistce [Subotica?].
Hier wurden wir einquartiert.
21. September: Abmarsch für 6 Uhr von Subotica über
Vincovce über Simanovce, Barranja. Ankunft Nachmittag.
24. September nahmen wir ein Duschbad in einem Bade-Zug.
25. September: Inspizierung durch die [unleserlich]
29. September am Bahnhof Batajnica über 30 Waggons Art. Mun.
allerlei Kalibers ausgeladen. Hier sind auch 30/5 Motor-Batterien.
2. Oktober bekam ich Urlaub von Babajnica nach Ludva [Budva?].
Wir gingen ab um 10 Uhr abends über Nini Pazna. Hier sind
die Spuren von den Kämpfen, die sich vor einem Jahr hier
abgespielt haben. Dann kamen wir nach Alt Pazna, ein sehr großer
Ort. Nachm. 2 Uhr nach Sustia [India?]
3. Oktober Sonntag besuchte ich die Bekannten und auch die Kirche
abends zurück nach Babajnica.
4. Oktober anlässlich des Namensfestes Seiner Majestät
wurde eine Feldmesse gelesen. Auch wurde gesagt, dass wir in nächster
Zeit die serbische Hauptstadt Belgrad angreifen werden.
5.Oktober wurde in B. eine Fliegerstation errichtet. Nachher flogen
die Aeroplane hier herum wie Vögel.
6. Oktober 1915: Abends Abmarsch von B., um 6 Uhr abends nach
Banovce, dort bleiben wir bis Morgen
7. Oktober früh 6 Uhr wurden wir in Banovce in Schiff eingeladen.
Die Donau liegt hier ganz am Orte.
8.-9. Oktober lagen wir auf der Donau in Bereitschaft. Um 7 Uhr
früh fuhren wir die Donau herunter bis Belgrad. Die Stadt
ist am 8. eingenommen worden. Gegen Mittag wurden wir ausgeladen
und marschierten durch Belgrad, das sehr zugerichtet war. Außerhalb
der Stadt rasteten wir. Ganz in der Nähe ist schon Gewehrfeuer
hörbar. Abends ging ich als Ordonanz zum Brigadekommando
nach Belgrad. Wurde bereits von einem Posten beschossen.
10. Oktober: Abends rückten wir in die Richtung gegen Penasova
vor
11. Oktober gruben wir uns oberhalb eines Dorfes ein und hier
wurden allerlei Speisen und viel Wein und Branntwein requiriert.
Nachm. rückten wir unter heftigem Art. Feuer vor.
13. Oktober gegen Mittag machten wir Angriff, waren bis Mitternacht
in schreckl. Batt. u. MG-Feuer. Es war eine große Schlacht.
Unsere ganze Brigade griff an, die Serben auch, aber wir haben
große Verluste. Von unserer Kompanie fielen über 100
Mann.
14. Oktober wurde unsere Komp. wieder durch eine Marsch-Komp.
ergänzt, da kamen wieder einige Landsleute zu mir.
15. Oktober marschierten wir wieder vor bei Regen, neben einem
Dorfe legten wir uns in Schwarmlinie.
16. Oktober waren wir wieder im Gefecht, einige Verluste. Abends
stürmten die 81. und 50. Wir waren Sturmdeckung. Die Serben
wurden zurückgeworfen.
17. Oktober: Sonntag marschierten wir wieder vorwärts.
18. Oktober abends stießen wir wieder auf den Feind.
19. Oktober rückten wir in Schwarmlinie vor. Beim Morgengrauen
sollten wir den Angriff machen.
20. Oktober morgens waren die Serben wieder ausgeflogen.
21. Oktober trafen wir wieder den Feind.
22. Oktober gingen wir wieder in ein serbisches Dorf. Dort war
ein Keller mit sehr viel Wein und wir ließen uns Hühner,
Enten und Gänse zubereiten. Es war ein regnerischer Tag,
aber wir haben menschlich gelebt.
23. Oktober marschierten wir wieder vor. Wir gingen als Nachrichtenpatrouille,
durchstreiften ein Dorf. Dort wurde Verschiedenes requiriert.
Das Batt. kam aber nicht nach und wir marschierten bis abends
8 Uhr. Den anderen Tag trafen wir das Batt.. Abends gingen wir
durch die Stadt Putyanova, 24. und 25. Vormarsch, 26. stürmten
wir eine Höhe bei Topolya, besetzten sie und requirierten
untersch. Sachen, auch alten Wein und Esswaren. Abends ließen
wir uns Geflügel kochen und Spieß braten. Es war ein
guter Tag.
27. Oktober früh marschierten wir wieder weiter den ganzen
Tag bei Regenwetter bis in die Nacht. Es war ein harter Tag bis
wir in die Knie gingen und manchmal in den Dreck.
28. Oktober ging es wieder weiter. Gegen Mittag hatten wir ein
kleines Gefecht. Unsere MG vertrieben den ohnehin schwachen Feind
und er zog sich wieder zurück gegen Kragujevac, wo er eine
Stellung bezog. Abends entwickelten wir uns gegenüber in
Schwarmlinie und gruben uns auch ein. Immer ist noch Regenwetter
und Nebel.
29. Oktober rückten wir gegen Mittag vor. Es regnete und
in einem Kugelregen war ich heute wie noch nie. Wir besetzten
einen Weg, wo ein kleiner Anwurf war, etwa 300 Schritt vor dem
Feind. Wir lagen im Dreck und Wasser und schossen fortwährend
bis in die Nach hinein. Dann wurden wir abgelöst. Wir hatten
so ziemliche Verluste. Hier ist auch unser Landsmann, der Peres
Jakob gefallen.
30. Oktober marschierten wir wieder vor. Den ganzen Tag regnet
es. Kein Brot hatten wir schon gestern nicht gefasst. Zum Glück
wurden wir hier einquartiert. Dann wurde gekocht und dann gut
geschlafen.
31. Oktober, Sonntag marschierten wir wieder weiter.
1. November: Am Fest Allerheiligen wurde ich zum Gefreiten befördert.
Wir marschierten mit dem gz. Zug am Kragujevac vorbei, das heute
Nacht v. d. 2. Brig. besetzt wurde und Brot fassten wir heute
wieder nicht, doch man kann manchmal ein Stück requirieren.
2. November rückten wir wieder vor, vertrieben den Feind,
der die Höhen hinter Kragujevac besetzt hatte. Unter fortwährendem
Feuer wurde Schnaps und Aquavit gesoffen und wie durch ein Wunder
traf mich keine Kugel, obwohl ich mich nicht deckte.
3. November wurden wir wieder zum Marsch kommandiert, bekamen
wieder Landsleute zur Kompanie.
4. November hatten wir wieder großen Vormarsch. Hier wurden
die Berge schon steinig u. erreichen schon eine Höhe gegen
1000 Meter. Hier beginnt das Balkan-Gebirge. Kragujevac ist schon
weit hinter unserem Rücken
5. November marschierten wir von morgens bis Nacht, den gz. Tag.
6. November rasteten wir bis Mittag, da wurden Schweine, Schafe,
Ziegen und was gefunden, geschlachtet und gebraten und Kukuruz
dazu, das war fein, denn Brot konnte man nicht machen. Mittags
marschierten wir weiter bis in das Morava Tal. Nachts kamen wir
an.
Die Serben zogen sich eben über die Morava zurück und
sprengten die Brücke hinter sich in die Luft. Unsere Batt.
verfolgte sie mit Kanonenschüssen.
7. November lagen wir am diesseitigen Ufer der Morava. Die Pioniere
schlugen eine Brücke, die aber nicht fertig wurde. Heute
sind wir in einem Wirtshaus einquartiert. Abends fassten wir Brot.
Es ist seit 8 Tagen das erste. Für ein Paket Tabak wollen
einige vier Kronen zahlen.
8. November wurde auf der Bachmühle Kukuruz geschrotet, abgekocht
und gegessen. Es war sehr fein.
10. November gingen wir auf einem Holzsteg, der über die
gesprengte Eisenbrücke gelegt wurde über die Morava
in das Städtchen Irstenik.
11. November früh marschierten wir weg von Irstenik nach
dem Städtchen Brnjacka Banja. Es ist ein Kurort mit kohlensaurem
bad. Hier trafen wir schon viele Gefangene, die beim vorjährigen
Rückzug zurückgeblieben sind. Das ist ein ganz schönes
reines Städtchen, das habe ich nicht getroffen in Serbien.
12. November zwei Uhr früh gingen wir von Banja nach Irstenik
und dann in südl. Richtung über riesige Berge und tiefe
Schluchten. So ging es auch am 13., 14., 15. Am 16. haben wir
requiriert und schlachteten ein Schwein, bis wir zurückkamen,
war die Kompanie fort. Wir fanden sie nicht mehr. Abends legten
wir uns in einen Heuschober. Es fing an zu regnen und am 17. morgens
waren wir eingeschneit. Jetzt sind wir in einer Hütte von
einem Feind. Es schneit mir aber auf Papier [ist verwischt].
17., 18., 19.November lagen wir auf einem Hang. Es war sehr kalt.
20. November marschierten wir weg gegen Westen. Abends kamen wir
zur 19. Brigade, 59. Div. dazu. Wurden wir eingeteilt. Wir schlugen
Zelte im Schnee.
21. November ging es weiter über einen 2900 m hohen Berg.
Oben war es sehr kalt. Nachmittags kamen wir an die Grenze von
Alt-Serbien. An mehreren Grenz-Wachhäuschen vorbei kamen
wir in Sandschak an. Abends hörten wir, dass neue Gefechte
in der Nähe sind.
22. November gingen wir südlich gegen Mitrovica, kamen wir
auf das Gefechtsfeld von heute Nacht. 6 Kanonen mitsamt Ochsen
und viele Pferde und abgeschlachtetes Vieh und ungeheuer viel
Artel.-Munition lag herum, was der Feind im Stich ließ,
Gewehre und 1000 Gefangene.
23. November ging es weiter gegen Mitrovica.
24. November kamen wir nach M.. Der Feind schoss noch außerhalb
der Stadt. Über 200 Gefangene waren voriges Jahr hier. Auch
Serben sollen hier gewesen sein.
27. November: Haben östl. Mitrovica Deckung gegraben bei
grimmiger Kälte. Die Serben kommen zu Tausenden freiwillig
zu uns herüber.
28. November: Dasselbe, viele Gefangene, grimmige Kälte und
Arbeit. Abends wurde alarmiert, da die Serben haufenweise mit
Train nach Mitrovica kamen.
29. November ging die Komp. mit paar Tausend Gefangenen weg. Es
ist große Kälte.
30. November marschierten wir weg von Mitrovica mit 1320 Serben.
Es ist grimmige Kälte. Auf der Straße liegen viele
erfrorene Zivilisten und auch Militär.
1. Dezember 1915: Weitermarschiert. Die Kälte ist etwas gebrochen.
2. Dezember kamen wir nach Raska. Dort übergaben wir die
Gefangenen und wurden einquartiert. Hier ist die Grenze von Alt-Serbien.
3. Dezember kamen wir zum Bataillon, das ca. 3 km von Raska lagerte.
4. Dezember: Früh ging es wieder weiter, den ganzen Tag,
ca. 70 km. Ohne Brot, es wurde halt wieder gebratener Kukuruz
gegessen.
5. Dezember: Marsch den ganzen Tag. Heute haben wir nicht einmal
Kukuruz. Die Hauptsache, daß wenigstens schönes Wetter
ist.
6. Dezember: Mittags kamen wir nach Alexandrowac, da gab es mal
wieder einen guten Wein.
7. Dezember kamen wir nach Brugg zur 6. Brigade. Außerhalb
der Stadt wurde gewartet. Hier blieben wir vier Tage, wurden neu
ausgerüstet und am
12. Dezember morgens ging es um 5 Uhr wieder in östl. Richtung,
heute ca. 30 km.
13. Dezember ging es 20 km. Nachmittags wurde Lager geschlagen
und mal requiriert.
14. Dezember kamen wir nach Prokuple, eine große Stadt von
Bulgaren besetzt. Einige km außerhalb Prokuple in einem
Dorf Rast. Hier schlachtete ich ein Schwein.
15. Dezember wieder Abmarsch in ein Dorf nicht weit von Nisch.
Dort wurden wir einquartiert.
18. Dezember wieder Rückmarsch nach Prokuple, dort einquartiert.
Die Fleischkonserven wurden visitiert. Es fehlte jedem Mann, jedem
Infanteristen, dem fehlten von der Konserven Notration wurden
10 Stockstreiche erteilt. Die Chargen wurden z. Btt.-Rapport bestimmt.
19. Dezember ging es wieder weiter. Wir kamen zum Rapport. Einen
tüchtigen Putzer gabs, es wurde auch von Desertierung gesprochen.
Abends kaufte der Oberleutnant für die Komp. Fünf Schweine
um 1000 Kronen. Es waren aber nur 50.
20. Dezember kamen wir in das Städtchen Krusumbye. Hier blieben
wir, die 1. u. 2. Kompanie.
23. Dezember ging unser halber Zug als Patrouille, etwa 4 Stunden
ins Gebirge in das Dorf Schegvova, das immer von Kroaten belästigt
wurde.
24. Dezember 1915 ging ich mit 2 Mann als Verbindg.Patroul. nach
Banja, ein schönes Bad, von uns etwa vier Stunden ins Gebirge.
Es ist eine wildromantische Gegend. Erste Weihnachtsstimmung.
Es ist etwas Schnee gefroren und die Bäume sind schön
weiß vom Duft [Anm.: Duft ist Tau, hier Raureif].
Während ich Patr. war, kamen etliche Kroaten Schegvova und
wollten etliche 10 Stück Rinder forttreiben. Es wurde unseren
gemeldet. Die sind dann vertrieben worden.
25. Dezember 1915: Am Heiligen Weihnachtstag lagen wir in einer
elenden serbischen Hütte. Wir hatten ein Schwein geschlachtet.
Auch Kukuruz wurde gebraten. So hielten wir Weihnachten im Kriegsjahr
1915.
26. und 27. 12.: Dasselbe Fleisch hatten wir, da wurde halt gekocht
und patroulliert und requiriert was zu finden war.
28. Dezember wurden wir abgelöst vom 3. und 4. Zug und gingen
zurück nach Kusuntje, wo die Patrouillen einrückten.
Eine Patr. hatte bittere Kämpfe mit den [unleserlich]
Wir hatten aber auch zwei Verwundete.
31. Dezember 1915: Abends wurde das Jahr 1915 mit großem
Lärm und Schnaps beschlossen, ich legte mich schlafen.
1916
1. Jänner 1916 gratulierten wir unseren Offizieren zum neuen
Jahr.
2. Jänner ging ich mit zweien Patroulieren in ein Dorf unweit
Kursumye, holte zwei Fuhren Holz.
3. Jänner gingen wir wieder hinaus ins Gebirg über die
Altserbische Grenze nach Prbadac als Wache.
4. Jänner : Patr. mit vier Mann in banatischen und serbischen
Orten. Requirierte 7 Hühner, Eier und ein Schaf u. Verschiedenes.
Es war stürmisch und schneite.
5. Jänner 1916 ging ich wieder mit 3 Mann zu den Banatern
und requirierte 12 Hühner, Eier u. Tabak.
6. und 7. Jänner wurde die serbische Weihnacht gefeiert.
Geflügel und Schaffleisch ist genug.
9. Jänner gingen wir wieder Patr. bei gr. Schneegestöber.
Wir gingen auch nicht weit. Die türkischen Sitten werden
nicht beachtet, ein paar Häuser durchstöbert, einige
Hühner, 2 Schafe und etwas Honig requiriert, dann ging es
zurück.
11. und 12. Jänner requirierte ich wieder 20 Hühner,
einer u.d.g. Bei Kälte und Schneegestöber marschierten
wir weg von Prebalac gegen Pristina. Bei Kälte übernachteten
wir in einem türkischen Dorf.
14. Jänner marschierten wir bei großer Kälte und
Schneegestöber ca. 40 km über Pristina in ein Dorf,
dort Nachtlager. Schmutz und Unordnung wie bei den Türken
überall.
15. Jänner wieder weiter gegen Prisren, bei gr. Kälte,
Schnee und eisigem hartgefrorenem Weg ca. 50 km von früh
bis abends und dann kein Quartier. Es war der größte
und schwerste Marsch, den ich bisher gemacht habe. Es war etwas
Unmenschliches. Die Leute fielen nur in den Schnee hinein nach
ein paar Schritten. Es konnte fast kein Mensch mehr gehen.
16. Jänner ging es nur ein paar km, dann Rast in einem Dorf.
Es ist auch schönes Wetter heute.
17. Jänner: Marsch. Wir nach Priszren. Eine sehr gr. türkische
Stadt. In der Nähe lagen noch jetzt bei 20 Stück zertrümmerte
serbische Kanonen, die sie schon vor mehr als einem Monat hier
im Stich ließen. Hier wurden wir einquartiert. Beschäftigung
vorläufig keine. Ein provisorisches Kino wurde hergerichtet.
Da gingen wir abends ins Theater. Das Wetter ist kalt.
25. Jänner: Noch nichts Neues. Vormittag Ausrückung,
nachmittags 1 Stunde Schule.
31. Jänner Abmarsch von Priszren. Es heißt nach Belgrad.
2. Februar: Ankunft a.d. Bahnstation Perizavic. Hier trafen wir
den Landsmann Kupferschmidt.
4. Februar. Einwaggoniert in Pr., Abmarsch abends über Ürkub,
Leskovac. Nisch, Belgrad, Semlin, India und einquartiert. Abmarsch
von India am 10. über Karlovitza, Peterwardein nach Neusatz.
Einwaggoniert in den Baracken. Abends Ankunft meiner Frau.
11. Februar wurde ein guter Rasttag auf ungarischem Boden gehalten.
Hier endet das erste Tagebuch
Zweites Kriegstagebuch von Peter Mattes (14. Februar 1916
- 15. Mai 1916)
14. Februar: Abmarsch von Ijordek abends 6 Uhr über Strabadka,
Kaja , Dombovar, Kaposvaros, Leibach, Villach, Spittal, Franzensfeste
bis Trient in Süd-Tirol. Es war eine schöne Fahrt durch
die Alpenländer.
18. Februar: Früh um 4 Uhr Ankunft in Trient. Es ist eine
wunderschöne Stadt. Es ist hier im Tag schön und eine
ganz andere Vegetation als in Ungarn. Man sieht hier besonders
grüne Bäume und Sträucher, sogar Palmen gedeihen
hier im Freien.Das Batl. marschierte gegen 6 Uhr etwa 4 km östlich
von Trient in den einige 100 m höher als Trient gelegenen
kleineren Ort Olttrecastello. Hier wurden wir einquartiert. Ich
blieb mit 5 Mann als Train-Bedeckung in Trient zurück. Unterhielt
mich im Bahnhofsrestaurant bei gutem Tiroler. Gegen Nachmittag
marschierten auch wir nach Otrecastello. Alles war fröhlich
gestimmt, denn man bekommt überall guten und billigen Wein.
Die Bevölkerung ist hier italienisch. Sehr selten ist jemand,
der deutsch spricht.
19. Februar: Wurde ein Brigadebefehl verlautbart. Wir bleiben
mehrere Wochen hier. Es ist ganz angenehmes Wetter. Auf dem Berge
ist aber hoher Schnee.
20. Februar ging die Beschäftigung an. Eine halbe Stunde
Geländeübung.
23. Februar: Großer Schneefall. Wir haben keine Beschäftigung.
Gute Verpflegung: täglich Käse, gutes, geräuchertes
Schweinefleisch, Wein. Außer der Fassung wird noch Wein
gekauft. Abends wird manchmal noch nach dem südlichen Dorf
Povo gegangen. Im Dorf sind noch mehrere Wirtshäuser, das
ist dann eine schöne Unterhaltung.
1. März: Keine Veränderung. Ein ganz gemütliches
Leben, nur schlechtes Wetter mit Schnee und Regen.
5. März: Faschingssonntag waren wir in dem Ort Mattarelo,
etwa 2 km südlich von Trient auf Arbeit. Beim Heimgang kehrten
wir in dem Wirtshaus zum "Ponto Alto" ein. Das Wirtshaus
steht unter Otrecastello und ist berühmt durch den großen
Wasserfall Ponto Alto. Wir gingen eine lange Stunde hinunter und
schauten uns den Fall an. Das Wasser stürzt vor uns in einen
Abgrund 300 m tief hinab.
8. März: Aschermittwoch war mal wieder große Zeremonie.
12. März waren wir wieder in Mattarella auf Arbeit. 3 mal
waren wir auch schon in Trento.
13. März legten wir in Povo unsere österliche Beicht
und Kommunion ab.
17. März kam der Befehl, daß unser guter Kompanie-Kommandant,
der Oberleutnant Unger, weggeht von uns. Die 15. Marschkompanie
wurde aufgeteilt und wir bekommen den Leutnant Gräf als Kompanie-Kommandanten.
Abends Abmarsch von Ottrecastello durch Trient über die Etsch
in südlicher Richtung ca. 20 km nach dem Ort Volano nördlich
von Rovereto. Hier wurden wir wieder einquartiert.
20. März kommt seine Königl. Hoheit Erzherzog Thronfolger
im Auto nach Volano. Er fuhr nach Rovereto an die Front und dann
wieder zurück. Hier machen wir gar nichts als Tag und Nacht
liegen. Auch haben wir nicht so Verpflegung als in Castello. Man
ist hier schon vom Feind eingesehen.
24. März wurde unsere Kompanie kommandiert auf Arbeit in
ein Dorf östlich von Volano. Wir marschierten über Calliano,
wo auf einem Feld eine alte romantische Burg steht, die einstmals
eine gute Talsperre war, denn von hier übersieht man das
ganze Etschtal und auf die Schlucht nach östlich her zieht
von [unleserlich] verläuft. Von dieser Burg marschierten
wir bergauf nach Gardia, ca. 1300 m hoch gelegener kleiner Ort
. Wir wurden im Pfarrhaus neben der neuen Kirche einquartiert.
26. März gingen wir das erste Mal auf Arbeit auf den Berg
Tinvistio, der 2600 m hoch ist und noch 1 bis 2 m hoher Schnee
liegt. Hier sollte ein Weg gemacht werden für die Artillerie.
27. März wieder oben. Das Wetter ist schön. Ein feindlicher
Flieger kam. Die Abwehrkanonen, die bei uns standen, fingen zu
schießen an. Es war ganz hübsch. Der feindliche Flieger
machte schnell kehrt euch.
1. April: Nichts Neues als Hunger. Die Verpflegung ist sehr schlecht.
3. April: In Calliono wurden wir gründlich gereinigt in einem
guten Duschbad. Auf dem Rückweg begegneten wir dem Erzherzog
Thronfolger. Er fuhr im Auto ganz langsam an uns vorbei. Im zweiten
Auto war ein Zivilist, angeblich Graf Tisza.
5. April rückten wir wieder ein zum Bataillon nach Volano.
8. April Kirchgang. Wir erhielten die Generalabsolution. Hier
ist eine schöne große Kirche mit neun Altären.
15. April wurden wir abends alarmiert und marschierten nach Rovereto.
Doch war es nur ein Probealarm und wir marschierten wieder zurück
nach Volano. Rovereto ist eine sehr schöne Stadt. Schöne
Häuser und Villen mit wunderschönen Parkanlagen, die
so schön grün sind wie bei uns im Juni.
16. April. Palmsonntag war wieder Kirchgang in Volano.
17. April Karwoche. verbrachten wir täglich in Volano. Beschäftigung
ist keine. Ein oder zweimal wird die Kirche täglich besucht.
Die Trauerzeremonien werden wie bei uns im Frieden abgehalten,
obwohl ab und zu die Kanonen ganz in der Nähe donnern. Die
Front ist keine 10 km von hier.
21. April: Am Karfreitag kommen 7 feindliche Flieger über
Trient und werfen 25 Bomben ab. 7 Personen, darunter 2 Kinder,
sind tot, 5 verwundet.
23. April: Ostersonntag. Den ganzen Tag Regen und im Gebirge Schnee.
25. April: Heute geht die Beschäftigung an. Gefechtsübung
und Spiele. Bisher war zweimal Nachtübung. Da wurde die Ersteigung
steiler Felsberge geübt.
26. April: Am Mittag ging ich mit drei Mann in Dienst an ein Artillerie-Munitionsdepot.
Das Wachhaus liegt schön in den Weingärten. Es ist ein
schöner warmer Tag und ganz lieblich hier. Aber der Feind
beschießt den in der Nähe gelegenen Bahnhof Alliano
,Straße und Etsch-Brücke mit sehr schwerer Artillerie.
Wahrscheinlich sind es 21er oder gar 28er.
27. April: Abends war wieder Nachtübung.
28. April: Wir waren wieder ausgerückt, da beschoß
der Feind wieder den Bahnhof von Calliano. Am 26. hatte er Schaden
angerichtet: 30 Tote, darunter 6 Russen, die in Calliano gearbeitet
haben.
29. April: Wieder eine Gebirgsübung. Es ist ein warmer Tag.
Die Fliegertätigkeit ist sehr groß, eigene und feindliche
Flieger. Abwehrkanonen schießen bereits und Schrappnellhülsen
und Füllkugeln fliegen auch um uns herum.
1. Mai 1916: Keine Änderung. Abends Nachtübung.
2. Mai ging die zweite und vierte Kompanie unseres Bataillons
in Stellung.
3. Mai: Ausrückung. Die Flieger gehen heute wieder stark.
Unsere Abwehrkanonen donnern von allen
Seiten. Die ganze Luft ist voll von Sprengwolken.
4. Mai: Vormittag wieder großer Luftkrieg. Abends lösten
wir die 2. Komp. in der Stellung bei Rovereto ab. Ich ging gleich
auf Feldwache. Es ist ganz schön hier, die Feldwache ist
in einer kleinen Baracke. Die [unleserlich] ist am Rand
einer Schlucht ca. 300 Schritte von der fdl. Stellung. Ab und
zu fällt ein Schuss.
5. Mai: Auf der Feldwache kein Ereignis von besonderer Bedeutung.
Einige Kugeln fliegen über unsere Hütte. Unsere Stellung
ist auf einer mäßigen Höhe südlich von Rovereto.
Hinter uns liegt die liebliche Stadt im Etschtal. Die Etsch fließt
durch die Stadt. Gegen Abend wurden wir mit Minenwerfern begrüßt.
Drei Minen gingen auch in unserer Nähe los.
Abends wurden wir abgelöst und rückten in die Stellung
ein. Die Stellung ist festungsartig ins Feld gebaut. Schöne
Betten mit Matratzen in den Deckungen.
6. Mai 1916: In Stellung. Man kann bei Tag die Stellung verlassen.
Oben sind Tische und Bänke unter den Bäumen. Es ist
ganz schön. Abends wurden wir wieder vom 42. abgelöst
und rückten nach Volano ein.
7. Mai: Filipovaer Kirchweihtag lag ich den ganzen Tag im Zimmer.
Ich hatte ein Geschwür im Gesicht.
10. Mai 1916: Ich ging zum Arzt, da wurde mir das Ding aufgeschnitten
und ausgeputzt.
Ende der Aufzeichnungen
Die Kameraden von Peter Mattes, der am 15. Mai 1916 bei Rovereto
gefallen ist, schrieben folgende Zeilen an seine Witwe Anna und
an die Kinder Anna und Rosalia:
Gute Freundin!
Da schicken wir Dir die Sachen von Deinem lieben Mann. Seine
Brieftasche. Wo er ruht, werden wir Dir auch schreiben. Er ruht
südlich von Rovereto bei dem Militärfriedhof. Begraben
ist er auch schön und er hat auch ein Kreuz, wo sein Namen
drauf ist. Seine Verwundung war ein Kopfschuss. Er hat sterben
müssen, es war ihm nicht mehr zu helfen.
Das Letzte, was er noch gesagt hat, war: "Helft mir",
aber man hat ihm nicht mehr helfen können. Wenn Du willst,
kannst Du auch an sein Grab gehen, aber jetzt geht es noch nicht,
denn die Italiener sind noch in der Nähe. Sein Geld, das
er noch bei sich gehabt hat, waren 65 Kreuzer. Die hat sein Geschwisterkind
behalten.
Leider können wir Dir nicht mehr mitteilen.
Mach es Dir nicht so schwer, denn der liebe Gott hat ihn gewollt,
darum lasset ihn ruhen. Der liebe Gott möge ihn in den Himmel
nehmen. Oh, Herr, gib ihm die ewige Ruhe!
Gute Freundin, Du glaubst nicht, wie schwer es uns ist, weil
wir Dir die traurige Nachricht schreiben müssen.
Viele Grüße an Dich und Deine Familie
von Stefan Mattes
Georg Schäffner
Joszef Jack